Lebensdaten
1865 bis 1938
Geburtsort
Aschaffenburg
Sterbeort
Würzburg
Beruf/Funktion
bayerischer Politiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118709623 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heim, Georg

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Zitierweise

Heim, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118709623.html [16.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Andreas (1816–86), Posamentier, S d. Kriminal-Amtsdieners Heinrich u. d. Josefa Lang;
    M Sophia (1822–87), T d. Rotgerbors Joh. Gg. Keßler in Riedlingen u. d. Rosina Manser;
    1889 Rosa (1866–1946), T d. Kaufm. Heinr. Kaeppel in Münchberg u. d. Emma Trenkle;
    16 K (G jung †).

  • Leben

    H. war das jüngste von sechs Kindern. Der|Tod seiner Eltern machte ihn bald nach Beginn des Universitätsstudiums mittellos und zwang ihn, sich als Handelsjournalist und Redakteur eines Finanz-Fachblattes Geld zu verdienen bis zu den Abschlußexamen in englischer und französischer Philologie. 1890 wurde er Lehramtsassistent in Freising und kam mit dem Zentrumsführer Daller in Verbindung, der ihn mit der politischen Leitung des „Freisinger Tagblatts“ betraute, bis ein Presseangriff H.s Versetzung nach Wunsiedel auslöste. Im Fichtelgebirge begann H. – nachdem er 1893 in München bei Lujo Brentano in Nationalökonomie promoviert hatte – Darlehenskassen und Raiffeisenvereine zu gründen, die er Ende 1894 zur Fichtelgebirgs-Verkaufsgenossenschaft zusammenschloß. Eine erneute Versetzung als Realschullehrer nach Ansbach sollte seine wachsende Popularität in der nördlichen Oberpfalz hemmen, die ihm bereits den Beinamen „Bauerndoktor“ eingetragen hatte. Ein Jahr später wurde er in den Bayerischen Landtag und in den Reichstag gewählt. Als Wortführer der bäuerlichen Wähler des Zentrums errang er immer größeren Einfluß, sein überragendes Rednertalent sicherte ihm steigenden Erfolg. 1898 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des „Bayerischen Christlichen Bauernvereins“. Dem liberalen Bauernbund, der die Staatshilfe zur Lösung der bäuerlichen Wirtschaftsprobleme forderte, stellte H. die bäuerliche Selbsthilfe entgegen. 1899 begann er aus dem Nichts ein fundiertes Wirtschaftsunternehmen aufzubauen, die spätere „Regensburger Zentralgenossenschaft des Bayerischen Bauernvereins für Ein- und Verkauf“; sie bestand bis zur Vereinheitlichung des bayerischen Genossenschaftswesens 1933. Aus dem Reingewinn des Unternehmens finanzierte H. soziale Einrichtungen und Bildungskurse für junge Bauern, die in Regensburg von 1907 bis 1932 stattfanden. 1911 zog er sich von der Politik zurück und widmete sich Genossenschaftsfragen und im 1. Weltkrieg Ernährungsproblemen. 1916 erhielt er den eigens für ihn geschaffenen Titel eines „Geheimen Landesökonomierates“. Die Revolution 1918 brachte ihn als maßgeblichen Gründer der Bayerischen Volkspartei zur Politik zurück, 1919 wurde er Mitglied der Nationalversammlung, 1920-24 saß er wieder im Reichstag. In Bayern wurde er 1920 der erste Präsident der Landesbauernkammer. Obwohl er trotz mehrfacher Möglichkeit nie ein Ministeramt übernahm, zählte er zu den einflußreichsten Persönlichkeiten Bayerns, bald heftig von den Nationalsozialisten bekämpft, die ihn separatistischer Bestrebungen bezichtigten. H.s politische Konzeption war aber eine föderalistische Struktur der Weimarer Republik, die er unter anderem durch Erzbergers Finanzreform zerstört glaubte. Die Hegemonie irgendeines Landes, oder wie es H. einmal im Reichstag formulierte „die aufgeblasene Wursthaut Preußen, die zuletzt dann Reich heißt“, lehnte er ab. Als einziger seiner Fraktion stimmte H. gegen die Weimarer Verfassung, er setzte anschließend die Auflösung der Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Volkspartei mit dem Zentrum durch und machte endlich 1925 mit den Stimmen der BVP im 2. Wahlgang Hindenburg erfolgreich gegen den Zentrumskandidaten Marx. 1932 unterstützte er abermals Hindenburg – gegen Hitler, den er öffentlich „einen gewissenlosen Scharlatan“ nannte. Im gleichen Jahr machte sich der „ungekrönte König von Bayern“ (so bereits 1923 „New York Evening Journal“) für eine Rückkehr zum Königtum der Wittelsbacher stark. Er wollte damit zumindest für Bayern einer Diktatur Hitlers vorbeugen. Kein Wunder, daß ihn die neuen Herren 1933 seiner Posten enthoben. Bewundert und verehrt, gehaßt und angefeindet wie kaum ein zweiter, ist H. nicht nur das Idol der bayerischen Bauern, sondern eine der populärsten und kraftvollsten Erscheinungen seiner Zeit gewesen.

  • Werke

    ca. 800 Ztg.artikel u. a. in: Bayer. Kurier, München-Augsburger Abendztg., Bayer. Bauernbl., zw. 1914 u. 1933. - Um d. Gerechtigkeit willen! 1913;
    Heitere Geschichten, 1924;
    Geschäftl. Hdb. f. d. Landmann, 81927;
    Im Kampf um d. Wahrheit, 1932.

  • Literatur

    H. Renner, G. H. als Agrarpolitiker b. z. Ende d. 1. Weltkriegs, phil. Diss. München 1957 (W-Verz.) (ungedr.);
    ders., G. H. d. Bauerndoktor, Lb. e. „ungekrönten Königs“, 21960 (P);
    Rhdb. (P).

  • Portraits

    Ölgem. v. L. Samberger (im Bes. v. Gg. Heim, München), Abb. in: Unser Bayern 9, 1960. Nr. 3;
    v. Gebelein (im Bes. v. Ernst Heim, München).

  • Autor/in

    Hermann Renner
  • Empfohlene Zitierweise

    Renner, Hermann, "Heim, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 267-268 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118709623.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA