• Leben

    Über J.s Vorfahren und seine Jugend ist nichts bekannt. 1896 kam er nach Hamburg und wurde dort Mitglied des Allgemeinen|deutschen Gärtnervereins, dessen Ortsverwaltung er übernahm. 1897 wurde er Mitglied des Verbandsausschusses und 1902 Mitglied des Hauptvorstands und Redakteur des Verbandsorgans. Die Tätigkeit in dieser gemischten Organisation, in der zunächst noch Arbeitgeber und Arbeitnehmer vertreten waren, ist von großem Einfluß auf die Entwicklung von J.s wirtschaftlichen und politischen Anschauungen gewesen. Nach dem Anschluß des Verbandes an die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands (1904) wurde J. 1905 2. Redakteur des Zentralorgans der Freien Gewerkschaften, des „Correspondenzblatts“. 1919 ernannte die schwed. Regierung ihn zu ihrem Sozialattaché in Berlin.

    Die publizistische Wirksamkeit J.s läßt sich im einzelnen kaum nachweisen. Den Gepflogenheiten der Zeit entsprechend, redigierte er das „Correspondenzblatt“ nicht nur, sondern hat mit Sicherheit auch einen großen Teil der nichtgezeichneten Artikel verfaßt. Außerdem schrieb er in den „Sozialistischen Monatsheften“, der „Neuen Zeit“ und der „Sozialen Praxis“ Beiträge über allgemeine politische Ereignisse, über die Gewerkschaften in Skandinavien und über die deutschen Gewerkschaften. Obschon er 1905 und 1910 mit selbständigen Veröffentlichungen hervorgetreten war, wurde er einer breiteren Öffentlichkeit erst 1915 bekannt, als er im Auftrag der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands die Schrift „Arbeiterinteressen und Kriegsergebnis. Ein gewerkschaftliches Kriegsbuch“ herausgab und mit „gewerkschaftliche(n) Randbemerkungen zum kommenden Frieden“ versah. In diesem Beitrag entwickelte J. das Interesse der deutschen Arbeiter an der „Politik des 4. August“, also der Bewilligung der Kriegskredite durch die sozialdemokratische Partei, und deklarierte den Sieg Deutschlands als Voraussetzung für die Weiterführung der „Sozialreform“. Allerdings übersah er nicht, daß der „Kampf zwischen Kapital und Arbeit“ nach dem Krieg erneut ausbrechen werde. Um den Arbeitnehmern für diese Auseinandersetzungen eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen, müsse der Staat ihnen das Koalitionsrecht zugestehen und die Arbeitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung einführen. Dieselben Forderungen vertrat J. 1917 in seinem Beitrag „Für oder wider die Monopole“, den er in dem von ihm herausgegebenen Sammelband „Monopolfrage und Arbeiterklasse“ publizierte. 1919 veröffentlichte er zwei Broschüren, in denen er die „Gemeinschaftsarbeit im neudeutschen Wirtschaftsleben“ proklamierte und die Beziehungen zwischen „Revolution und Sozialismus“ darlegte. Er war einer der wirksamsten Verfechter der Arbeitsgemeinschaften von Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

    J.s Bedeutung für die deutsche Gewerkschaftsbewegung liegt darin, daß er wirtschaftliche Vorgänge analysieren und sie in verständlicher Weise darstellen konnte. Manche seiner Formulierungen sind in programmatische Publikationen der freien Gewerkschaften übernommen worden. J. hat die Interessen der Arbeitnehmer in wirkungsvoller Weise vertreten, so zum Beispiel auch durch seine Mitarbeit in der Gesellschaft für Soziale Reform. Darüberhinaus hat er im Auftrag der Generalkommission die internationalen Beziehungen der Gewerkschaften, auch während des 1. Weltkriegs, aufrechterhalten und intensiviert.

  • Werke

    Weitere W Zur Lage d. arbeitnehmenden Gärtner in Dtld., 1905;
    Die Zustände im dt. Fabrikwohnungswesen, Ergebnisse e. v. d. Komm. z. Beseitigung d. Kost- u. Logiszwanges veranstalteten Erhebung, 1910.

  • Literatur

    L. H(eyde), in: Soz. Praxis u. Archiv f. Volkswohlfahrt 32, 1323, Sp. 760 f.;
    Korr.bl. d. Allg. Dt. Gewerkschaftsbundes 33, 1923, S. 375 f.;
    Internat. Hdwb. d. Gewerkschaftswesens, 1930, S. 862;
    F. Osterroth, Biograph. Lex. d. Sozialismus, 1960, S. 127.

  • Autor/in

    Ursula Hüllbüsch
  • Empfohlene Zitierweise

    Hüllbüsch, Ursula, "Jansson, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 345 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137706707.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA