Lebensdaten
1863 bis 1923
Beruf/Funktion
Ophthalmologe ; Physiologe
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 102308330 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hess, Carl (bis 1912)
  • Hess, Carl von
  • Hess, Carl (bis 1912)
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Zitierweise

Hess, Carl von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102308330.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1831–1905), Dr. med., Geh. Medizinalrat, Augenarzt, Schriftführer d. Dt. Ophthalmolog. Ges., Freund A. v. Graefes (s. BLÄ), S d. Carl (1798–1835), Dr. iur., Hofgerichtsadvokat in Gießen, Landtagsabg., u. d. Sophie Balser (T d. Wilh. B., 1780–1846, Prof. d. Med. in Gießen, s. ADB II);
    M Emilie (1839–99), T d. Adam Henkell (1801–66). Weinhändler, gründete 1832 in Mainz d. Sektkellerei Henkell (s. L), u. d. Franziska Großmann;
    Vt Otto Jung (* 1862), Gen.dir. d. Mainzer Aktienbrauerei (s. Wenzel), Erich Jung (1866–1950), Prof. d. Rechtsphilos. (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1950); Verwandter Ludwig (1877–1944), Sänger, Dirigent u. Komponist, Prof. a. d. Staatl. Ak. f. Kirchen- u. Schulmusik in Berlin (s. Rhdb., P; Riemann);
    - Leipzig 1895 Nanny Schönherr (1874–1958) aus Leipzig;
    3 T Marianne ( Erwin Schlagintweit, * 1887, Schriftsteller), Martha ( Gustav Döderlein, * 1893, Prof. d. Gynäkol.), Gabriele ( Rud. Zenker, * 1903, Prof. d. Chirurgie);
    N Otto Henkell (1869–1929), Sektfabr., verlegte d. Sektkellerei 1909 nach Wiesbaden-Biebrich (s. L).

  • Leben

    Nach vielseitiger naturwissenschaftlich-medizinischer Ausbildung während seines Studiums in Heidelberg, Bonn und Straßburg ging H. nach Prag an die von Hubert Sattler geleitete Augenklinik und an das Physiologische Institut zu Ewald Hering. Diese Zeit wurde bestimmend für das physiologisch-optische Lebenswerk von H., für seine vergleichenden Untersuchungen über den Licht- und Farbensinn und die Akkommodation. Auch als H. und Hering nicht mehr am gleichen Ort tätig waren, haben sie in kongenialer Forschungsarbeit die als wesentlich erkannten Fragestellungen in geistiger Gemeinschaft experimentell weiterverfolgt. Die physiologisch-optische Forschung in Deutschland war zu dieser Zeit zweifellos führend in der Welt. Bei höchst intensiver Arbeitsleistung auf dem rein wissenschaftlichen Gebiet war H. auch ein überaus erfolgreicher Augenkliniker. 1891 habilitierte er sich bei Sattler in Leipzig, folgte 1896 dem Ruf nach Marburg, 1900 dem nach Würzburg und 1912 dem nach München. – H. klinische Arbeiten betreffen vor allem die verschiedenen Formen des grauen Stars (Katarakt), andere Erkrankungen der Linse, der Hornhaut (Keratitis), Refraktionsanomalien (Myopie), Operationsmethoden (basale Iridektomie nach Hess und Pflüger) und Untersuchungsmethoden (Pupilloskop, Skiaskop, Sehprobentafeln und zahlreiche Methoden zur Prüfung des Licht- und Farbensinnes). Zusammen mit P. Römer gelang ihm die erste Übertragung des Trachoms auf Affen. Auf physiologisch-optischem Gebiet begann H. mit Untersuchungen über die Farbentüchtigkeit der verschiedenen Netzhautzonen, es folgten quantitative Arbeiten über den Simultankontrast, über die verschiedenen Formen der Farbenblindheit, Nachbilder bewegter Objekte und die Hell-Dunkel-Adaptation. Später widmete er sich ausgedehnten vergleichend-physiologischen Untersuchungen über den Licht- und Farbensinn in der Tierreihe, bei Wirbeltieren und auch bei zahlreichen Wirbellosen. Die etwas einseitige Interpretation bei einem Teil dieser experimentellen Resultate mindert ihren heutigen Wert durchaus nicht. Besonders durch die systematische Verwendung der pupillomotorischen Reaktionen erwarb H. sich bleibende Verdienste. Seine größten Leistungen aber dürften die auf dem Gebiet der Refraktion und Akkomodation des Auges sein. Durch ihn wurde, ausgehend von den Arbeiten von Helmholtz, der Mechanismus der Nah- und Ferneinstellung des menschlichen Auges grundsätzlich geklärt. H. untersuchte eingehend die Mechanismen der Akkommodation in der Tierreihe und gewann ein umfangreiches, systematisch durchgearbeitetes Material hinsichtlich der verschiedenen morphologischen Entwicklungen und Funktionsprinzipien. – Dr. phil. honoris causa (Göttingen), Graefe-Medaille (1924).

  • Werke

    u. a. Neue Beobachtungen an total Farbenblinden, in: Ber. d. 31. Verslg. d. Dt. Ophthalmolog. Ges. Heidelberg, 1904;
    Die Refraktion u. Akkommodation d. menschl. Auges u. ihre Anomalien, Über d. Pathol. d. Linsensystems, in: Hdb. d. ges. Augenheilkde., begr. v. A. v. Graefe u. Th. Saemisch, 31910;
    Gesichtssinn, in: Hdb. d. Vgl. Physiol., hrsg. v. H. Winterstein, IV, 1913;
    Die Entwicklung v. Lichtsinn u. Farbensinn in d. Tierreihe, 1914;
    Das Differential-Pupilloskop, in: Archiv f. Augenheilkde. 80, 1916;
    Über Farbenperimetrie, ebd. 85, 1919;
    Methoden z. Unters. d. Licht- u. Farbensinnes, sowie d. Pupillenspieles, in: Hdb. d. biolog. Arbeitsmethoden, hrsg. v. E.|Abderhalden, V, 6/1, 1921-37;
    Farbenlehre, in: Ergebnisse d. Physiol. 20, 1922;
    Die Akkommodation beim Menschen, Vgl. Akkommodationslehre, Pupille, in: Bethes Hdb. d. normal. u. pathol. Physiol. XII/1 (Photoreceptoren I), 1929.

  • Literatur

    P. Römer, in: Zs. f. Augenheilkde. 51, 1923, S. 196 (P);
    W. Stock, in: Klin. Mbll. f. Augenheilkde. 71, 1923, S. 213;
    W. Uhthoff, Gedenkrede (Überreichung d. v. Graefe-Medaille an H.s Witwe), in: Berr. d. 44. Zusammenkunft d. Dt. Ophthalmolog. Ges. Heidelberg 1924, 1924;
    L. Asher, in: Ergebnisse d. Physiol. 23 (II. Abt.), 1925, S. 277;
    K. Wesselv, in: DBJ V. S. 171-75 (u. Tl. 1923, W, L). - Zu Henkell: Karl Henkell, Henkell & Co., 1932;
    P. G. Kirsch, in: Der Volkswirt v. 14.2.1969.

  • Autor/in

    Dietrich Trincker
  • Empfohlene Zitierweise

    Trincker, Dietrich, "Hess, Carl von" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 9 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102308330.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA