Lebensdaten
1838 bis 1918
Geburtsort
Schönbronn bei Rothenburg/Tauber
Sterbeort
Göggingen bei Augsburg
Beruf/Funktion
Orthopäde
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118704230 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hessing, Friedrich (bis 1913)
  • Hessing, Friedrich Ritter von
  • Hessing, Friedrich (bis 1913)
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Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Hessing, Friedrich Ritter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118704230.html [17.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Georg (1793–1858), Bauer u. Hafner;
    M Maria Barbara Klee (1796–1861), Hebamme;
    B Georg Paul (* 1834), Orthopädiemechaniker in d. orthopäd. Heilanstalt Marktbreit; - ledig;
    N Georg (1868–1935), 1. Nachfolger H.s;
    Groß-N Georg Frdr. (1893–1951), Dr. med., 2. Nachfolger H.s.

  • Leben

    Nach dem Volksschulbesuch in Gastenfelden und einer abgebrochenen Gärtnerlehre erlernte H. zunächst das Schreinerhandwerk und wurde anschließend als Orgelbauer bei Georg Friedrich Steinmeyer in Öttingen/Ries ausgebildet. 1866 ließ er sich als Orgelbauer in Augsburg nieder. Schon in seiner Jugend- und Lehrzeit beschäftigte er sich mit dem Bau orthopädischer Apparate, der sich während seiner Augsburger Zeit erstmals nachweisen läßt. 1867 berichtet der Augsburger Bürgermeister Ludwig Fischer, „daß die von H. verfertigten orthopädischen Maschinen und künstlichen Gliedmaßen nach dem Zeugnisse chirurgischer Autoritäten von ganz ungewöhnlicher Vorzüglichkeit sind und eine hervorragende Geschicklichkeit des Verfertigers beweisen“. So wurde H. von dem Augsburger Medizinalrat Josef von Kerschensteiner und anderen Ärzten zur Gründung einer orthopädischen Heilanstalt veranlaßt, 1868 zunächst in Augsburg, seit 1869 im leerstehenden Landgerichtsgebäude in Göggingen. Dabei wurde er von dem späteren deutschen Reichskanzler Chlodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst unterstützt. Bis 1890 wuchs die Anstalt auf 183 Betten an und besaß eigene Werkstätten, in denen H. mit seinem Mitarbeiter Matthias Kundner (1846–1933) seine Konstruktionen, darunter das berühmte „Hessing-Korsett“, herstellte. Zu seinen zahlreichen prominenten Patienten gehörte auch die Kaiserin Auguste Viktoria. Auf der Grundlage seiner Erfolge erbaute H. prachtvolle Kuranstalten in Bad Reichenhall und Rothenburg ob der Tauber. Seit 1900 war er Pächter der Staatsbäder Kissingen und Bocklet.

    Durch H. wurde eines der Grundelemente der Orthopädie, der Apparatebau, zu neuer Blüte gebracht. Das Gedankengut der Vorgänger – Johann Georg Heine in Würzburg und Johannes Wildberger in Bamberg – war durch die nach Deutschland eindringende schwedische Heilgymnastik sowie durch die einsetzende operative Orthopädie beiseitegedrängt worden. H. paßte seine Apparate individuell nach den Körperformen an. Sie saßen unverrückbar fest. Erkrankte Gelenke und Glieder wurden so entlastet und ruhiggestellt. Die ambulante Behandlung von Gelenktuberkulose und Knochenbrüchen wurde in Konkurrenz und Ergänzung der Gipsverbandbehandlung möglich. Die zeitgenössischen Orthopäden Albert Hoffa und Fritz Lange erkannten diese therapeutischen Möglichkeiten. Vor allem Hoffa brachte H.s Ideen in weite Kreise der Ärzteschaft. Namhafte Chirurgen wie Ernst von Bergmann, Richard von Volkmann und Adolf von Bardeleben schickten Patienten zu H. Trotzdem mußte er sich den Vorwurf der Geheimniskrämerei, Kurpfuscherei sowie Nichtachtung der Ärzte und der wissenschaftlichen Medizin gefallen lassen. Sein egozentrischer und zielgerichteter Charakter ließ ihn selbstbewußt über alle Angriffe hinweggehen.|

  • Auszeichnungen

    Bayer. Hofrat (1904), Ehrenbürger v. Rothenburg (1913), Bad Reichenhall u. Bad Kissingen (1917), Verdienstorden d. Bayer. Krone (1913).

  • Werke

    Der sog. Kriegsapparat z. Transport Schwerverwundeter u. z. Behandlung v. Knochenbrüchen, sowie v. akuten Gelenkerkrankungen, bes. d. unteren Extremitäten in ambulando, 1893;
    Orthopäd. Therapie, 1903 (mit L. Haßlauer, P).

  • Literatur

    Th. Schüler, F. H., d. Reformator d. Orthopäd. Heilkunst, 1898/1900;
    P. Pitzen, in: Zs. f. Orthopädie u. ihre Grenzgebiete 69, 1939;
    G. Grosch, ebd. 105, 1968 (P);
    DBJ II (Tl. 1918, L);
    - eigene Archivstudien.

  • Portraits

    Denkmal in Schönbronn, Abb. in: Der Bergfried 10, 1958, S. 44.

  • Autor/in

    Gerhard Grosch
  • Empfohlene Zitierweise

    Grosch, Gerhard, "Hessing, Friedrich Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 25 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118704230.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA