Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Kaufleute ; Bankiers
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1082133213 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stein (bis 1918)
  • Stein, von (seit 1908)
  • stein, von
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Zitierweise

Stein, von (seit 1908), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1082133213.html [15.09.2019].

CC0

  • Leben

    Die Familie S. war über vier Generationen im Württembergischen, hauptsächlich als Amtmänner in Schnait, ansässig, bevor sich Johann Heinrich (1730–83) als Kaufmann in Mannheim niederließ und 1761 die Bürgerrechte erhielt. Durch Heirat mit Juliane Katharina de Rhein, Witwe eines dort ansässigen Kaufmanns, bezog er 1777 dessen Haus, in dem er Kolonialwaren, Wein, Tabak, Porzellan und Stoffe verkaufte. Durch seine zweite Frau wurde er verwandt mit der Familie Schmaltz. Der Großvater der Ehefrau, Philipp Lorenz Schmaltz (1694–1770), war der Gründer eines Mannheimer Bankgeschäfts. Nach dem Tod Johann Heinrichs, der die Tradition begründete, dem jeweils ältesten Sohn der Familie den gleichen Vornamen zu geben, wurde das Unternehmen aufgelöst und unter die Kinder verteilt. Sein Sohn JohannHeinrich (I) (1773–1820) absolvierte nach der Schule eine kaufmännische Lehre in Kreuznach, wo er mit Spedition, Kommission und Bankgeschäften beschäftigt war. 1790 wechselte er nach Köln. Dieses Jahr wurde in der Unternehmenstradition als Gründungsdatum angenommen. Johann Heinrich (I) begann mit Kommissions- und Speditionsgeschäften sowie vermutlich auch ersten Bankgeschäften durch die Diskontierung und den Einzug von Wechseln. Er kam früh zu Vermögen, bereits 1794 war er Mitgründer und -finanzier sowie Leiter einer Lederfabrik in Wesseling bei Köln. 1812 kaufte er das Haus am Laurenzplatz, das bis 1945 Sitz der Bank blieb. Nach seinem frühen Tod führte die Witwe Katharina geb. Peill (1778–1854) das Geschäft fort, zunächst mit einem Teilhaber, dann seit 1822 mit ihrem Schwiegersohn Carl Eduard Schnitzler (1792–1864), der bis zu seinem Tod der maßgebliche Gestalter des Unternehmens war und den Unternehmenszweck auf das Bankgeschäft ausrichtete. Dazu diente 1822 die Schließung der Gerberei in Wesseling. Der Sohn Johann Heinrich (II) (1803–79) wurde 1830 Teilhaber im väterlichen Geschäft, das von seiner Mutter und seinem Schwager geführt wurde. 1829 hatte Johann Heinrich (II) Katharina Herstatt (1809–63), die Tochter des Bankiers Friedrich Peter Herstatt (1775–1851), geheiratet, seine Schwester Amalie (1810–90) heiratete ein halbes Jahr später deren Bruder Johann David Herstatt (1805–79). Mit dieser Doppelehe wurde die enge Verbindung der beiden Häuser begründet, die schließlich nach dem Tod von Friedrich Johann David Herstatt (1831–88) zur Übernahme von dessen Bankgeschäft führte. Johann Heinrich (II) hatte an dem Ausbau der Bank zu einem der führenden Industriefinanziers v. a. Rheinlands und Westfalens entscheidenden Anteil. Seit 1834 war sein Bruder Carl (1806–68) Teilhaber. Dieser besaß eine bedeutende Kunstsammlung, aus der der Thomas-Altar der Kartäuser-Klause, zugeschrieben dem Meister des Bartholomäus-Altars, in das Kölner Wallraf-Richartz-Museum überging. Sein Schwiegersohn war der Politiker Wilhelm Freiherr v. Heyl zu Herrnsheim (1843–1923). Seit der Frühindustrialisierung Mitte der 1830er Jahre war das Bankhaus Stein einer der maßgeblichen Kreditgeber, v. a. zunächst der Verkehrs- (Eisenbahn, Dampfschiffahrt) und Versicherungsunternehmen. Im Vergleich zu anderen Bankhäusern lieh Stein sich nicht Geld für Kredite, sondern brachte diese aus eigenen Mitteln auf. Bis in die Mitte der 1860er Jahre wurden die Handels-, Speditions- und Kommissionsgeschäfte abgewickelt, da sie nur noch einen Bruchteil des Umsatzes ausmachten. 1875 zog sich Johann Heinrich (II) aus dem Unternehmen zurück. Sein Sohn JohannHeinrich (III) (1832–1911, preuß. Adel 1908, GKR), war seit 1857 Teilhaber. 1867 war er ein Mitgründer des Barmer Bankvereins und über 40 Jahre Mitglied in dessen Aufsichtsrat. Er war Eigentümer des Guts Hohenlind. Seit den 1850er Jahren beteiligte sich das Bankhaus Stein an der Finanzierung zahlreicher Gründungen von Gustav v. Mevissen (1815–99) und an dessen Geschäftskontakten, nun auch verstärkt bei Kohleunternehmungen. Johann Heinrich (III) heiratete 1868 Mevissens Tochter Maria (1847–1936).

    Nach der „Gründerkrise“ traten neben die Industrieobligationen auch öffentliche Anleihen, die das Bankhaus Stein teilweise erfolgreich am Markt unterbrachte. 1904 zog sich Johann Heinrich (III) von den Bankgeschäften weitgehend zurück. Er stiftete das Beamtenerholungsheim für die Stadt Köln in Rolandseck. Sein Sohn Johann Heinrich (IV) (1869–1951) war nach dem Gymnasium in verschiedenen in- und ausländischen Bankhäusern tätig, u. a. längere Zeit in den USA, bevor er 1892 in das Familienunternehmen eintrat. Zwischen 1896 und 1914 wurden 370 Konsortialbeziehungen eingeleitet und durchgeführt, mehr als dreieinhalbmal soviel wie seit der Zeit der Gründung. Besonders der aufkommenden chemischen und elektrotechnischen Industrie galt das Interesse von S. bis in die erste Hälfte des 20. Jh. Hinzu kamen ausländische Engagements, u. a. in China und in der Türkei. Nach dem 1. Weltkrieg setzte Johann Heinrich (IV) das Inlandsgeschäft fort. 1921 erhielt er die Ehrendoktorwürde Dr. rer. pol. für die Förderung der Neuerrichtung der städt. Univ. zu Köln, deren Kuratorium er angehörte und deren Förderverein er 1922 mitgründete. 1925–33 war er Mitglied im Zentralausschuß der Reichsbank, 1901 Konsul von Belgien. In der Öffentlichkeit stand S. lange im Schatten|von Kurt Frhr. v. Schröder (1889–1966), der durch die Heirat mit der Tochter Richard v. Schnitzlers als Teilhaber aufgenommen wurde. Im 2. Weltkrieg wurde das traditionsreiche Bankgebäude vis-à-vis des Kölner Rathauses völlig zerstört. Den Wiederaufbau der Bank nach 1945 führte maßgeblich Johann Heinrich (V) (1899–1985) durch. Er war Honorarkonsul von Belgien und Ehrensenator der Univ. Köln. Johann Heinrich (V) verzichtete auf den Neubau eines Bankgebäudes. Erst 1952 konnte das Unternehmen wegen der alliierten Sperre den vollständigen Bankbetrieb wieder aufnehmen. Johann Heinrich (V) führte die Privatbank bis kurz vor seinem Tod. Sein Sohn Johann Heinrich (VI) (* 1937) wurde 1977 o. Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Univ. Hohenheim. 1987 wurde das Unternehmen mit dem Hamburger Bankhaus Marcard fusioniert. Im Juli 1998 erfolgte die Übernahme durch das Bankhaus M. M. Warburg & Co.

  • Literatur

    C. Eckert, J. H. Stein, Werden u. Wachsen e. Kölner Bankhauses in 150 J., 1940;
    J. Nicke, Die Fam. Herstatt, 1957;
    F. v. Schroeder, Das Geschl. S. (v. S.), 1937;
    GHdA 115, Adelige Häuser B 22, 1998, S. 452–57;
    GHdA 131, Adelslex. 14, 2003;
    Kölner Personenlex.;
    Qu
    Bestand Bankhaus J. H. Stein im Rhein.-Westfäl. Wirtsch.archiv, Köln.

  • Autor/in

    Ulrich S. Soénius
  • Empfohlene Zitierweise

    Soénius, Ulrich S., "Stein, von" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 135-137 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1082133213.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA