Lebensdaten
1835 bis 1917
Geburtsort
Obereula bei Deutschenbora (Sachsen)
Sterbeort
Stuttgart-Feuerbach
Beruf/Funktion
Chemiker
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 130596558 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hesse, Oswald

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Zitierweise

Hesse, Oswald, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130596558.html [27.05.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Gotthelf (1801–48), Gastwirt u. Fleischhauer in O., S d. Gastwirts u. Fleischhauers|Joh. Christof u. d. Joh. Rosina Maria Striegler;
    M Rosine Beate (1810–60), T d. Bauern Karl Gottfr. Schulze in Grünlichtenberg u. d. Joh. Rosina Schneider;
    Forchheim 1870 Therese (1851–1931, kath.), T d. Forstmeisters Anton Horodam u. d. Anna Segin; Gvv d. Ehefrau Georg v. Horodam (1769–1830), bayer. Generalmajor; - 1 S, 2 T; N d. Ehefrau Ernst Horodam (1883–1956), Oberstlt., Führer d. Freikorps Oberland (1919 in München, 1921 in Oberschlesien).

  • Leben

    Zum Landwirt bestimmt, besuchte H. die mit einer landwirtschaftlichen Lehranstalt verbundene Gewerbeschule in Chemnitz, beschäftigte sich abor vorwiegend mit Chemie, angeregt durch Ch. Gerhardts „Lehrbuch der organischen Chemie“ und durch den Apotheker Reichel, der H. zu Forschungen an seiner großen Chinarindensammlung hinzuzog. 1856 ging H. zum Chemiestudium nach Leipzig, dann nach Göttingen. Hier promovierte er bei H. Limpricht (Dissertation: Untersuchungen über die Chinone, 1860). Nach kurzer Assistentenzeit in Greifswald begann er 1860 auf Reichels Veranlassung seine Tätigkeit bei der Firma Friedrich Jobst in Stuttgart (1864 nach Feuerbach verlegt), einer Herstellungstätte für Chinin aus Chinarinde. Als diese 1887 mit der Firma C. Zimmer in Frankfurt/Main zu den „Vereinigten Chininfabriken Zimmer & Co.“ verschmolzen wurde, übertrug man H. die Leitung des Feuerbacher Zweigwerkes. Mehr als 50 Jahre hat er in diesem Unternehmen gewirkt und sich um dessen Entwicklung große Verdienste erworben. Als Mitbegründer und Vorstand des Gewerbevereins Feuerbach und Verfasser heimatgeschichtlicher Schriften und Vorträge nahm er am öffentlichen Leben teil.

    Vor allem aber hat H. grundlegende Forschungen betrieben. Die Alkaloide der Chinarinde, des Opiums, des Bilsenkrauts, der Tollkirsche, der Cocablätter, Bestandteile der Cotorinden, Flechten- und Rhabarberstoffe hat er auf breiter Basis bearbeitet. Er hat ihren Chemismus und ihre Abkömmlinge, ihre optischen Eigenschaften und ihr Vorkommen in der Natur untersucht, bestehende Formeln berichtigt oder bestätigt, eine Reihe neuer Salze dargestellt, Reinheitsprüfungen ausgearbeitet, Nomenklaturfragen behandelt. Er fand mehrere Opiumalkaloide auf. Im Alstonin isolierte er das erste Alkaloid der Rauwolfia-Gruppe, die später als Heilmittel sehr wichtig geworden ist. Gemeinsam mit Julius Jobst entdeckte er das Alkaloid der Calabarbohnen, das Physostigmin. Er galt als Autorität auf dem Gebiet der Chinaalkaloide und als gründlicher Kenner der Flechten, auch in botanischer Beziehung. Die erste zusammenfassende Darstellung der Flechtenstoffe in Abderhaldens „Biochemischem Handlexikon“ verdankt man ihm. H. ist der Verfasser von circa 300 Publikationen, darunter mehreren Beiträgen zu Sammelwerken.|

  • Auszeichnungen

    Hofrat, württ. Goldene Medaille f. Kunst u. Wiss., Mitgl. d. Leopoldina.

  • Werke

    Weitere W u. a. Calabar-Bohne, in: Liebigs Ann. d. Chemie 129, 1864 (mit J. Jobst);
    Physostigmin, ebd. 141, 1867;
    Alkaloide d. Chinarinden, ebd. 147, 1868, 166, 1873;
    Opiumbasen, ebd. 153, 1870 u. Suppl. VIII;
    Drehungsvermögen d. Chinaalkaloide, ebd. 182, 1876, 192, 1878;
    Cotorinden, ebd. 199, 1879 (mit J. Jobst);
    Alstonin, ebd. 203, 1880, 205, 1880;
    Quebrachodrogen, ebd. 211, 1882;
    Alkaloide d. Belladonna, ebd. 261, 1890;
    Solanaceenalkaloide, ebd. 309, 1899;
    Alkaloide d. echten Brechwurzel, ebd. 405, 1914;
    Alkaloide d. Berberideen, in: Berr. d. Dt. chem. Ges. 19, 1886;
    Cocabasen, ebd. 22, 1889;
    Cotorindenstoffe, ebd. 26, 1893, 27, 1894;
    Flechtenstoffe, ebd. 30, 1897, 31, 1898;
    Cocablätter, in: Journal f. prakt. Chemie 66, 1902;
    Die Flechten u. ihre charakterist. Bestandteile, ebd. 68, 70, 72, 76, 1903-07, 92-94, 1915/16;
    Rhapontikwurzel u. österr. Rhabarber, ebd. 77, 1908. -
    Mitarbeiter u. a.: H. v. Fehlings Neues Hdwb. d. Chemie;
    E. Abderhaldens Biochem. Handlex.

  • Literatur

    . A. Weller, in: Chemiker-Ztg. 42, 1918, S. 29-31;
    C. Haeußermann, in: Württ. Nekr. f. d. J. 1917, 1921;
    Pogg. III-V.

  • Autor/in

    Grete Ronge
  • Empfohlene Zitierweise

    Ronge, Grete, "Hesse, Oswald" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 20 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130596558.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA