Lebensdaten
1562 bis 1627
Geburtsort
Fraustadt (Schlesien)
Sterbeort
Fraustadt (Schlesien)
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe ; Schriftsteller ; Liederdichter
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118710648 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Herbrigk, Valerius
  • Herberger, Valerius
  • Herbrigk, Valerius
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Zitierweise

Herberger, Valerius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118710648.html [20.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Martin Herbrigk ( 1571), Kürschnermeister, Meistersinger;
    M Anna Hoffmann (1541–1608);
    Fraustadt 1590 Anna (1569–1629), T d. Bartholomäus Rüdiger (1539–1606), Kaufm., Ratsherr u. Schöppe in F., u. d. Dorothea Ulrich; Schwager Matthäus Rüdiger, Stadtschreiber in Liegnitz, dann Prof. in Frankfurt/Oder;
    K.

  • Leben

    H. hat sin Fraustadt, dem Mittelpunkt einer dem deutschen Kultur- und Sprachbereich angehörenden – damals polnischen – Landschaft Schlesiens, nach Studienzeit in Frankfurt/Oder und Leipzig (Martin Chemnitz) sein Leben als Lehrer (seit 1584) und Pastor (seit 1590) verbracht. Auf Ausgleich im evangelisch Lager und Frieden zwischen Rathaus und Kanzel bedacht, hielt H., eine irenische Natur, stets Fühlung mit den verschiedenen protestantisch „Gesinntheiten“ bis hin zu den böhmisch Brüdern im nahen Lissa. Als der lutherisch Gemeinde im Zuge eines langwierigen Prozesses vom polnisch König das Gotteshaus genommen wurde, fanden die Evangelischen in einer Notkirche, von H. sinnig „Kripplein Christi“ genannt, Zuflucht. Mit dem einzigen ihm authentisch zuzuschreibenden Kirchenlied „Valet will ich Dir geben“ erlangte H. „Unsterblichkeit“. Mit seiner 3. Strophe in Bachs Johannespassion („Schreib meinen Nam'n aufs beste“) hat es den Weg durch die ganze Welt gemacht. Es ist ein Nachklang der Pestzeiten (vor allem der von 1613), die H. in Fraustadt durchlebt hat. Der Fraustädter Melchior Teschner (1584–1635), erst H.s Kantor, dann Pfarrer im Fraustädter Gebiet, hat die bekannte Melodie dazu geschaffen. – Neben seiner seelsorgerlichen und organisatorischen Tätigkeit (neue Armenordnung für Fraustadt) hat H. in einem uns Heutigen fast unfaßbar großen Ausmaß bis weit nach Schlesien hinein als Prediger und Kasualredner gewirkt und den Ertrag dieser Arbeit und eines intensiven Bibelstudiums in zahlreichen, zum Teil bis ins 19. Jahrhundert wiederaufgelegten Büchern festgehalten. Sein erbaulicher|alttestamentlicher Kommentar (über die Bücher Genesis bis Ruth) ist vom Standpunkte gewisser moderner Theologumena durch seine radikal christologische Auslegung des AT höchst interessant. In seinen vielen Predigtbänden und Leichenreden erinnert H. durch Volkstümlichkeit und Anschaulichkeit (zahlreiche Sprichwörter) an Luther und unterscheidet sich durch den Mangel an theologischer Polemik von dessen unmittelbaren Nachfolgern, er war aber ein führender Beförderer der sogenannten emblematischen Predigtweise mit vielen übersteigerten Bildern, Wortspielen und witzigen, ja drastischen Wendungen, die jedoch die Wahrhaftigkeit und Innigkeit seines Predigtwollens, insbesondere seiner Jesusliebe, nicht beeinträchtigen können.

  • Literatur

    ADB XII;
    A. Henschel, V. H., 1889;
    H. Hering, Die Lehre v. d. Predigt, 1905, S. 120 f.;
    A. Niebergall, Die Gesch. d. christl. Predigt, = Leiturgia, II, 1955, S. 181-352, bes. S. 292 f.;
    A. Büchner, in: Hdb. z. Ev. Kirchengesangbuch II, 1, 1957, S. 125-130 u. Sonderbd., 1958, S. 496-500;
    Kosch, Lit.-Lex. - Zu M. Teschner: ADB 37;
    Riemann.

  • Autor/in

    Wilhelm Jannasch
  • Empfohlene Zitierweise

    Jannasch, Wilhelm, "Herberger, Valerius" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 576 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118710648.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Herberger: Valerius H., lutherischer Prediger, Erbauungsschriftsteller und Liederdichter des 16—17. Jahrh., geb. am 21. April 1562 zu Fraustadt in Großpolen (jetzt preuß. Regierungsbezirk Posen), Sohn eines Kürschners, studirte in Frankfurt a. O. und Leipzig Theologie, wurde 1584 Lehrer, 1590 Diaconus, 1598 Pfarrer in seiner Vaterstadt und starb daselbst, auf der Kanzel vom Schlag gerührt, am 18. Mai 1627. Seine Wirksamkeit fällt in die Zeit der religiösen Wirren und confessionellen Kämpfe, die in Polen, trotz des 1570 abgeschlossenen Consensus Sendomiriensis und trotz der seit 1573 festgestellten pax dissidentium,|unter der Regierung des Jesuitenkönigs Sigismund III. (1587—1632) wieder begannen. Als die zu Sendomir geschlossene Union zwischen Lutheranern und Reformirten von eifernden Lutheranern bedroht und von einer Synode zu Thorn 1595 nur mit Mühe festgehalten wurde, gehörte H. zu den zwar entschiedenen, aber persönlich friedlichen und duldsamen Vertretern des lutherischen Bekenntnisses. Und als die von den Jesuiten geförderte römische Gegenreformation den evangelischen Gemeinden ihre Kirchen wegnahm, — als auch in Fraustadt die seit 1555 dem evangelischen Gottesdienst eingeräumte Stadtkirche durch richterlichen Spruch den wenigen neueingewanderten Katholiken zugesprochen wurde: da war es Herberger, der seine lutherische Gemeinde zur Erbauung eines neuen kleinen Kirchleins veranlaßte, das am 25. Decbr. 1603 eingeweiht und von ihm „Kripplein Christi" genannt wurde. Durch diese Gründung einer evangel. Diasporakirche wie durch andere noch heute bestehende wohlthätige Stiftungen (die Kästlein Lazari, die Brotschüler etc.) hat er seinem Namen ebenso ein gesegnetes Gedächtniß gestiftet wie durch die zahlreichen Schriften, zu denen er trotz seiner angestrengten Pastoralthätigkeit immer noch Zeit fand. Die bekanntesten derselben (zum Theil in unserem Jahrhundert wiederholt neu aufgelegt) sind: 1) seine drei Predigtbücher unter dem Titel „Evangelische Herzpostille", „Epistolische Herzpostille“ und „Geistreiche Stoppelpostille“, 2) seine „Magnalia Dei s. de Jesu Scripturae nucleo et medulla, erbauliche Betrachtungen über die alttestamentlichen Bücher Mose, Josua, Richter, Ruth", 3) „Passionszeiger", 4) „Trauerbinden d. h. Leichenpredigten in 7 Theilen", 5) „Erklärung des Buches Sirach in 95 Predigten“, 6) „Psalterparadies, Erklärung der Psalmen 1—23“, fortgesetzt von seinem Sohn und Amtsnachfolger Zacharias H. Bekannter noch als alle diese Predigten und Schriften, die durch ihre Originalität, Schriftmäßigkeit, Herzlicheinzige geistliche Lied, das H. gedichtet hat und das in zahllose evangelische Gesangbücher übergegangen ist: „Valet will ich dir geben du arge falsche Welt etc.“, verfaßt 1613 während einer in Fraustadt wüthenden Pest, in den Anfangsbuchstaben der Strophen des Verfassers Namen enthaltend. Durch dieses Lied wie durch seine Predigten und Schriften, aber auch durch seine ganze pastorale Wirksamkeit hat H. schon auf seine Zeitgenossen einen mächtigen Einfluß geübt und ist von den Einen als ein „zweiter Luther“, von Andern wie ein Prophet und Wundermann gepriesen worden. Und auch in späterer Zeit ist sein Leben vielfach beschrieben, zuerst von S. Fr. Lauterbach, „Vita, fama et fata Val. Herbergeri.“ Fraustadt 1708, 2 Theile, II.; später von Witte, Uhse, Freher etc., neuerdings von Ledderhose 1851, Specht 1855, Döring in der Allg. Enc. Sect. II., Fr. Krummacher in Pipers ev. Kalender und in den Zeugen der Wahrheit IV, 239 ff., von Göschel und G. Plitt in der theol. R.-E. 1. Aufl. Bd. V, 2. Aufl. Bd. V, S. 790. Ueber seine Predigtmanier vgl. Schenk, Gesch. der deutsch-protest. Kanzelberedsamkeit, Berlin 1841, S. 45 ff.; Schmidt, Geschichte der Predigt, 1872, S. 86 ff; über sein Lied s. die hymnologische Literatur von Wetzel, Schamelius, Richter, Koch etc.

  • Autor/in

    Wagenmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wagenmann, Julius August, "Herberger, Valerius" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 28-29 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118710648.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA