Lebensdaten
1582 oder 1581 bis 1644
Geburtsort
Dransfeld bei Göttingen
Sterbeort
Hanau
Beruf/Funktion
Musiker ; Komponist
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 130860506 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jeep, Johann
  • Jeep, Johannes
  • Jeep, Johann
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Zitierweise

Jeep, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130860506.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich, Schäfer u. Ackermann in D.;
    M Anna N. N.;
    1) 1614 Barbara verw. Herbst, 2) 1624 Anna Margarete verw. Sturm;
    1 T aus 1). 1 T aus 2).

  • Leben

    J. besuchte die Lateinschulen in Göttingen und Celle und hielt sich seit 1600 studienhalber in Nürnberg auf. Hier gaben ihm Valentin Haußmann (der ihn in einem Lied verspottete, den er aber durch eine Trauerkomposition ehrte) und Hans Leo Haßler wesentliche Anregungen. Auch lernte er Joh. Andr. Herbst kennen. 1605 erschien der 1. Teil seines erfolgreichen „Studentengärtlein“. Um 1610 unternahm er eine Reise durch Frankreich, Italien und nach Venedig. Im Herbst 1613 wurde er als Nachfolger Erasmus Widmanns als Kapellmeister und Organist an den Hof des Grafen zu Hohenlohe nach Weikersheim berufen. Gf. Friedrich betraute ihn auch mit „geheimsten Sachen, Legationen und andern Geschäften“, ernannte ihn aber 1625, nach der kriegsbedingten Auflösung der Hofmusik, zum Amtskeller (Rentereibeamten) in Hollenbach. Um 1635 wirkte J., in Vertretung von Herbst (mit dem er möglicherweise durch seine 1. Frau verwandt war), ein gutes Jahr als Domorganist in Frankfurt am Main. Ein Angebot des Deutschmeisters lehnte er aus Glaubensgründen ab, ging aber, von Herbst empfohlen, im Januar 1637 als „Capellmeister und Director Chori Musici“ nach Frankfurt. Die Kriegsumstände und mehrfache Krankheit ließen diese Tätigkeit nicht erfolgreich werden. 3 Jahre später wurde ihm gekündigt. Auf der Reise nach Weikersheim fand er im Sommer 1640 eine Anstellung als Kantor der Stadtschule in Hanau, bevor er im Jan. 1642 zum Kapellmeister einer kaum noch existierenden Hofmusik und Organisten der ref. Hauptkirche St. Marien berufen wurde.

    Michael Praetorius weist 1613 in der Vorrede seiner „Urania“ auf J.s „in contrapuncto simplici gesetzte Psalmen“ hin, die er neben denen von Haßler und einigen anderen in „Franken und Schwaben“ für erwähnenswert hält. Aber nicht diese gut 100 Liedsätze der „Geistlichen Psalmen und Kirchengesänge“ von 1607 und 1629 haben J. bekannt gemacht, sondern die 34 weltlichen Lieder seines „Studentengärtlein“. Die schlichte Volkstümlichkeit und die vollkommene Deckung von Text und Musik in einem durchweg homophonen Diskantsatz machen die Stärke dieser Strophenlieder an der Schwelle zur Monodie aus, die Gerber „zu den originellsten und künstlerisch wertvollsten Liedschöpfungen … in der Umgebung des Haßlerschen Liedes“ zählt.

  • Werke

    Studentengärtleins Erster T. Neuer lustiger weltl. Liedlein, 1605, 71626;
    Studentengärtleins Ander T., 1614, 31622;
    Geistl. Psalmen u. Kirchengesäng … wie sie in Christl. Kirchen u. Gemeinen … zu singen gebräuchlich, 1607 (2 Aufl.);
    Geistl. Psalmen u. Kirchengesänge, wie sie … zu Weikersheimb … zu singen gebräuchlich, 1629;
    geistl. u. weltl. Lieder, Hochzeitskompp. u. a. Nebenwerke.

  • Literatur

    ADB 13;
    Ph. Böhm, Lpr., 1645;
    G. Giesecke, J. J., Der „Braunschweig. Orpheus“, in: Zs. d. Ges. f. niedersächs. KG 41, 1936, S. 256-61;
    W. Jeep, Die Fam. Jeep, 1540–1940, 1940 (P) Privatdr;
    R. Gerber, Vorwort z. Neuausg. d. „Studentengärtlein“, 1958, S. VII-XII (P);
    W. Brennecke, Die Lpr. auf J. J., Neues z. Biogr., in: Archiv f. Musikwiss. 15, 1958, S. 101-12;
    ders., Das Hohenlohesche Gesangbuch v. 1629 u. J. J., in: Jb. für Liturgik u. Hymnol. 4, 1958/59, S. 41-72;
    MGG VI (W, L, P);
    Riemann (W, L).

  • Portraits

    Kupf. v. H. Ullrich (1613) u. S. Furck (1635), Abb. in: Jeep u. Gerber, s. L.

  • Autor/in

    Wilfried Brennecke
  • Empfohlene Zitierweise

    Brennecke, Wilfried, "Jeep, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 384 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130860506.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Jeep: Johann J., ein Componist aus dem Anfange des 17. Jahrh. Nach seiner eigenen Angabe ist er aus Dransfeld bei Göttingen gebürtig, und schließt man aus dem 1613 erschienenen Porträt, wo er als junger Mann abgebildet ist, so muß er etwa um 1592 geboren sein. Ums J. 1607 gab er sein vielgesungenes und fünf Mal ausgelegtes „Studentengärtlein“ heraus, ein Liederbuch zu 3—5 Stimmen, dem 1609 ein zweiter Theil folgte. In dieselbe Zeit fällt auch seine Stellung als Kapellmeister beim Grafen von Hohenlohe in Weickersheim, doch schon 1610 finden wir ihn in Nürnberg ansässig und Erasmus Widmann an seiner Stelle (s. Pfudel's Katalog der Ritterakademie in Liegnitz, S. 58 u. 104). Ueber seine Thätigkeit in Nürnberg, sowie über seinen Tod sind wir bisher noch nicht unterrichtet und alle Angaben darüber, z. B. in Mendel's Musikal. Conversationslexikon, welches ihn zu Ulm 1650 sterben läßt, verdienen nicht einmal als Muthmaßung eine Beachtung. Soviel wissen wir aber, daß er in den J. 1607—10 musikalisch sehr thätig war, doch von da ab nur noch obiges Liederbuch „Das Studentengärtlein“ in weiteren Auflagen erscheint, zu denen er noch 1617 eine neue Vorrede schreibt, in der er sich wegen „des lästerzüngigen Zoili“ beklagt. Im J. 1626 erschien die letzte Ausgabe desselben Liederbuches und von da an verschwindet jedes Lebenszeichen des Verfassers. — Außer jenem Studentengärtlein sind 1607 noch Psalmenbearbeitungen zu 4 Stimmen und 1610 Tricinien erschienen. Die ersteren haben zum größten Theile in Schöberlein's Schatz des liturgischen Chor- und Gemeindegesangs (Göttingen 1865—72) Aufnahme gefunden und zeigen uns J. als einen tüchtigen Meister in der Tonsetzkunst, der auch versteht die Stimmungen des menschlichen Herzens in Tönen wiederzugeben. Die Lieder in dem Studentengärtlein dagegen sind lustige Ergüsse eines fidelen Burschen und wohl geeignet, das damalige Interesse für die Lieder zu erwecken, besonders da sie in eine Zeit fielen, in der man mit den alten Traditionen brach und lüstern nach den Errungenschaften der Italiener horchte. Wenn sie auch mit den Opernversuchen der letzteren nichts gemein haben, so schlagen sie doch eine Saite an, die bis dahin gar nicht oder nur vorübergehend erklungen war und die in einer Zeit, in der sich alle Fesseln lösten und man gerne nach Neuigkeiten haschte, mit Begier ergriffen wurden.

    • Literatur

      Monatshefte für Musikgeschichte, VIII. 31, 37. Rob.

  • Autor/in

    Eitner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eitner, Robert, "Jeep, Johannes" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 750 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130860506.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA