Lebensdaten
1794 bis 1854
Geburtsort
Heinsberg (Bezirk Aachen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119181304 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Begas, Karl Joseph der Ältere
  • Begas, Karl
  • Begas, Karl Joseph
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Zitierweise

Begas, Karl der Ältere, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119181304.html [17.01.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Anton Peter Begas (1764–1842), Rechtsanwalt in Heinsberg, seit 1802 Landgerichtspräsident in Köln;
    M Susanna Henriette Hoffstadt;
    Berlin 1.3.1825 Friederike Wilhelmine (genannt Minna), T des Schloßbaumeisters Karl Ludwig Bock in Berlin;
    6 S, u. a. Oskar Begas (s. 3), Reinhold Begas (s. 4), Adalbert Franz Eugen Begas (1836–88), Porträt- und Genremaler, Karl Begas der Jüngere (s. 2); 2 T.

  • Leben

    B. zeigte schon in der Kindheit auffallende künstlerische Begabung. Er besuchte in Bonn das Lyceum und erhielt hier von 1803 an künstlerischen Unterricht bei dem Maler C. A. Philippart. 1813 war er in Paris Schüler von J.-A. Gros, in dessen Atelier er 18 Monate lang arbeitete. Hier wurde König Friedrich Wilhelm III. auf ihn aufmerksam, erwarb von ihm eine Kopie nach Raffael und setzte ihm eine dreijährige Pension aus, damit er seine Studien in Paris fortsetzen konnte. B. wurde Anhänger des französischen Klassizismus und schuf zunächst vorwiegend religiöse Malereien. Von Paris siedelte er 1817/18 nach Berlin über, wo ihm der König Aufträge erteilte. 1821 war er wiederum in Paris. Auf der Rückreise sah er in Stuttgart die Sammlung Boisserée, unter deren Eindruck sich sein Stil im Sinne der Nazarener wandelte. Auf Grund eines dreijährigen Stipendiums (1822–24) der preußischen Regierung in Italien, wurde ihm vor allem Giotto zum Erlebnis. In Rom wohnte er mit B. Thorwaldsen zusammen in der Casa Buti und schloß sich dem Kreis um J. F. Overbeck an. Hier malte er Bildnisse und religiöse Bilder. Ende Oktober 1824 kehrte er nach Berlin zurück und bezog das Haus am Karlsbade im „Potsdamer Torviertel“, welches zu einem Zentrum des geistigen Berlin wurde. 1826 wurde er zum Professor ernannt. Eine Ausstellung der Düsseldorfer Romantiker (1827) rief einen abermaligen Stilwandel hervor. B. gab die Herbheit des nazarenischen Stils auf und ging zu einer malerisch-breiten und lockeren, mehr gefühlsbetonten Auffassung über. 1829 wurde er Lehrer an der Kompositionsklasse der Berliner Akademie und Mitglied des akademischen Senats. In den 40er Jahren begann er mehr und mehr einem sentimentalen Realismus zu huldigen und geistreichelnde Genrebilder sowie süßlich-pathetische religiöse Werke zu schaffen. Daneben porträtierte er im Auftrag des Königs die Ritter der Friedensklasse des Pour le Mérite. Sommer 1854 suchte er noch einmal - kurz vor seinem Tode - Rom auf.

    B. gilt als Begründer der „Berliner Malerschule“ und hat das Berliner Kulturleben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entscheidend mitbestimmt. Ein geschickter Eklektiker von großer Wandlungsfähigkeit, wußte er sich stets dem Wechsel der Kunstanschauungen anzupassen. Seine stärkste Periode war zweifellos die „nazarenische“. Von seinen zahlreichen Schülern seien genannt: sein Sohn Oskar (s. 3), der Malerdichter R. Reinick, E. Holbein, A. von Rentzell, W. Amberg und K. H. Kleine.

  • Werke

    u. a. Christus am Ölberg, 1818, Altarbild d. Berliner Garnisonkirche;
    Ausgießung d. hl.|Geistes, 1821, Altarbild f. d. Berliner Dom;

    Doppelbildnis d. Eltern, 1821 (Neue Gal.);

    Familienbild, 1822 (Walraff-Richartz Mus. Köln);

    Bildnis Thorwaldsens, 1823 (Neue Gal.);

    Taufe Christi, 1824, Altarbild f. d. Potsdamer Garnisonskirche;

    Tobias u. d. Engel, 1825 (Neue Gal.);

    Austreibung d. Wechsler, 1825 (Mus. Halle);

    Auferstehung, 1827, Altarbild f. d. Werdersche Kirche Berlin; Lorelei, 1835 (Hannover);

    Verklärung Christi, 1836, Altarbild f. d. Kirche in Krumöls (Schlesien);

    Mohrenwäsche, 1843 (Neue Gal.);

    Kommet her zu mir alle…, 1844 (Landsberg/W.);
    Bildnisse d. Ordensträger: u. a. A. v. Humboldt, J. Grimm, F. W. Schelling, K. R. Lepsius, G. Schadow, K. F. Schinkel, C. D. Rauch, P. Cornelius, K. F. Zelter, G. Meyerbeer, F. Mendelssohn.

  • Literatur

    ADB II; A. Raczinsky, Hist. de l'art moderne en Allemagne, 3 Bde., Paris 1836–41;
    F. Reber, Gesch. d. neueren dt. Kunst, 1876;

    A. Rosenberg, Berliner Malerschule, 1879;

    F. u. K. Eggers, C. D. Rauch, 1887;

    G. Ebe, Der dt. Cicerone III, 1898;

    F. Noack, Das Deutschtum in Rom, 1927;
    ThB (auch f. S Adalbert Franz Eugen B.).

  • Portraits

    Selbstbildnis, um 1815 (Privatbesitz Berlin), u. um 1820 (Berlin, Neue Gal.);
    Zeichnung v. Oskar B., 1854 (Künstleralbum im Archiv d. Dt. Künstlerver., Rom).

  • Autor/in

    Eberhard Ruhmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Ruhmer, Eberhard, "Begas, Karl der Ältere" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 744 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119181304.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Begas: Karl B., der begabteste Maler der Berliner Schule in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts, geb. 30. Sept. 1794 zu Heinsberg im Regierungs-Bezirk Achen, zu Berlin 24. Nov. 1854. In seinem siebenten Jahre (1801) siedelte er mit seinem Vater, einem höheren Justizbeamten, nach Köln über und besuchte später das Lyceum in Bonn. Dem Wunsche seiner Eltern nach sollte er gleichfalls die juristische Laufbahn ergreifen, aber die Neigung zur Kunst regte sich schon früh in dem Knaben, der fleißig zeichnete und von einem Maler Philippart mit solchem Erfolg in der Oelmalerei unterrichtet wurde, daß er in seinem funfzehnten Jahre den Johannes von Raphael so gut copirte, daß die Bonner litterarisch-artistische Gesellschaft ihn zu ihrem Ehrenmitgliede machte. Solche Erfolge stimmten allmählich den Vater um, und 1812 ging B. nach Paris, um dort in dem Atelier von Gros seine weitere Ausbildung zum Maler zu finden. Gros verwies den Schüler auf zwei Dinge: das treue Studium der Natur ohne andere Idealisirung als etwa eine Verstärkung der Licht- und Schattengegensätze und zweitens auf ein fleißiges Copiren nach Raphael. Diese beiden Elemente seiner frühesten Jugend lassen sich noch in seinen späteren Werken verfolgen. Eine Reihe von Actstudien jener Pariser Zeit zeigte die Höhe der Meisterschaft in der Behandlung des Fleisches, die er dort gewann; wie er denn gerade nach dieser Richtung hin weitaus der vorzüglichste aller seiner Berliner Zeitgenossen ist, und darin vom ersten Augenblick seines Auftretens an Wach und Kolbe, die damaligen Häupter der Schule, in Schatten stellte. Eine Copie der Madonna della sedia erwarb ihm 1814 in Paris den Beifall Friedrich Wilhelm III., während fast gleichzeitig ein anderes Bild, die Darstellung eines Knaben nach der Natur, in ungemein dreister, kräftiger Auffassung in Berlin im Gegensatz zu der akademisch herkömmlichen stachen Schönmalerei berechtigtes Aufsehen erregte. Es folgte die Bestellung mehrerer Altarbilder für Berlin und Potsdam, so 1818 „Christus am Oelberge“ in der Berliner Garnisonkirche, ein Bild, welches deutlich die Raphaelstudien des Malers bis in den Typus der Köpfe und das Arrangement der Gewänder hinein zeigt, vorgetragen in etwas französischer Manier; während die Ausgießung des heiligen Geistes für den Berliner Dom (1821) schon größere Reife, wenn auch dieselbe Sinnesweise erkennen läßt; es gehört zu seinen besten Arbeiten. Der so ruhmvoll beschrittene Weg steigerte die Erwartungen, die man an den jungen Künstler stellte, aufs höchste. B. aber war keine einem bestimmten Ziele bewußt nachstrebende Kraft. Seine leicht für Eindrücke empfängliche Natur entzündete sich bei jeder neuen Anregung und führte ihn so die mannigfachsten Irrgänge, aus denen er nie recht zu klarem Selbstbewußtsein durchdrang. So kam es, daß als er nach Berlin übersiedelte, wo ihn die Akademie in Folge seiner aus Paris gesandten Arbeiten zu ihrem ordentlichen Mitgliede ernannte (14. Dec. 1821), ein zufällig gesehenes Gemälde Hans Holbein's ihn derart anregte, daß er einer diesem ähnelnden archaisirenden Richtung anheimfiel. Ein in diesem Sinne gemaltes männliches Portrait erregte auf der Kunstausstellung großes Aufsehen. Zunächst aber war seines Bleibens noch nicht in Berlin. Unterstützt durch eine königliche Pension für drei Jahre ging er nach Rom. Dort gab er sich der präraphaelitischen Richtung, wie sie damals in der deutschen Künstlercolonie Mode war, hin. So zeigt ihn uns seine „Taufe Christi“ in der Garnisonkirche zu Potsdam. Allein das Studium Raphael's und vielleicht auch sein eigener gesunder Sinn hielten ihn|vor dem gänzlichen Aufgehen in die neue Richtung zurück. Als er dann 1825 nach Berlin zurückkehrte, hatten die drei Jahre seinen Stil wesentlich verändert. Die französische Schultradition war zum Theil abgestreift; eine strenge Zeichnung vereinigte er mit einer glänzenden Farbe; und in einer Zeit, wo das eigentlich malerische in der Malerei am meisten vernachlässigt wurde, strebte er nach immer größerer Ausbildung dieser Eigenschaft. Seine Zeichnung wird immer weniger hart, wird zarter und milder, sein Colorit und Helldunkel immer wahrer und liebenswürdiger. Bekannt auf dem Gebiet der religiösen Malerei sind noch aus dieser späteren Zeit seine „Auferstehung Christi" in der Werder'schen Kirche, „Christus die Mühseligen und Beladenen zu sich rufend“, und endlich der „Judaskuß“, ein Gemälde, welches durch starke Beleuchtungseffecte wirken will, aber bei trefflicher Behandlung des Uebrigen leider im Christuskopfe selbst zu unbedeutend ist (Museum in Breslau). Alle diese Werke lassen erkennen, daß die Composition seine schwächere Seite war, in ihr blieb er immer abhängig von den gemachten Studien, die ihn zwar im Einzelnen schöne Formen geben, aber im Aufbau des Ganzen doch oft leer oder gesucht erscheinen lassen. Viel größere Bedeutung hat er nach der Seite der eigentlich malerischen Befähigung hin, da her er denn den reinsten Genuß in seinen Portraiten gewährt, so in dem großen Familienbilde Bethmann-Hollweg und in den für den König von Preußen gemalten Rittern des Ordens pour le mérite, vor allem in dem herrlichen Bildniß Rauch's (1846). Höchst liebenswürdige Arbeiten sind auch seine kleineren Genrebilder, die sein hohes Talent in günstigerem Lichte zeigen, als die großen und heut noch dazu oft nachgedunkelten Compositionen. Die berühmtesten der selben sind die „Mohrenwäsche“ und die „Loreley“, Werke welche in unzähligen Reproductionen als Lithographie, Buntdruck, Lithophanie u. s. w. ihrer Zeit durch die ganze Welt verbreitet waren.

  • Autor/in

    Dohme.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dohme, Robert, "Begas, Karl der Ältere" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 269-270 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119181304.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA