Lebensdaten
1843 bis 1923
Geburtsort
Worms
Sterbeort
Pfauenmoos bei Sankt Gallen
Beruf/Funktion
Lederindustrieller ; Politiker
Konfession
uniert
Normdaten
GND: 118704516 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heyl, Wilhelm (bis 1886)
  • Heyl zu Herrnsheim, Wilhelm Freiherr
  • Heyl, Wilhelm (bis 1886)
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Zitierweise

Heyl zu Herrnsheim, Wilhelm Freiherr, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118704516.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Cornelius H. (1818-44), Lederindustrieller, S d. Cornelius (s. 1);
    M Carol. Friederike (1822–89), T d. Frdr. Frommel (1788–1858), Kaufm. in Karlsruhe, u. d. Charlotte Katz aus Gernsbach;
    Stief-V Ferd. Wilh. Hahn ( 1870), Major;
    Om 2. Grades Emil Frommel ( 1896), ev. Theol. (s. NDB V);
    B Maximilian Frhr. v. H. (1844-1925), Dr.-Ing. E. h., Kunstsammler, Erbauer d. Heylshofes, Mitstifter d. Landesmus. in Darmstadt;
    Halb-B Ferdinand v. Hahn (preuß. Adel 1913, 1859-1940), preuß. Gen. d. Kav., Gen.-Adj. d. Ghzg. v. Hessen;
    - Köln 1867 Sophie (1847–1915), T d. Carl Stein (1806–68), Bankier u. Kunstsammler in Köln, u. d. Marie Antoinette Jung;
    4 S, 3 T, u. a. Cornelius (1874–1954), Präs. d. hess. Landessynode, Ludwig (1886–1962), beide Lederindustrielle, Martha ( Hugo Frhr. v. Leonhardi, 1922, hess. Oberhofmeister).

  • Leben

    Nach dem frühen Tod des Vaters wurde H. im Haus der Großeltern in Worms erzogen. Dort besuchte er das Gymnasium, dann eine Privatschule in Darmstadt, 1856-58 die Knabenanstalt der Herrnhuter in Neuwied. Längere Auslandsreisen nach England, Frankreich und Italien schlossen den Bildungsgang ab. 1862 übernahm er die Leitung der großväterlichen Lederfabrik. – Die Reichsgründung Bismarcks, für dessen Person und Werk H. zeitlebens große Verehrung empfand, war das entscheidende Erlebnis, das zur Ausbildung seiner politischen Anschauungen beitrug. 1874 wurde er als Kandidat der hessischen Fortschrittspartei (seit 1884 Nationalliberale Partei) in den Reichstag gewählt, dem er bis 1881 und dann wieder 1893-1918 angehörte. 1877 berief ihn Großherzog Ludwig III. in die I. Kammer der hessischen Stände. Neben seiner Tätigkeit als Unternehmer und Politiker widmete er sich seinen künstlerischen Liebhabereien als Sammler und Mäzen. Stets zeigte er große Aufgeschlossenheit für Geschichtsbetrachtung und -forschung.

    H.s Werke beschäftigten 1913 über 5000 Arbeiter und Angestellte. Vor allem galt sein Wirken der Erweiterung und Modernisierung der Fabrikation. Er führte Maschinen, Elektrizität sowie chemische Gerbung ein. Stetig förderte er die vom Großvater übernommene sozialpolitische Fürsorge und kümmerte sich um eine großzügige Wohnungs- und Siedlungspolitik, die eine dem heimischen Boden verbundene Arbeiterschicht schaffen sollte. Dafür blieben dem Werk unter seiner mehr als 50jährigen Führung sozialpolitische Machtkämpfe erspart. – Seit dem Bruch Bismarcks mit den Nationalliberalen trieb H. konservative und betont nationale Politik. Maßgebend war er an der Vorbereitung und Durchsetzung des Heidelberger Programms (1884) beteiligt. Im Reichstag wie in der I. hessischen Kammer hat er sich vorwiegend mit sozial- und wirtschaftspolitischen Fragen beschäftigt (Arbeiterschutz; Rheinregulierung, Handels-, Eisenbahn-, Steuerpolitik). Sein sozialpolitisches Wirken, das nicht frei von einer zeitbedingten staatsautoritären Auffassung war, fand überall dort Grenzen, wo die sozialdemokratische Bewegung durch eine Maßnahme begünstigt werden konnte; ihre Bekämpfung blieb sein zentrales Anliegen. – Da nach seiner Meinung eine gesunde Volkswirtschaft nur bei gleichmäßiger Förderung von Industrie und Landwirtschaft gedeihen konnte, bekämpfte er als Großindustrieller die unter Caprivi abgeschlossenen Handelsverträge und trat für die von der Landwirtschaft geforderten Schutzzölle ein. – Seine spätere parlamentarische Tätigkeit wurde vergällt durch den unaufhaltsamen Zerfall der nationalliberalen Partei. Seit der Reichsfinanzreform war zwischen der konservativen Richtung der „Wormser Ecke“ und dem Linkskurs, den der Parteiführer Bassermann nach dem Scheitern des Bülowblockes einschlug, keine Verständigung mehr möglich. H.s Austritt aus der Fraktion (1909) beendete sein parlamentarisches Wirken im Reichstag; in der I. hessischen Kammer dagegen wuchs er im letzten Jahrzehnt vor Kriegsausbruch in eine unumstrittene Führerstellung hinein. Der Untergang der Monarchie setzte seiner politischen Tätigkeit ein Ende.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenbürger v. Oppenheim (n. 1878) u. Worms (1899); WGR (1912); Dr. iur. h. c. (Gießen 1913).

  • Portraits

    Gem. v. F. v. Lenbach, 1883, u. F. Triebsch, 1906 (beide Worms, Kunsthaus Heylshof).

  • Literatur

    zum Gesamtartikel: H. Boos, Gesch. d. rhein. Städtekultur IV, 1901, S. 661 f.;
    St. Kekulé v. Stradonitz, Zur Geneal. d. Freiherren v. H. zu H., in: Grenzboten 71, 1912;
    Hess. Biogrr. I, 1918;
    F. M. Illert, Umriß e. Gesch. d. Hauses C. H., 1934 (P);
    ders., in: Wormsgau 2, 1943 (P);
    Ch. Eckert, Lederwerke C. H. AG, Werden u. Wirken, 1940;
    G. Kriegbaum, Die parlamentar. Tätigkeit d. Frhrn. C. W. H. zu H., 1962;
    DBJ V (Tl).

  • Autor/in

    Günther Kriegbaum
  • Empfohlene Zitierweise

    Kriegbaum, Günther, "Heyl zu Herrnsheim, Wilhelm Freiherr" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 82-83 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118704516.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA