• Genealogie

    Aus siebenbürg.-sächs. Fam.;
    1) Lisette Sutoris (Siebenbürgerin), 2) Goolabi (Eingeborene in Lahore), 3) 1861 Jeannette Robinson (Engländerin) ( 1868), Gouvernante v. H.s Töchtern;
    1 S aus 1), 2 T aus 2).

  • Leben

    Nach Besuch des Gymnasiums und einer Apothekerlehre in Kronstadt und Bistritza zog der das ganze Leben beherrschende Wandertrieb den medizinisch ambitionierten Autodidakten 1815 in den Orient, wo er in der Türkei und (unter Mehmet Ali) in Ägypten als Pharmazeut und Heilpraktiker tätig war. Nach einem Besuch Mesopotamiens und Persiens gelangte er über Maskat und Karachi 1829 nach Lahore, der Hauptstadt des Sikh-Reiches, wo er durch Heilerfolge zum Hofarzt König Randschit-Singhs emporstieg und zudem mit einer Reihe hoher technischer und militärischer Ämter betraut wurde. Im Zuge seiner über Samarkand führenden Heimreise (1833/34) unternahm er als einer der ersten Europäer Forschungsexpeditionen durch die Regionen um Kabul, Dschalala und in den Hindukusch, wobei er fruchtbare botanische, archäologische und numismatische Studien anstellte, die in jener Frühzeit der Erforschung alter Kulturen des nordindischorientalischen Raumes von grundlegender Bedeutung wurden und wegen ihrer reichhaltigen Sammelergebnisse wie ihrer thematischen Vielseitigkeit großes Aufsehen in Europa erregten Die Société Asiatique (Paris) wählte H. 1835 zum Ehrenmitglied und veröffentlichte seine archäologischen, numismatischen und historischen Forschungsergebnisse. Die wissenschaftliche Auswertung und Publikation seiner großen botanischen Sammlungen mit ihren vielen selbst den Asiaten noch unbekannten Arten – besonders aus Indien und Afghanistan – übernahmen (auf Empfehlung N. Jacquins) St. Endlicher und E. Fenzl in Wien durch ihr „Sertum Cabulicum“ (1836), dem später, gleichfalls in Wien, die Auswertung von H.s „Herbarium vivum“ durch Fenzl und F. von Unger folgte. Nach Kontakten mit führenden deutschen Homöopathen ließ sich H. wieder in Konstantinopel (1837) und dann erneut in seiner Wahlheimat Lahore nieder, wo er als Residenz-Arzt bis zur britischen Annexion (1849) blieb. Als Forschungsreisender durch das Pandschab, durch Kaschmir, das Himalaya-Vorland und Hindustan (1852 folgende) betrieb er systematische botanische Studien und therapeutische Versuche und machte sich insbesondere seit seiner zeitweiligen Niederlassung in Kalkutta im Dienste der Bekämpfung und Behandlung der Cholera und Pest einen Namen. Seine Studienreisen führten dabei bis Nordafrika. H.s „Früchte aus dem Morgenlande“ (1851, P: Lithographie von J. A. Bauer) sind wegen der darin enthaltenen langjährigen Erfahrungen im Orient und ihrem neunsprachigen Glossar für Medizin- und Naturhistoriker ebenso interessant wie für die asiatische Philologie und Kulturgeschichte. 1869 kehrte er in Begleitung seiner Tochter Adelheid von Kalkutta nach Kronstadt zurück, wo er noch im gleichen Jahr verstarb.

  • Werke

    Weitere W Sur les découvertes archéologiques faites dans l'Afghanistan par M. H., in: Journal Asiatique, 3. Serie, II, 1836, IV, 1837, V, 1838, VII, 1839 (Referate v. E. Jacquet);
    Cholera, its cause and infallible cure and on epidemics in general, 2 Bde., 1857 f. (dt. u. franz. 1859);
    Heilung d. ind. Brechruhr durch Einimpfung d. Quassins, 1859.

  • Literatur

    ADB 13;
    G. Barbu, The activity in India of J. M. H. -
    a „physician“ of Roumania, 1957;
    A. Rosu, Sur les traces du transylvain M. H., médecin et voyageur en Inde, in: Janus 50, 1963 (L, P: Stich v. St. Emilian);
    Österr. Nat.-Enc. VI, 1837;
    Wurzbach IX;
    J. Trausch, Schriftst.-Lex. oder biograph.-literär. Denkbll. d. Siebenbürger Deutschen II, 1870;
    BLÄ;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Günther Hamann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hamann, Günther, "Honigberger, Johann Martin" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 597 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118706926.html#ndbcontent

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  • Leben

    Honigberger: Johann Martin H., Reisender und Arzt, geb. den 10. März 1795 zu Kronstadt in Siebenbürgen, 1869 (zu Marseille?). Nach in Kronstadt absolvirtem Gymnasium widmete sich H. der Pharmacie, ging um|den Orient kennen zu lernen, nach Constantinopel (1816) und reiste von dort wiederholt nach Kaschmir, sowie nach Lahore (1829—34, 1838—49 und 1853 bis 55). Er wurde von den Herrschern dieser Länder zum Leibarzte ernannt, sammelte werthvolle Alterthümer, ferner Naturalien und glaubte ein Universalmittel gegen Cholera gefunden zu haben (Einimpfung von Quassia-Tinctur). Seine Reiseerlebnisse und medicinischen Erfahrungen schilderte H. in dem Werke: „Früchte aus dem Morgenlande“ (1851). Einen Theil der von ihm während seines ersten Aufenthaltes in Lahore gesammelten Pflanzen beschrieben Endlicher und Fenzl im „Sertum Cabulicum“ (1836).

    • Literatur

      Trausch, Schriftstellerlexikon der siebenbürgischen Deutschen II, S. 184. Wurzbach, Biogr. Lexikon d. österr. Kaiserstaats IX, S. 255.

  • Autor/in

    Reichardt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reichardt, Heinrich Wilhelm, "Honigberger, Johann Martin" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 70-71 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118706926.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA