Lebensdaten
1820 - 1910
Geburtsort
Prag
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Politiker ; Historiker ; Unterstaatssekretär ; Abgeordneter ; Schriftsteller ; Übersetzer ; Minister
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11877381X | OGND | VIAF: 72190069
Namensvarianten
  • Helfert, Joseph Alexander Freiherr von
  • Helfert, Joseph (bis 1854)
  • Helfert, Joseph Alexander (bis 1854)
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Zitierweise

Helfert, Joseph Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11877381X.html [06.12.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph H. (1791-1847), Prof. d. röm. u. kanon. Rechts in Prag (s. ADB XI; ÖBL), S e. Weißgerbers in Plan;
    M Anna (1800–37), T d. Franz Xaver Schreiner, Kaufm. u. Mitgl. d. Äußeren Rats in Preßburg;
    Om Franz Gustav Rr. v. Schreiner (1793–1872), Prof. d. Statistik in Graz (s. ADB 32);
    - 1) 1848 Wilhelmine (1827–49), T d. Kaufm. Fügner, 2) Wien 1853 Julie (1832–1907), T d. Andreas Frhr. v. Gredler (1801–70), Dr. iur., Hof- u. Gerichtsadvokat in W., u. d. Juliana Heller;
    1 S aus 1), 3 S, 3 T aus 2).

  • Leben

    Nach philosophischen und juridischen Studien in Prag (Dr. iur. 1842) und größeren Reisen in Mittel- und Westeuropa wurde H. schon 1843 zum Privatsupplenten seines Vaters an der Universität Prag ernannt. 1847 ging er als Assistent Professor Hornigs an das Theresianum in Wien. Seit Oktober 1847 lehrte er an der Universität Krakau als supplierender Professor römisches und kanonisches Recht. – Aus der Wissenschaft des Kirchenrechtes ist er jedoch schon 1848 durch die Revolution herausgerissen worden. Im deutsch-böhmischen Wahlkreis Tachau zum Abgeordneten in den österreichischen Reichstag gewählt, trat er in diesem als überzeugter Konservativer entschieden für die Staatsautorität und in der Frage der Aufhebung der bäuerlichen Untertanenlasten für die Entschädigung der Grundbesitzer ein. – Am 13.11.1848 wurde er im Kabinett Schwarzenberg–Stadion Unterstaatssekretär im neuen Ministerium für Kultus und Unterricht, in dem er auch unter dem Minister Leo Graf Thun bis 1860 in der gleichen Funktion vorblieb und an der Reform des österreichischen Unterrichtswesens, im besonderen an der Hochschulreform und der Gründung des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Anteil hatte. Nach der Auflösung des Ministeriums als Reichsbehörde wurde H. am 21.10.1860 zum interimistischen Leiter des dem Staatsministerium zugewiesenen Ministeriums für Kultus und Unterricht bestellt. Anläßlich der Neuorganisation des Unterrichtswesens 1863, bei der sich bereits das Übergewicht der liberalen Tendenzen abzeichnete, schied er aus dem Ministerium aus.

    Seit 1863 Präsident der Zentralkommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale, widmete sich H. fortan vor allem historischen Studien, die infolge seiner enormen Arbeitskraft bis in das hohe Alter eine fast unübersehbare Zahl erreichten. Sie gelten vor allem der Revolution von 1848, die ihn bis an das Ende seines Lebens beschäftigt hat, daneben auch dem Napoleonischen Zeitalter, der Geschichte des österreichischen Unterrichtswesens, den Problemen Böhmens und den Fragen der staatlichen Denkmal- und Archivpflege. Auch als Herausgeber und Redakteur entfaltete er eine reiche Tätigkeit. – Als Präsident des österreichischen Volksschriftenvereins entwarf er das Programm einer „Österreichen Geschichte für das Volk“, die unter seiner Leitung 1864-82 in 20 Bänden herausgegeben wurde. 1877 übernahm er die Redaktion des „Österreichen Jahrbuches“. In den Veröffentlichungen der katholischen Leo-Gesellschaft, deren erster Präsident er seit 1892 war, trat er auch als Rezensent in Erscheinung.

    H. war kein großer, aber ein außergewöhnlich fleißiger und gewissenhafter Historiker, vor allem aber ein unermüdlicher, großzügiger Förderer der österreichischen Geschichtswissenschaft und der österreichischen Staatsidee. Als solcher wurde er auch von seinen politischen Gegnern voll anerkannt.|

  • Auszeichnungen

    GR (1861), Mitgl. d. Herrenhauses (1881).

  • Werke

    u. a. Österreich u. d. Nationalitäten, 1850;
    Über Nat.gesch. u. d. gegenwärtigen Stand ihrer Pflege in Österreich, 1853;
    Huß u. Hieronymus, 1853, tschech. 1857;
    Die österr. Volksschule, Gesch., System, Statistik, 2 Bde., 1860 f.;
    Die sprachl. Gleichberechtigung in d. Schule u. deren verfassungsmäßige Behandlung, 1861;
    Franz I. u. d. europ. Befreiungskämpfe gegen Napoleon, 1867;
    Gesch. Österreichs vom Ausgang d. Wiener Okt.aufstandes 1848, 4 Bde., 6 T., 1869, 1886;
    Die böhm. Frage in ihrer jüngsten Phase, 1873;
    Maria Luise, Erzhzgn. v. Österreich, Kaiserin d. Franzosen, 1873;
    Die Wiener Journalistik im J. 1848, 1877;
    Joachim Murat, s. letzten Kämpfe u. s. Ende, 1878;
    Fabrizio Ruffo, Rev. u. Gegenrev. in Neapel 1798/99, 1882, italien. 1885;
    Maria Karolina v. Österreich, Kgn. v. Neapel u. Sizilien, 1884;
    Gregor XVI. u. Pius IX., 1895;
    Sechzig J. im Staatsdienst u. in d. Lit. 1841/42-1901/02, 1903 (als Ms. f. Freunde, W-Verz. mit 316 Nrr.);
    Aufzeichnungen u. Erinnerungen aus jungen Jahren, 1904;
    Gesch. d. österr. Rev. im Zusammenhang mit d. mitteleurop. Bewegung d. J. 1848–49, 2 Bde., 1907/1909;
    Zur Gesch. d. lombardo-venezian. Kgr., 1908.

  • Literatur

    J. Hirn, Ein Leben d. Arb., in: Die Kultur 11, 1910, S. 257-65 (ausgew. W-Verz);
    Alm. d. Ak. d. Wiss. in Wien 60, 1910, S. 387-91;
    H. Friedjung, J. A. Frhr. v. H., in: Hist. Aufsätze, 1919, S. 224-38;
    F. Pisecky, J. A. Frhr. v. H. als Politiker u. Historiker, Diss. Wien 1949;
    Wurzbach VIII;
    Kürschner, Lit.-Kal.;
    BJ XV (Tl. 1910, L);
    ÖBL (W, L).

  • Portraits

    Lith. v. Mayßl, Abb. in: Österr. Kal., hrsg. v. J. Auspitz, 2. Jg., 1856.

  • Autor/in

    Erika Weinzierl
  • Empfohlene Zitierweise

    Weinzierl, Erika, "Helfert, Joseph Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 469-470 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11877381X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA