Lebensdaten
1875 bis 1945
Geburtsort
Stettin
Sterbeort
London
Beruf/Funktion
Theaterkritiker ; Feuilletonchef
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118711156 | OGND | VIAF: 52484140
Namensvarianten
  • Jacobs, Montague
  • Jacobs, Monty
  • Jacobs, Montague
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Zitierweise

Jacobs, Monty, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118711156.html [21.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Henry (eigtl. Heinr. Jacobsohn), aus England, Kaufm., Schiffsmakler;
    M Laura Salomon;
    B Paul Jacobsohn (1868–1931), Dr. med., Schriftsteller auf d. Gebiet d. Krankenpflege;
    - ⚭ Dora, T d. Verlagsbuchhändlers Ulrich Levysohn;
    2 S, 1 T.

  • Leben

    J. studierte seit 1893 in München, Berlin und in Heidelberg deutsche Philologie, Literatur- und Kunstgeschichte (Promotion 1898). Im selben Jahr wurde er Volontär in der Redaktion der „Berliner Zeitung“ des Ullstein-Verlages, im Sept. bereits Theaterkritiker der „Berliner Morgenpost“, wo er bis März 1900 blieb; 1905-10 war er Theaterkritiker am „Berliner Tageblatt“. Daneben war J. seit seiner kritischen Studie über „Maeterlinck“ (1901) auch als Literarhistoriker und Herausgeber tätig (Achim v. Arnim, Ausgew. Werke, 1908; Eckermanns Gespräche mit Goethe, 1911; die historische Kritikenslg. „Deutsche Schauspielkunst“, 1913; Ernst-Schur-Gedächtnisbuch, 1914). Finanzielle Unabhängigkeit ermöglichte es ihm dann, einige Jahre freiberuflich zu arbeiten; nur gelegentlich erschienen Beiträge in der illustrierten Beilage zum „Tag“. Seit 1914 wurde J. anstelle Arthur Eloessers Theaterkritiker an der „Vossischen Zeitung“, die vom Ullstein-Verlag übernommen worden war. Bei Ausbruch des 1. Weltkriegs als brit. Staatsbürger interniert, meldete er sich nach seiner Naturalisation freiwillig, wurde nach Fronteinsatz zum Leutnant befördert und mit beiden Eisernen Kreuzen ausgezeichnet. Nach Kriegsende trat er wiederum in die Redaktion der „Vossischen Zeitung“ ein und wurde 1921 zum Feuilletonchef ernannt. Seit 1921 Mitglied des Kunstrates der Kleist-Stiftung, gab J. 1925 die Werke Kleists heraus. 1933 mußte er als Nicht-Arier die Verantwortung für das Feuilleton der „Vossischen Zeitung“ abgeben, blieb jedoch Mitarbeiter bis zum Eingehen der Zeitung im März 1934. Danach erhielt er Schreibverbot. Während dieser Zeit entstanden seine Buchmanuskripte „Die Berliner Posse“ und „Die Verführte, Eine Gestalt der Dichtung“. Beide Arbeiten fanden keinen Verleger mehr. Die Biographie „Jonathan Swift“ aus dieser Zeit wurde erst in London beendet und erschien postum 1948. J. blieb bis 1938 in Deutschland und emigrierte nach erneuten Angriffen durch die Nationalsozialisten am 29.12. über die Schweiz nach England. Hier arbeitete er an der „Freien Deutschen Hochschule“ und später als Dozent an der Sommerschule der Univ. Birmingham. Gelegentlich erschienen Beiträge von ihm in der „Wochenpost“; 1941-42 war J. 2. Redakteur der „Zeitung“, 1945 Referent des Foreign-Office, um an der reeducation in Deutschland mitzuarbeiten. Sein Tod im gleichen Jahre verhinderte weitere Pläne.

    Journalist und Theaterkritiker aus ethischer Verantwortlichkeit, sachlich und gewissenhaft, war J. ein Mann „des Ausgleichs und der Mäßigung, der Spannungen beseitigen will, der sich gegen die Vertiefung von Gegensätzen wendet“ (Preuß). Er setzte gegen fast alle Stimmen des Ullstein-Verlages die Annahme des Romans von E. M. Remarque „Im Westen nichts Neues“ durch und war ein Förderer der dramatischen Arbeiten Carl Zuckmayers. J.s Reisen in fast alle europ. Länder verliehen ihm Weitblick im Urteil und Gerechtigkeit in der Wertung. Mit seinen Arbeiten stand J. zwischen A. Kerr und H. Ihering. Seine Kritik diente dem theatralischen Kunstwerk und dem Theater in seinem Gesamtorganismus; sie ist distanziert, aber immer gekennzeichnet durch Bereitschaft zum Verständnis, Liebe zum Objekt und Wachsamkeit für neue Kräfte. J. war einer der signifikanten Berliner Journalisten und produktiven Theaterkritiker der Weimarer Republik, ein Vertreter der bürgerlichen Gesellschaft, der den sozialistischen Ideen seiner Zeit nahe stand; literarisch war er dem Naturalismus verbunden.

  • Werke

    Weitere W Gerstenbergs Ugolino, Diss. Heidelberg 1898;
    Ibsens Bühnentechnik, 1920;
    Paul Wegener, 1920. - Hrsg.:
    Mauthner, Die drei Bilder d. Welt, 1925.

  • Literatur

    J. W. Preuß, Der Theaterkritiker M. J. (1875-1945), 1965 (W, L);
    Rhdb. (P);
    Kosch, Lit.-Lex.

  • Autor/in

    Rolf Badenhausen
  • Empfohlene Zitierweise

    Badenhausen, Rolf, "Jacobs, Monty" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 244 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118711156.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA