Lebensdaten
1827 bis 1892
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Textilindustrieller
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 136221831 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Isbary, Rudolf

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Zitierweise

Isbary, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136221831.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl August (* 1772), Kaufm. in L. u. Berlin, aus griech. Fam. in Nauplia;
    M Christiane Elisabeth, T d. Rentiers Heinicke in L.;
    Wien 1853 Louise (1834–98), seit 1893 Frfr. v. I., T d. Karl Hlawatsch;
    2 S, u. a. Rudolf Frhr. v. I. (1858-1932), Mitgl. d. österr. Herrenhauses.

  • Leben

    Nach seiner Übersiedlung nach Wien (1844) nahm I. eine Stelle in dem Exporthaus August Koch an, für das er 1849-52 in Livorno ein Kommissionsgeschäft zum Vertrieb österr. Textilien in noch wenig erschlossene Absatzgebiete wie Italien, Tunis, Algier und Äpypten leitete. Nach glänzenden Verkaufserfolgen trat er 1852 in das Unternehmen als Gesellschafter ein und baute vor allem die Exporttätigkeit nach ganz Europa und Amerika aus. 1856 wandelte I. mit seinem Schwiegervater Karl Hlawatsch dessen seit 1839 bestehende Wollwarenerzeugung in Wien-Mariahilf in eine Shawl-Fabrik (Hlawatsch u. Isbary) um. Die herrschende Modeströmung und die ausgedehnten Handelsverbindungen I.s sicherten den durch neue Produktionsverfahren ständig verbesserten „Stella-Shawls“ ausgezeichneten Absatz, so daß 1857 eine eigene Faktorei in Gmünd und 1860 eine Filiale in New York errichtet werden konnten. Mit Broché-Shawls beginnend, erzeugte man seit 1862 auch glatte und gestickte Kaschmirtücher in geschmackvollen Dessins. In der Blütezeit der Shawlindustrie (1860–75) produzierte das Unternehmen mit rund 500 Beschäftigten insgesamt ca. 800 000 Shawls. Zu Beginn der 80er Jahre wandte sich die Firma in steigendem Ausmaß der Erzeugung von Damenkleiderstoffen zu und verlegte nach provisorischer Unterbringung in Asch 1889 ihren Hauptsitz nach Graslitz (Böhmen). – I. war auch in zahlreichen Funktionen des öffentlichen Lebens tätig. Seit 1861 Mitglied der niederösterr. Handelskammer, wurde er 1872 zum Vizepräsidenten, 1883 zum Präsidenten gewählt und 1873-80 als deren erster Abgeordneter (Reichswahlordnung vom 2.4.1873) in den österr. Reichsrat entsandt, wo er vornehmlich als Wirtschaftsexperte in Spezialausschüssen hervortrat. Ab 1862 fungierte er als Mitglied des niederösterr. Landtages, 1865-74 als Handelsgerichtsbeisitzer. I. beteiligte sich auch wiederholt an der Organisation von großen Leistungsschauen der Wirtschaft: 1873 war er Präsident der Arrangementabteilung der Wiener Weltausstellungskommission, 1876 Vizepräsident der österr. Zentralkommission und Obmann des Exekutivkomitees für Paris. – 1880 wurde I. zum Kurator des österr. Museums für Kunst und Industrie bestellt. 1886 begründete er ein Informationsbüro für den Export und Import und leitete eine Hilfsaktion zur Hebung der niederösterr. Kleineisenindustrie und Einrichtung von Lehrwerkstätten in die Wege. Seit 1887 wirkte I. als Präsident der Niederösterr. Escomptegesellschaft, eines der bedeutendsten Geldinstitute der Monarchie.

  • Werke

    Shawl-Industrie, in: Btrr. z. Gesch. d. Gewerbe u. Erfindungen Oesterreichs v. d. Mitte d. XVIII. Jh. b. z. Gegenwart, red. v. W. F. Exner, 1873, S. 252-57.

  • Literatur

    S. Hahn, Reichsraths-Alm. f. d. Session 1873–74, 1879-80, 1891-92, 1873/80/92;
    Industrielle, hrsg. v. A. Eckstein, 1. Lfg., 1884;
    Die Groß-Industrie Österreichs IV, 1898, S. 154 ff.;
    F. R. I., seinem Andenken d. niederösterr. Handels- u. Gewerbekammer, 1892;
    Neue Freie Presse v. 9.6. u. 10.7.1892;
    Die Presse v. 10.7.1892;
    Mitt d. k.k. Oesterr. Mus. f. Kunst u. Industrie NF 4, 1892/93, S. 160;
    F. Geißler, Die Entstehung u. d. Entwicklungsgang d. Handelskammern in Österreich, in: 100 J. Wirtsch.entwicklung 1848-1948, hrsg. v. Hans Mayer, 1949, S. 21 ff.;
    100 J. Handelskammern in Österreich, 1948;
    R. Granichstaedten-Cerva, J. Mentschl u. G. Otruba, Altösterr. Unternehmer, 1969;
    Österr. Fam.archiv I, 1963;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Hannes Stekl
  • Empfohlene Zitierweise

    Stekl, Hannes, "Isbary, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 187 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136221831.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA