Lebensdaten
1771 bis 1854
Geburtsort
Dobrilugk (Niederlausitz)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118521101 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heun, Carl (eigentlich, Heinrich Clauren ist Pseudonym)
  • Heun, Johann Gottlieb Samuel Carl (eigentlich, Heinrich Clauren ist Pseudonym)
  • Heun, Karl
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Zitierweise

Clauren, Heinrich, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118521101.html [25.09.2016].

CC0

Clauren, Heinrich (Pseudonym für Johann Gottlieb Samuel Carl Heun)

Schriftsteller, * 20.3.1771 Dobrilugk (Niederlausitz), 2.8.1854 Berlin. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Joh. Carl Heun (1735–98), kursächsischer Amtmann in Torgau, 1767 in Dobrilugk, Bes. des Ritterguts Reuden b. Calau, S des Carl Heinr. (1690–1761), Stadtschreiber u. Juris practicus in Schilda (Niederlausitz); M Carol. Chr. Elis. (1743–76), T des Bgm. Polyc. Sam. Wagner in Wittenberg; Ov Frdr. Wilh. Heun (1741–1812), kursächsischer Bergrat u. Salinendirektor in Dürrenberg; Schw Henr. ( Gg. Joachim Göschen, 1828, Verleger); 1) Leipzig 1799 Henriette ( 1822), T des Bernh. Breitkopf ( 1810/20), Verleger in Petersburg (s. NDB II*, ADB III), 2) Berlin 1831 Friederike Sophie, T des Schiffseigentümers Joh. Heinr. Hambrauer; 1 S aus 1), 2 T aus 2).

  • Leben

    C., anpassungsfähig, dienstfertig und jovial, 1791 Dr. jur. in Leipzig, wurde 1800 Kommissionsrat, als Privatmann 1801-10 Gutsverwalter, Buchhändler, Kaufmann und Mitherausgeber der Jenaer Allgemeinen Literatur-Zeitung, war 1811-15 im Dienste Hardenbergs, 1815-19 preußischer Geschäftsträger in Sachsen, 1820 Redaktionsleiter der Allgemeinen Preußischen Staatszeitung und Geheimer Hofrat im Generalpostamt. - Nach dem Erfolg des für seine Arbeitsweise charakteristischen Romans „Mimili“ (1816, 41824, zuletzt 1916 und 1919, übersetzt ins Dänische, Englische, Ungarische, Polnische) veröffentlichte C. bei größter Beliebtheit in allen Ständen 1818 6 Bände Erzählungen und bis 1834 alljährlich erscheinend seine Taschenbücher „Vergißmeinnicht“ (26 Bände) und die Sammlung „Scherz und Ernst“ (40 Bände). Mit bunter Erfindung bei ständig sich wiederholenden Motiven und Formgesetzen nützte C. raffiniert die zeitlosen Effektmittel des Kitsches: sentimentale Religiosität und Empfindsamkeit (Gustav Adolf, Leipzig 1791), Grausamkeit und Geheimnis des Abenteuers (Das Raubschloß, 1812) und zum Schlüpfrigen neigende Erotik. Begierde durch Eheschließung zu legalisieren, das Abenteuerliche im Traum zu entwirklichen, somit biedermeierlich Erlebnishunger auszuleben und gleichzeitig zu entschärfen, waren dabei die wirkungssicheren Methoden, die seiner restaurativen Zeit besonders entsprachen. Ein füllender Aufputz mit lexikalischem Wissen und patriotischen Tendenzen verbürgten dabei die geforderte Wohlanständigkeit aufgeklärter Bürgerbildung. W. Hauffs entwaffnende Parodie „Der Mann im Mond“ (1826, unter dem Namen C.s geschrieben) demonstriert den Einfluß C.s selbst auf den Stil seiner Kritiker und verschaffte ihm darüber hinaus durch den sich ergebenden Prozeß (vergleiche W. Hauff, Kontroverspredigt) Eingang in die Literaturgeschichte. Seine Theaterstücke bevorzugen simple Situationskomik.

  • Werke

    Lustspiele, 2 Bde., 1817; Ges. Werke, 25 Bde., 1851.

  • Literatur

    ADB IV; G. Koch, C.s Einfluß auf Hauff, in: Euphorion 4, 1897, S. 804-12; G. Gugitz, Ein Vielgelesener u. ganz Vergessener, in: Dt. Tagbl., Wien 1904, Nr. 212; Goedeke X, 1913, S. 46-58, XI/1, S. 479 f., XIV, Lfg. 1, 1955, S. 162 f. (W, L); H. Liebing, Die Erzz. H. C.s (Carl Heuns) als Ausdruck d. bürgerl. Welt- u. Lebensauffassung in d. beginnenden Biedermeierzeit, Diss. Halle 1931 (W, L, P); Kosch, Lit.-Lex. II (unter Heun); Frelszur Fam.gesch.: A. Anacker, in: Ekkehard, 8. Jg., 1932, S. 106 f.

  • Portraits

    Stich v. F. Fleischmann nach W. Hensel (Bibl. nat. Paris) Miniatur, Abb. in: G. Biermann, Die Miniaturen-Slg. S. K. H. d. Ghzg. Ernst Ludwig v. Hessen u. bei Rhein, 1917, Tafel 108..

  • Autor

    Karl Richter
  • Empfohlene Zitierweise

    Richter, Karl, "Clauren, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 267 f. [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118521101.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Clauren, Heinrich

  • Leben

    Clauren: Heinrich C., mit dem wirklichen Namen Carl Heun, dessen Anagramm jenes Pseudonym ist, bekannter, seiner Zeit viel gelesener, jetzt aber ziemlich vergessener Schriftsteller (Novellist), wurde geb. zu Dobrilugk in der Lausitz 20. März 1771, schrieb schon als Leipziger und Göttinger Studiosus Romane, wurde nachher in Berlin Privatsecretär beim Minister v. Heynitz, erhielt 1792 Titel und Stelle eines Geheimsecretärs in einer Abtheilung des Generaldirectoriums, später eines Assessors im Bergwerk- und Hüttenamt, von 1801 bis 1810 verwaltete er die ausgedehnten Güter eines preußischen Adlichen (Canonicus v. Treskow) in den polnischen Provinzen und war zugleich Theilnehmer an einem Buchhändlergeschäft zu LeipzigHeun, ein Schwager Göschen's in Leipzig, war nämlich Compagnon des dortigen Buchhändlers Rein und u. A. auch der buchhändlerische Unternehmer der Eichstädt'schen Jenaischen Litteraturzeitung, nachdem 1803 die ältere Litteraturzeitung mit Schütz nach Halle übergesiedelt war. (Vgl. Schiller-Cotta, Briefwechsel, S. 495 Anmerk. 1.) Er kam, im J. 1810 nach Berlin zurückgekehrt, als Hofrath in Hardenberg's Bureau, machte als Civilbeamter die Feldzüge von 1813 und 1814 im Hauptquartier mit, fand seine Verwendung auch auf dem Wiener Congreß, übernahm nach seiner Rückkehr die Redaction der "Preußischen Staatszeitung", functionirte daneben in mehreren öffentlichen Stellungen (seit 1824 beim Generalpostamt), und starb 2. Aug. 1854 als geheimer Hofrath zu Berlin. — Clauren's litterarische Thätigkeit bewegt sich hauptsächlich auf novellistischem Gebiet und zwar mit mehr Glück als Verdienst. Er fand ein sehr dankbares Publicum, wußte dessen Gelüste mit wahrer Virtuosität zu befriedigen, beging aber dabei den großen, von Hauff in einer vernichtenden Satire gegeißelten Fehler, daß er, statt erzieherisch und veredlend auf seine Leser zu wirken, durch theils seichte, theils schlüpfrige und frivole Waare den Geschmack derselben verderbte, ihre niedrigsten Sinne kitzelte und jede Spur eines idealen Bedürfnisses vollends ausrottete. Die Mittel, mit welchen dieser gewandte Novellenfabrikant seine Waare herstellt, sind immer die gleichen und immer gleich ordinär, der Verfasser macht auch keine Ansprüche darauf, ein "höheres" Bedürfniß und ein feineres Publicum zu befriedigen oder gar seinen Zwecken ein täuschendes idealeres Gewand umzuhängen: er schreibt ohne alles Gefühl für die Würde des Schriftstellers, ohne Ahnung für dessen höheren Beruf, er "liefert" seine "Waare" ab "nach Wunsch", wie ein anderer Lieferant auch, und hat seinen Zweck erreicht, wenn er gelesen und — bezahlt wird. Das ganze Rohmaterial, womit dieser Schriftsteller arbeitet, sammt den Handgriffen der Zubereitung hat W. Hauff vortrefflich persifflirt in seiner Parodie "Der Mann im Mond", welche, der Clauren'schen Muse Schritt für Schritt nachgehend, deren ganze Bewegungsscala, ihren decenten und indecenten Faltenwurf, ihre Manieren bis auf das "Räuspern und Spucken" herunter in genialer Weise nachahmt. Ueber Heun's eigene Persönlichkeit fällt Karolina Bauer (Aus meinem Bühnenleben I. 50) ein günstigeres Urtheil: er sei gastfrei, aufrichtig, treu seinen Freunden und der liebenswürdigste Gesellschafter gewesen. Werke: "Lustspiele", Dresden 1817. 2 Bde. (unbedeutend, nicht einmal an Kotzebue heranreichend); "Erzählungen", 6 Theile in 3 Bänden, 1819—1820; "Scherz und Ernst", 4 Sammlungen 1820—1828; "Rangsucht und|Wahnglauben", eine Geschichte in Briefen, 1821; "Meine Ausflucht in die Welt", 2 Thle. 1822 etc.; Werke, 25 Bde. 1851.

    • Literatur

      Vgl. H. Kurz, Goedeke, Lange (Litteraturbilder) etc.

  • Autor

    Mähly.
  • Empfohlene Zitierweise

    Mähly, "Clauren, Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 281-282 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118521101.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA