Lebensdaten
gestorben 13. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Pferdeheilkundiger ; Marstaller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118501593 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meister Alebrand
  • Albret
  • Albrecht
  • mehr

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Zitierweise

Albrant, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118501593.html [17.10.2018].

CC0

  • Leben

    Während die ältere Forschung Meister A. für apokryph hielt oder an einen Zusammenhang des unter seinem Namen gehenden Roßarzneibuches mit Albertus Magnus dachte, ist er durch die neuere Forschung als eine historische Persönlichkeit erwiesen. Entgegen dem Gebrauch der Namensform Albrecht in der älteren Literatur ist nach dem übereinstimmenden Zeugnis der ältesten Handschriften A. als der richtige Name zu betrachten; „Albrecht“ tritt erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts neben „A.“ auf, gewinnt aber später durch die Wiegendrucke allgemeine Geltung. A. war ein Marstaller und Fahnenschmied Kaiser Friedrichs II., wie die Auffindung einer Handschrift des 13. Jahrhunderts beweist, und wirkte im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts in Neapel. A. stammte aus Deutschland, doch ist über seine Stammeszugehörigkeit keine Entscheidung möglich. Er wirkte zugleich mit anderen deutschen Marstallern in Italien und stand mit den Schulen von Rom und Salerno in Beziehung. Über seine persönlichen Schicksale ist nichts bekannt; es ist möglich, daß er nach dem Tode Friedrichs II. in die Dienste des Hauses Anjou trat. - Die große Bedeutung A.s beruht auf einer einzigen, an Umfang kleinen Schrift über Pferdeheilkunde, deren Verfasser, Auftraggeber und Entstehung im 15. Jahrhundert von sensationslüsternen Abschreibern nach Konstantinopel verlegt wurde. Sie behandelt 36 Krankheiten in nicht ganz folgerichtiger, systematischer Weise. Die Hauptsache ist die Therapie. Hierbei erweist sich A. als erfahrener Praktiker. Aus der volkstümlichen Zaubermedizin sind nur ganz unbedeutende, unsichere Einflüsse festzustellen. Die Bedeutung A.s liegt weniger in neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, als in der überaus erfolgreichen Ausbreitung der fortschrittlichen Verfahren über weite Gebiete und lange Zeiträume. Diese einzigartige Wirkung wurde dadurch ermöglicht, daß er als erster Schriftsteller seines Faches nicht lateinisch, sondern deutsch schrieb. Mehrfach wurde die|Schrift ins Tschechische übersetzt. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts drang sie auch in das Ordensland Preußen ein. Auch in Nordwestdeutschland, Friesland und Italien finden sich Handschriften aus dieser Zeit. Noch im 16. Jahrhundert nahm die Schrift die beherrschende Stellung in der fachlichen Praxis ein. Nur wenige Vorschriften des Kernbestandes wurden als veraltet ausgeschieden, aber zahlreiche Hinzufügungen aus der Volksmedizin begannen den Charakter der Schrift zu verfälschen. Mit dem Eindringen der italienischen Renaissanceliteratur sank A.s Schrift zu einem Arbeitsbehelf der Hufschmiede, Pferdehändler und Fuhrleute herab. Aber bis ins 18. Jahrhundert gibt es kein gedrucktes oder geschriebenes Roßarzneibuch in deutscher oder tschechischer Sprache, das nicht mehr oder weniger stark von A. abhängig wäre. Dabei wuchs das Büchlein zu dickleibigen Bänden an, die eine Fundgrube für Heilsegen und Volksglauben darstellen. Durch die schwedische Übersetzung von Martin Böhmes Roßarzneibuch erlangte A. auch noch auf die Praxis in Skandinavien Einfluß. In Innerböhmen waren stark zerlesene A.bearbeitungen noch bis ins 19. Jahrhundert das Brevier der tschechischen Dorfschmiede. Auch auf die bürgerlich-volkstümliche Dichtung des 16. Jahrhunderts hat A.s Roßarzneibuch eingewirkt. Durch die Aufnahme von Roßtäuscherpraktiken in A.handschriften geriet das Buch in Verruf, woran noch der Ausdruck „Hilpergsgriffe“, d. h. „Hilbrants (= A.s)-Kniffe“ erinnert.

  • Werke

    K. Sudhoff, Dt. Roßarzneibücher d. MA, in: Archiv f. Gesch. d. Medizin 6, 1913, S. 223-30, 7, 1914, S. 335-46 (5 mehr od. weniger stark mit A. zusammenhängende Texte u. d. Jat. Überss); W. Rieck, Das Wiener Veterinär-Ms. d. Meisters A., in: Veterinär-hist. Mitt. 11, 1931, S. 25 ff.

  • Literatur

    L. Moul, Histoire de la médecine vétérinaire II, 2, 1900, S. 42 f.;
    W. Rieck, Zur Pferdeheilkde. d. 14. Jh.s, in: Veterinär-hist. Mitt. 11, 1931, S. 6 ff.;
    ders., Proben mittelniederdt. Veterinärlit., ebenda, 12, 1932, S. 41 ff.;
    R. Schmutzer, Die Schrift d. Meisters A. üb. Pferdekrankheiten, in: Qu. u. Stud. zur Gesch. d. Naturwiss. u. d. Medizin 4, 1933, S. 11-36;
    G. Eis, Meister A.s Roßarzneibuch im dt. Osten, 1939;
    ders., Meister A.s Roßarzneibuch u. Heinr. v. Pfolspeundt, in: FF, 1939, S. 329 f.;
    ders., Pferdekundliches aus Böhmen, in: Oberdt. Ztschr. f. Volkskde. 13, 1939, S. 34-36;
    ders., Eine roßarzneikundl. Hs. aus Görlitz, in: Neues Lausitzer Mgz., 1940;
    ders., Die Sendung d. dt. Kultur im Sudetenraum, 1940;
    ders., Die Roßaventüre, in: Btrr. z. Gesch. d. Veterinär-Medizin, Jg. 1, 1940, S. 257-74;
    ders., Zu A.s Roßarzneibuch, ebenda, 3, 1940/41, S. 331-40, 4, S. 33 bis 44;
    ders., Die Schlägler Albrantanhänge, ebenda, 5, 1942, S. 23-31;
    K. Sudhoff, A. d. Schwabe, in: Vf.-Lex. d. MA I, 1933.

  • Autor/in

    Gerhard Eis
  • Empfohlene Zitierweise

    Eis, Gerhard, "Albrant" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 151-152 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118501593.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA