Lebensdaten
erwähnt 1121, gestorben 1127
Sterbeort
Augustiner-Chorherrenstift Sankt Märgen (Schwarzwald)
Beruf/Funktion
Bischof von Konstanz
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 13746620X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ulrich von Konstanz
  • Ulrich I. von Dillingen-Kyburg
  • Ulrich I.
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Zitierweise

Ulrich I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13746620X.html [04.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Fam. d. Grafen v. Dillingen (s. NDB III);
    V Hartmann I. v. D. ( 1121), Gründer d. Klosters Neresheim, zuletzt Mönch ebd. (s. NDB VII);
    M Adelheid ( 1118), T d. Adalbert II., Gf. v. Winterthur-Kyburg (?);
    B Hartmann II. ( 1134), Adalbert I. ( 1151).|

  • Leben

    U. war wahrscheinlich seit seiner Jugend Kanoniker im Augustiner-Chorherrenstift Marbach im Elsaß. Nach dem Tod Bf. Gebhards III. 1110 erhielt er im Jahr darauf in Rom von Ks. Heinrich V. den Konstanzer Bischofsstuhl, wurde allerdings als treuer Parteigänger des Saliers von Papst Paschalis II. nicht anerkannt. In den folgenden Jahren hielt sich U. meist im Gefolge des Kaisers auf und versuchte zugleich durch mehrere Legationen, die päpstl. Anerkennung zu erreichen. Aber erst nach dem Tod von Paschalis II. 1118 erhielt er die Bischofsweihe. In der Folgezeit widmete sich U. insbesondere der Reorganisation seines Bistums, das durch die Wirren des Investiturstreits stark geschädigt worden war. Gleichwohl ist er noch einige Male am Kaiserhof und im Reichsdienst belegt, darüber hinaus vollzog er Weihehandlungen auch außerhalb seiner Diözese. In Konstanz gelang es ihm, den anfänglichen Konflikt mit dem Domkapitel beizulegen. U. erbaute mit der Burg Kastell westlich der Bischofsstadt eine Ausweichresidenz, die er mit zwei übereinanderliegenden Burgkapellen und mit getäfelten Decken ausstatten ließ. Zahlreiche Kirchweihen und kirchenrechtliche Entscheidungen U.s sind belegt, 1127 hielt er in Konstanz eine Synode ab. Besondere Förderung erfuhren die Augustiner-Chorherrenstifte in seiner Diözese, v. a. die mit seiner Familie verbundenen Klöster unterstützte er in vielfältiger Form. Mit Nachdruck setzte U. seine Rechte als Eigenkirchenherr gegenüber dem nördlich der Bischofsstadt gelegenen Kloster Petershausen durch, das seit dem Investiturstreit verstärkt nach Autonomie gestrebt hatte. Im Süden seines Bischofssitzes erneuerte er das von seinem Amtsvorgänger Konrad ( 975) gestiftete Hospital und verband es 1127 mit dem von ihm gegründeten Augustiner-Chorherrenstift St. Ulrich und Afra in Kreuzlingen. Außerdem initiierte und betrieb U. die Kanonisation Bf. Konrads. So ließ er durch den Augsburger Mönch Udalschalk ( um 1150), den späteren Abt von St. Ulrich und Afra in Augsburg, eine aus Lebensbeschreibung, Mirakelbericht und Schilderung der Elevatio bestehende Vita Konrads sowie ein Offizium verfassen. Schließlich konnte er die Heiligsprechung durch Papst Calixt II. am 28. 3. 1123 erreichen. Die Erhebung der Gebeine des Heiligen fand am 26. 11. 1123 in Konstanz statt. Mit diesem Akt wollte U. die von ihm als Amtsnachfolger nach den Konflikten im Investiturstreit wiederhergestellte Einheit von Domkapitel, Klerus und Bürgern der Bischofsstadt sowie aller Gläubigen des Konstanzer Bistums demonstrieren. Daneben förderte er das Andenken an den der Tradition zufolge ebenfalls von einem Papst heiliggesprochenen Augsburger Bf. Ulrich ( 973), nicht zuletzt weil dieser derselben Familie wie er selbst angehörte. Seine Bestattung im Chor der Bischofskirche legte den Grundstein für eine Sepulkraltradition, nach der die meisten seiner Nachfolger an diesem Ort ihr Grab fanden. Noch 1127 wurde Ulrich II. (1138 resigniert, 1140/41) zum Bischof von Konstanz gewählt.

  • Quellen

    Qu Vita Chounradi Constantiensis episcopi, Vita prior auctore Oudalscalcho, hg. v. G. H. Pertz, in: MGH SS 4, 1841, S. 430–36; Vita Chounradi Constantiensis episcopi, Vita altera auctore anonymo, hg. v. dems., in: MGH SS 4, 1841, S. 436–45; Regg. Episcoporum Constantiensium, Regg. z. Gesch. d. Bischöfe v. Constanz v. Bubulcus bis Thomas Berlower (517–1496), hg. v. d. Bad. Hist. Komm., Bd. 1, 1895; Uodalscalci Vitae S. Kuonradi liber tercius, hg. v. W. Berschin, in: Freiburger Diözesan-Archiv 95, 1975, S. 98–106; Uodalscalci Historia S. Kuonradi, hg. v. dems., ebd. 95, 1975, S. 120–25; Die Chronik d. Klosters Petershausen, hg. u. übers. v. O. Feger, 2 1978.

  • Literatur

    L C. B. A. Fickler, Odalrich II. Gf. v. Dillingen-Kiburg, 1856;
    U.-R. Weiss, Die Konstanzer Bischöfe im 12. Jh., 1975;
    A. Hopp, Das Hospiz d. hl. Konrad u. d. Gründung d. Chorherrenstiftes St. Ulrich u. Afra zu Konstanz/Kreuzlingen, in: Schrr. d. Ver. f. Gesch. d. Bodensees u. seiner Umgebung 107, 1989, S. 97–105;
    H. Maurer, Die Bischöfe bis ins 12. Jh., in: Helvetia Sacra 1,2,1: Das Bm. Konstanz, 1993, S. 268–69;
    ders., Gesch. d. Stadt Konstanz, Bd. 1,1, 21996;
    ders., in: Germania Sacra, NF 42,1, 2003, S. 266–88; A. Bihrer, Bf. Konrad als Patron v. Konstanz, Zur Stiftung städt. Identität durch Bf. U. I. (1111–1127), in: ZGORh 148, 2000, S. 1–40; ders., Konrad – Titelhl. d. Münsters, in: U. Laule (Hg.), Das Konstanzer Münster Unserer Lieben Frau, 2013, S. 27–30;
    O. Kraft, Papsturk. u. Heiligsprechung, 2005;
    HLS; BBKL 23 (L).

  • Portraits

    P Münzen, vgl. U. Klein, Die Münzen d. Bischöfe v. Konstanz bis 1206, in: Germania Sacra, NF 42,1, 2003, S. 437–52, Tafel 4, Abb. 15 u. 16 (Zuschreibung nicht endgültig gesichert); die U. zugeschriebenen Siegel u. Siegelurkk. sind wahrsch. gefälscht.

  • Autor/in

    Andreas Bihrer
  • Empfohlene Zitierweise

    Bihrer, Andreas, "Ulrich I." in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 586-587 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13746620X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA