Lebensdaten
1777 bis 1847
Geburtsort
Bamberg
Sterbeort
Bamberg
Beruf/Funktion
Zisterzienser ; Bibliothekar in Bamberg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119486903 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jaeck, Joachim (Klostername)
  • Jäck, Joachim (Klostername)
  • Jäck, Heinrich
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Zitierweise

Jaeck, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119486903.html [02.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Georg ( 1804), Wirt u. Brauer;
    M Margarete Majershofer ( 1810), aus Brauerfam.;
    B Michael (1783–1833), Appellationsgerichtsrat (s. W).

  • Leben

    Nach dem Besuch des Bamberger Gymnasiums trat J. 1796 in das Zisterzienserkloster Langheim (b. Lichtenfels, Oberfranken) ein. Während der klösterlichen Ausbildungszeit interessierte er sich weniger für Theologie als für Philosophie, klassische Philologie, Geschichte und Rechtswissenschaft (1801 Priesterweihe). Nach dem Brande Langheims (6./7.5.1802) wurde er mit der Neuordnung der noch erhaltenen alten Drucke und Handschriften beauftragt. Nach der Aufhebung seines Klosters (21.6.1803) trat er schon im Juli 1803 in Staatsdienste und erfüllte die ihm gestellte Aufgabe, zusammen mit Alexander Schmötzer und Joh. Konrad Frey 11 ehemalige Kloster- und Stiftsbibliotheken der ehemaligen Universitätsbibliothek Bamberg einzugliedern. 1815 wurde er alleiniger Leiter der nun öffentlichen Bibliothek. Er widmete sich seinen bibliothekarischen Aufgaben (Aufstellung und Katalogisierung, vor allem der Handschriften) mit Hingabe und entfaltete daneben eine sehr reiche, aber wegen der Raschheit seines Arbeitens nicht immer zuverlässige Produktion auf dem Gebiete der Geschichte, der Paläographie und vor allem der Biographie. Geistig ein Kind der Aufklärung, gab er sich in seinen Schriften für einen ehemaligen Mönch auffallend unorthodox und antihierarchisch (bezeichnend seine Schriften: „Wahres Bild der Klöster“, 1827, und „Wie können die Geistlichen die Achtung der Weltlichen wieder erlangen?“, 1833). Unter seiner Rechthaberei und Streitsucht hatten manche Zeitgenossen zu leiden. J. war Mitbegründer des „Bamberger Tagblattes“. Seine Bücher und sein Vermögen vermachte er der Bibliothek.

  • Werke

    Weitere W u. a. Materialien z. Gesch. u. Statistik Bambergs, 1809 f. (mit B Michael Jaeck);
    Pantheon d. Literaten u. Künstler Bambergs 1-7, 1812-15, Forts, u. d. T. Leben u. Werke d. Künstler Bambergs 1-2, 1821-25, 2. Pantheon, 1843;
    Bamberg u. dessen Umgebungen, 1813;
    Beschreibung d. Wallfahrtsortes Vierzehnheiligen … u. d. Abtei Langheim, 1826;
    Die wichtigsten u. interessantesten See- u. Landreisen, 87 Bde., 1827-32;
    Bamberg. Jbb. 741-1833, 1829-33;
    Vollst. Beschreibung d. öffentl. Bibl. zu Bamberg, 4 T., 1831-35;
    Gal. d. vorzüglichsten Klöster Dtld.s, 1831-33;
    Viele Alphabete u. ganze Schriftmuster vom 8.-16. Jh., 4 Hh., 1833-35.

  • Literatur

    ADB 13;
    F. Leitschuh, Gesch. d. Kgl. Bibl. z. Bamberg, 1894 (P);
    Hans Fischer, in: Ll. aus Franken I, 1919 (W, L, P-Verz.);
    I. Wolf, Die Säkularisierung d. Stifts- u. Klosterbibliotheken im Gebiet d. Erzbistums Bamberg, Diss. Erlangen 1952;
    F. Geldner, Die Langheimer Äbte u. Mönche …, in: Heimatbll., Land am Obermain, 1954;
    ders., Langheim, 1966;
    G. Arneth, Die Zisterzienser-Abtei Langheim vor d. Säkularisation, in: Ber. d. Hist. Ver. Bamberg 106, 1970;
    Kosch, Kath. Dtld.

  • Portraits

    in d. Staatsbibl. Bamberg.

  • Autor/in

    Ferdinand Geldner
  • Empfohlene Zitierweise

    Geldner, Ferdinand, "Jaeck, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 261 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119486903.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Jäck: Joachim Heinrich J., geb. am 23. October 1777 zu Bamberg, am 26. Januar 1847. Frühzeitig für die Studien bestimmt, ließ sich J. nach Absolvirung des Gymnasiums, dem Wunsche seiner Mutter „Geistlich zu werden“ entsprechend, am 20. April 1796 in die fränkische Cisterzienser-Abtei Langheim aufnehmen. Er betrieb von nun an in den Mußestunden aufs Eifrigste die klassischen Studien und namentlich Philosophie und verlegte sich später, da er sich weder durch das Studium der Theologie noch durch die klösterliche Hausordnung befriedigt fand, lieber auf Geschichte und Jurisprudenz, in der Hoffnung, entweder die Verwaltung der Klostergüter zu Tambach und Kulmbach zu erhalten oder Bibliothekar des Klosters zu werden. Der letztere Wunsch wurde ihm bald erfüllt, da nach dem großen Brande des Klosters zu Langheim am 2. Mai 1802 der Bibliothekar Kilian Rossat keine Lust mehr zeigte, die noch übrig gebliebenen 8000 Bande der Klosterbibliothek weiter zu verwalten. Aber schon 1803 nahte durch die Säcularisation das Ende des Klosters Langheim, und J. verließ am 21. Juni d. J. dasselbe mit der Bitte, ihn entweder im Bibliothekdienste zu verwenden oder ihm ein Lehramt der Rhetorik oder Philosophie zu übertragen. Zunächst erhielt er, Juli 1803, mit Schmötzer und Frey den Auftrag, 11 stiftische und klösterliche Bibliotheken zu übernehmen, mit der früheren Universitätsbibliothek zu vereinigen und in den jetzigen Bibliothekräumen in Bamberg (dem früheren Jesuitenkloster) nutzbringend aufzustellen. Seiner rastlosen Thätigkeit, seiner Begeisterung und Aufopferung für dieselbe ist es möglich geworden, der Bibliothek eine höchst achtbare Stellung im In- und Auslande zu sichern. Seine schriftstellerische Thätigkeit anlangend, hat J. 240 größere und kleinere Schriften abgefaßt, die er selbst in vier Hauptrubriken ordnete und zwar in Schriften 1. zur Bamberger Geschichte, 2. in solche zur Literatur, 3. in solche zur Länder- und Völkerkunde und 4. in Schriften, Kirchenrecht, Kirchengeschichte, Bibel und Exegese betreffend. Es soll hier hervorgehoben werden, daß J. außer dem „Pantheon“, in welchem er alle irgendwie bedeutenden Bamberger Literaten und Künstler zusammenstellte, eine „Geschichte Bambergs“, „Materialien zur Geschichte und Statistik Bambergs“, „Bamberger Jahrbücher“, Bamberger Taschenbücher auf die Jahre 1813—15, „Bamberg und dessen Umgebungen“, „Rückblicke auf Bambergs allseitige Verhältnisse in den letzten 50 Jahren“, eine Geschichte der Altenburg, des Michaelsberges, des Fischerhofs, eine „Geschichte von Banz und Vierzehnheiligen“ abgefaßt hat. Ferner veröffentlichte er ein größeres Werk über die Manuscripte und Druckschriften der k. Bibliothek und war einer der Ersten, der eine herrliche Sammlung von Schriftmustern aus dem 7.—18. Jahrhundert, geschöpft aus den dem Datum nach beglaubigten Manuscripten der k. Bibliothek zu Bamberg, herausgab. J. aber auch war es, der selbst viele junge Männer, namentlich den später berühmt gewordenen Kunsthistoriker Heller (Bd. XI S. 695) in die Oeffentlichkeit einführte, sie zu Studien anregte und ermunterte. Mit Heller zugleich gab er Beiträge zur Literatur und Kunstgeschichte heraus und verfaßte vom J. 1822—1846 von allen ihm bekannten Bambergern, die in dieser Zeit starben, Nekrologe. Um aber so recht eigentlich nutzbringend zu wirken, gab er eine Taschenbibliothek von Reisen in 87 Bändchen heraus. Er selbst hatte fast jährlich eine größere Reise gemacht und in diesen Reisebeschreibungen verwerthete er seine gemachten Erfahrungen. Auch das Bamberger Tagblatt gründete er im Jahre 1832. Wie weit er übrigens ging, um, wie er sich ausdrückt, Aufklärung zu verschaffen, das mögen seine|eigenen Worte beweisen. Er sagt: „Je aufgeklärter ich als Bibliothekar über alles, namentlich über kirchliche Verhältnisse sein muß, desto mehr rechnete ich mir zur Pflicht, die geheimen Umtriebe für die Verfinsterung und Fesselung der Menschheit durch meine Wünsche für die katholische Kirche Deutschlands, wie durch geschichtliche Rückblicke auf die Verhältnisse der Bisthümer Baierns zu bekämpfen. Welch politisch freie Gesinnung ich hege, möchte vorzüglich aus meinen Beiträgen zum Oppositionsblatt in Weimar 1817—1820 erhellen.“ J. wollte, das ist zweifellos, nur Gutes wirken; aber er war oft zu schroff und durch heftige, wenn auch zu rechtfertigende Angriffe, wie durch seinen Hang zur Satire, die sich in seinem „Rückblick auf eine merkwürdige Reise über Hammelburg", ferner durch seine Schrift „über die römisch-katholische Kirche mit ihren Jesuiten" kundgab, die pseudonym unter dem Namen Wahrmund erschien, erweckte er sich eine Menge Feinde, ohne daß es ihn abhielt, offen gegen jede Verfinsterung vorzugehen. Und so hielt er sich denn, wie er sagt, als Eingeweihter verbunden, „ein wahres Bild der Klöster, wie sie waren, und wie sie hätten sein sollen", zu entwerfen, woran sich die Schriften: „Gallerie der vorzüglichsten Klöster“ und „Wie können Geistliche die Achtung der Weltlichen wieder erlangen?“ anschlossen. Seine Thätigkeit war eine ganz außergewöhnliche. Alle nur erdenklichen Tagesfragen beschäftigten den unermüdlichen Mann, und um dem Volke Liebe zur Kunst einzuflößen, gab er eine mit recht hübschen Holzschnitten versehene Bibel heraus, die in 18,000 Exemplaren über ganz Deutschland verbreitet wurde. Wenn auch nicht geläugnet werden kann, daß ein großer Theil der Schriften Jäck's sehr rasch abgefaßt ist, wodurch manchmal Unrichtigkeiten untergelaufen sind, so ist es nicht minder gewiß, daß er zur Hebung der Bildung in damaliger Zeit sehr viel beigetragen hat. In der Bibliothek regte er zu Studien an, in der Presse suchte er freisinnige Grundsätze, durch seine Schriften über die interessantesten Tagesfragen Aufklärung zu verbreiten. Die Bibliothek selbst verwaltete er musterhaft. Welche Ansicht er über den Werth und die Bedeutung von Bibliotheken hatte, spricht er folgendermaßen aus: „So weit unsere Nachrichten auf die wissenschaftlich gebildete Menschheit zurückgehen, standen immer Bücher und der öffentliche Unterricht in Wechselwirkung; letzterer war durch erstere bedingt. Je mehr Bücher in einem Lande benutzt, je besser sie abgefaßt, je zahlreicher sie verbreitet wurden, desto mehr ergossen sich die Resultate ihres Gehaltes auf das große Publikum, desto höher stand die allseitige Bildung der Bewohner eines Landes“. J. endigte sein rastlos thätiges Leben am 26. Jan. 1847, nachdem er noch kurz vorher in seinem Testamente seine ganze Büchersammlung und all sein Hab und Gut der k. Bibliothek zu Bamberg vermacht hatte.

    • Literatur

      Jäck's Selbstbiographie im Serapeum 1847. Seine Schilderung der Thätigkeit in der Bibliothek in „Vollständige Beschreibung der öffentlichen Bibliothek zu Bamberg“ I. Dr. Leitschuh, Lebensbild des k. Bibliothekars J. H. Jäck, 1877. Vortrag.

  • Autor/in

    Leitschuh.
  • Empfohlene Zitierweise

    Leitschuh, Friedrich, "Jaeck, Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 531-532 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119486903.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA