Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Nürnberger Patrizierfamilie
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 124886574 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Holtzschuher, von
  • Holzschuher, von
  • Holtzschuher, von

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Zitierweise

Holzschuher, von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124886574.html [19.10.2019].

CC0

  • Leben

    Die H. sind ein heute noch blühendes Nürnberger Patriziergeschlecht, das mit Heinrich schon vor 1228 auftritt, höchstwahrscheinlich aus dem Reichsdienstmannenstand stammt und zu den ältesten Ratsgeschlechtern der Reichsstadt mit zeitweise vier Linien zählt; es sitzt seit mindestens 1317 bis 1806 fast dauernd im Rat und stellt der Reichsstadt bewährte Bürgermeister und Diplomaten, zum Beispiel Hieronymus ( 1529), dessen Porträt (1526) von Albrecht Dürer weltbekannt ist. Sie betätigen sich schon früh im Handel, wie das sogenannte Holzschuherbuch von 1304-07, das älteste, vollständig erhaltene Kaufmannsbuch Deutschlands, beweist. Es ist das lateinisch abgefaßte Schuldkontobuch der Firma, das von vier Gesellschaftern der gleichen Familie einschließlich einer Ehefrau geführt wird. Hauptsächlich werden flandrische Tuche, insgesamt 5 886 Ellen, auf Borg verkauft an 445 Kunden (Adel, Geistliche, Bürger) der Stadt und des Umlands, aber auch Geldgeschäfte betrieben (Geschäfte auf Borg in circa 4 Jahren circa 1, 4 Millionen Silberhaller). 1350 verkauft Heinrich ( 1359) geliehene Gewürze für die Stadt Nürnberg. Die H. und ihre Handelsgesellschaften treten vom 14. bis 16. Jahrhundert in fast allen von Nürnbergern besuchten Landschaften Europas auf. 1485 begründen Georg ( 1526) (1470 Jerusalempilger; bis 1484 im Rat) und der Nürnberger Ulrich Erckel eine Messinghütte in Eisfeld (Thüringen). Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 17. Jahrhunderts betätigen sich die H. in Bergwerken in Gotteszell und Kupferberg (Böhmen) und etwa von 1584 bis 1607/08 in Kupferwerken bei Stift Neuberg an der Mürz, vor allem Hieronymus der Ältere (1538–98) und Lazarus ( 1595).

    Zahlreiche H. waren als Kriegsleute, Diplomaten und Kaufleute in vielen Ländern Europas anzutreffen, unter anderem Wolf ( 1547) im Kampf für Portugal gegen die Sarazenen, Georg (1509–59) als livländischer Kanzler, und reisten nach Indien, Palästina und Ägypten. Seit 1806 waren viele Beamte, Offiziere und auch weiterhin Unternehmer, so der Politiker und Advokat Dr. iur. Rudolf Sigmund (1777–1861, siehe ADB 13), Karl (1782–1867) württembergischer Staatsrat und Regierungspräsident. Wegen ihrer Landgüter waren sie im 17./18. Jahrhundert auch Mitglieder der Reichsritterschaft in Franken. 1693 erbauten sie ein heute noch bestehendes Schlößchen in Almoshof.

    Lazarus (1487–1523) verfaßte seit 1506 ein von Hans von Kulmbach illustriertes Familienbuch samt „Beschreibung der 1511 lebenden ehrbaren Personen in Nürnberg“; der Ratsherr Veit (1510–80) ließ 1563-65 ein von einem unbekannten Künstler koloriertes Geschlechter- und Wappenbuch anlegen. Als einziges Geschlecht in reichsstädtischer Zeit Nürnbergs ließen die H. eine Familiengeschichte drucken, und zwar die „Historia genealogica Holzschuherorum“ (1755, mit Urkundenanhang von J. Ch. Gatterer). Christoph Siegmund (1729–79, siehe ADB 13), Waagamtmann und Schriftsteller, sammelte eine juristische Deductionsbibliothek von Deutschland (2 Teile, 1778). Das Geschlecht gab den Auftrag für wertvolle Kunstgegenstände (Flötnerpokal, Flötnerschrank) und stiftete schon seit dem 14. Jahrhundert Heiligenstatuen und Glasfenster, Altäre und Pfründen in Kirchen (Sebalduskirche, hier bereits 1309 Kirchenpfleger). Im 17. Jahrhundert legten die H. eine Kupferstichsammlung (1801 an die Stadtbibliothek) und eine Noricasammlung (zum Teil an die Stadt Nürnberg) an. Sie erwarben als Grablege eine 1513-15 von Hans Marschalck von Rauheneck errichtete Heiliggrabkapelle auf dem Johanniskirchhof (seit 1925 Eigentum der Stadt Nürnberg).

  • Literatur

    ADB 13;
    A. Chroust u. H. Proesler, Das Handlungsbuch d. H. in Nürnberg v. 1304–07, 1934;
    W. Kraft, Holzschuherbuch, in: Mitt. d. Ver. f. d. Gesch. d. Stadt Nürnberg 32.1934;
    W. Schultheiß, Gewürzhandelsrechnung, ebd. 50, 1960;
    H. Ammann. Die wirtsch. Stellung d. Reichsstadt Nürnberg im SpätMA, 1970;
    W. v. Stromer, Oberdt. Hochfinanz 1350-1450, 3 Bde., 1970. -
    Fam.archiv Artelshofen (Mittelfranken).

  • Autor/in

    Werner Schultheiß
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Schultheiß, Werner, "Holzschuher, von" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 579 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124886574.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA