Lebensdaten
um 1170 bis 1227
Sterbeort
bei Coevorden (Drente)
Beruf/Funktion
westfälischer Ritter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137663307 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bernhard II.
  • Bernhard II. von Horstmar
  • Bernhard II. Edelherr von Horstmar
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Zitierweise

Horstmar, Bernhard II. Edelherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137663307.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Herrschaft d. Edelherren v. H. war e. d. kleinen Herrschaften im westl. Münsterland; sie fiel 1269 an d. Hochstift Münster;
    V Wigbold (erw. 1154-89), S d. Bernhard;
    M N. N.; ledig.

  • Leben

    H.s Leben hat sich zum guten Teil außerhalb Westfalens abgespielt, so am Hofe des deutschen Königs, in Palästina und Frankreich, in England und Italien. Im Umkreis von Königen und Fürsten erschien er als einer der glänzendsten Repräsentanten staufischen Rittertums. – Auf dem 3. Kreuzzug, an dem er unter König Richard Löwenherz von England teilnahm, haben Mut und Tüchtigkeit im Kampf seinen Ruhm als Kriegsheld begründet. H. hatte an dem Sieg von Sidon (1197) entscheidenden Anteil. Nachdem er im deutschen Thronstreit zunächst zwischen Welfen und Staufern geschwankt hatte, harrte er spätestens seit 1204 auf der Seite Ottos IV. aus. In der Schlacht bei Bouvines (1214) rettete er dem Kaiser das Leben. Ein letztes Mal bewies er seinen Mut, als er auf Seiten des Bischofs von Utrecht gegen Coevorden zog und, im Moor irregeleitet, nach tapferem Kampf erstickte. H. wurde auch zu wichtigen diplomatischen Missionen und schiedsrichterlichen Aufgaben herangezogen. Als Gesandter Ottos IV. reiste er 1208, nachdem Philipp von Schwaben ermordet worden war, zum König von England. Der Reichsverweser Engelbert von Köln bediente sich seiner 1223-25, um eine Heirat zwischen Heinrich (VII.) und einer englischen Prinzessin anzubahnen. 1223 reiste H. zu Friedrich II. nach Süditalien und an den englischen Königshof; 1225 war er wieder bei Friedrich II. in Italien. Zwischendurch war er 1223/24 an Verhandlungen mit König Waldemar von Dänemark beteiligt, den der Graf von Schwerin gefangen genommen hatte. Und 1226 hatte er teil an dem Vergleich zwischen Herzog Heinrich von Limburg, Grafen von Berg, und dem Elekten Heinrich von Köln. – Die Taten H.s eröffnen einen schmalen Zugang zu seiner Persönlichkeit, die den Zeitgenossen deutlicher erschien und sie begeisterte: „im Rat behend, freigiebig, schön und groß, mutig und dennoch maßvoll“.

  • Literatur

    ADB 13;
    Regg. Imp. V, S. 2215 (unter Bernhard v. H.);
    R. Knipping, Die Regg. d. Erzbischöfe v. Köln im MA III, 1909-13, S. 368;
    J. Fikker, in: Zs. f. Vaterländ. Gesch. u. Altertumskde. … Westfalens 13, 1852, S. 291-306, 15, 1854, S. 401 f.;
    F. Darpe, Gesch. H.s, ebd. 40, 1882, I, S. 82-105;
    K. G. Döhmann, in: Die Bau- u. Kunstdenkmäler d. Prov. Westfalen: Kreis Steinfurt, 1904, S. 45 f., 50;
    H. Rothert, Westfäl. Gesch. I,|1949, S. 191-205;
    A. K. Hömberg, Gesch. d. Comitate d. Werler Grafenhauses, in: Westfäl. Zs. 100, 1950, S. 103.

  • Autor/in

    Gerhard Theuerkauf
  • Empfohlene Zitierweise

    Theuerkauf, Gerhard, "Horstmar, Bernhard II. Edelherr von" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 645 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137663307.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Horstmar: Bernhard Edler von H., nachweisbar 1189, am 28. Juli 1227. Obwol H. nur einem mäßig begüterten Geschlechte Westfalens angehörte, war „der Gute von Horstmar“ doch einer der berühmtesten und im gewissen Sinne einflußreichsten Deutschen der Zeit. Diese Stellung beruhte theils auf ritterlichen Eigenschaften, welche er wahrscheinlich am Hofe des Königs Richard Löwenherz ausgebildet hatte, theils aber auch auf seiner diplomatischen Geschicklichkeit. Jene bewährte er bei dem Kreuzzuge 1197 im Kampfe vor Sidon und ganz besonders am 27. Juli 1214 in der großen Schlacht von Bouvines, in welcher er den Kaiser Otto IV. vor Tod oder Gefangenschaft rettete, aber selbst in die Hände der Franzosen fiel. Sein politisches Verhalten aber muß ganz nach dem Maßstabe der Zeit des „daher, dahin“ beurtheilt werden. Ursprünglich mit dem ganzen Nordwesten ein Anhänger Otto's IV., trat er 1200 zum Könige Philipp über, aber spätestens 1204 wieder auf die welfische Seite zurück. 1208 reiste er in Angelegenheiten Otto's selbst nach England. Eine sehr bedeutende Rolle spielte er endlich nach dem Tode Otto's (1218) zur Zeit Friedrichs II., gewissermaßen als Vertrauensmann des berühmten Erzbischofs Engelbert von Köln. H. war 1223 und 1224 bei den Unterhandlungen wegen der Freilassung des Königs Waldemar II. von Dänemark in hervorragender Weise betheiligt, war dann 1224 noch Engelberts Gesandter bei Heinrich III. von England, mit dem er auch später in Briefwechsel stand, und wieder 1225 in Italien beim Kaiser Friedrich II., um diesen zu einer der kölnischen Politik und den Interessen des Niederrheins entsprechenden dynastischen Verbindung mit England zu bestimmen. Als diese tief in die deutschen Verhältnisse einschneidenden Pläne scheiterten und überdies Engelbert im November 1225 ermordet ward, scheint H. sich ganz den Angelegenheiten seiner engeren Heimath zugewendet zu haben. An der Spitze der Burgmänner von Bentheim zog er 1227 dem Bischöfe Otto von Utrecht gegen Rudolf von Kovoerden in Drenthe zu Hülfe, aber der Kampf des 28. Juli 1227 endete mit der Niederlage und dem Tode des Bischofs und damit, daß H. nach tapferster Gegenwehr im Moraste versank.

    • Literatur

      Vgl. Ficker in Zeitschr. f. vaterl. Gesch. Westfalens. N. Folge. Bd. IV. S. 291—306.

  • Autor/in

    Winkelmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Winkelmann, Eduard, "Horstmar, Bernhard II. Edelherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 163 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137663307.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA