Lebensdaten
1809 bis 1891
Geburtsort
München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Schauspielerin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118544772 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hagn, Carolina Josepha von
  • Oven, Carolina Josepha von (verheiratete, 1846-1851)
  • Oven, Charlotte von (verheiratete, 1846-1851)
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Zitierweise

Hagn, Charlotte von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118544772.html [26.09.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (1786–1830), Kaufm. in M., S d. Franz (bayer. Adel 1769), bayer. Hofkammerrat, u. d. Violanda v. Schmädel;
    M Josepha Schwab ( 1839);
    B Ludwig (1819–98), Genre- u. Interieurmaler (s. ADB 49; ThB);
    - 1846 ( 1851) Alexander v. Oven, Gutsbes. in Schlesien.

  • Leben

    H. wurde von der Hofschauspielerin Marianne Lang-Boudet ausgebildet, kam auf Empfehlung ihrer Lehrerin als „Akzessistin“ an das Münchner Hoftheater, debütierte am 22.8.1826 als Afanasia in Kotzebues Trauerspiel „Graf Benjowsky“ und wurde daraufhin engagiert. Im Rollenfach der jugendlichen Liebhaberin und Salondame vor allem auf Grund ihrer äußeren Erscheinung früh erfolgreich, wurde sie auf Gastspielreisen nach Wien (1829), Dresden (1831), Berlin (1831) rasch über München hinaus bekannt. Bei ihrem Aufenthalt in Berlin wurde ihr von dem Hoftheaterintendanten Graf Redern ein Engagement angetragen, dessen günstige finanzielle Bedingungen sie veranlaßten, in München kontraktbrüchig zu werden. Der Engagementsvertrag ermöglichte ihr zahlreiche und ausgedehnte Gastspielreisen, die sie zu einer der beliebtesten und bekanntesten Schauspielerinnen der Biedermeierzeit in Deutschland machten. Neben klassischen Lustspielrollen, wie der Mirandolina und Donna Diana, waren Salondamen in zeitgenössischen Konversationsstücken ihre Domäne, für die sie Aussehen und Temperament, Charme und Eleganz prädestinierten. Die Theaterschriftsteller Carl Blum und Louis Schneider erweiterten ihren Rollenkreis, indem sie eigens für die gefeierte Schauspielerin Stücke verfaßten. Friedrich Wilhelm III. fand an ihren Darstellungen solchen Gefallen, daß er H. 1840 durch ein lebenslängliches Engagement an das Hoftheater band. Ihre Heirat setzte 1846 ihrer künstlerischen Laufbahn ein Ende. Die Ehe wurde bereits 1851 wieder aufgelöst, Krankheit machte es H. unmöglich, zu ihrem Beruf zurückzukehren. Sie lebte bis zu ihrem Tode auf ihrem Landgut in Schlesien, in Gotha, Wiesbaden und München.

  • Literatur

    ADB 49;
    B. Hoeft, Ch. v. H., Fam.gesch. u. Jugendzeit, 1926;
    W. Quincke, Ch. v. H.s Spielgeldkal. 1840–46, in: Neues Archiv f. Theatergesch. 1, 1929, S. 111-66;
    G. Bobbert, Ch. v. H., 1936 (P);
    Eisenberg;
    Kosch, Theater-Lex.

  • Portraits

    in: Ph. Stein, Dt. Schauspieler, 2. Das 19. Jh. bis Anf. d. 40er J., 1908, Tafel VI;
    Lith. v. F. Legrand n. Gem. v. J. Stieler (München, Stadtmus., Maillinger Bilderchronik);
    Kreidezeichnung v. F. Krüger, 1835, Abb. in: W. Weidmann, Franz Krüger, 1927.

  • Autor/in

    Joachim Wilcke
  • Empfohlene Zitierweise

    Wilcke, Joachim, "Hagn, Charlotte von" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 494-495 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118544772.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hagn *)Zu S. 704.: Charlotte v. H., Schauspielerin, geboren in München am 23. März 1809, daselbst am 23. April 1891, war die Tochter eines bairischen Beamten, der ihr eine gute Erziehung angedeihen ließ. Schon in ihren Mädchenjahren zeigte sich bei den Kinderaufführungen, an denen sie sich betheiligte, ihre große Begabung für die Bühne. Sie selbst kannte damals kein|größeres Verlangen, als zur Bühne zu gehen, fand aber für ihren Plan bei ihrem Vater energischen Widerstand. Dennoch wußte es die Hofschauspielerin a. D. Marianne Lang, geb. Boudet, durchzusetzen, daß sie seiner Tochter dramatischen Unterricht ertheilen durfte. Nach vierjähriger Vorbereitung betrat Charlotte am 29. August 1826 als Afanasia in Kotzebue's „Grafen Benjowsky“ die Bühne des bairischen Hoftheaters, der sie seitdem bis zum Jahre 1833 angehörte. Weshalb sie damals ihr Verhältniß zur Münchener Bühne eigenmächtig löste, obwol sie sich großer Beliebtheit im Publicum erfreute und von ihren Collegen, unter denen sich Künstler wie Eßlair, Vespermann und Sophie Schröder befanden, mit Rath und That unterstützt wurde, ist nicht recht klar. Der Tod ihres Vaters, der sich selbst entleibte, eine unglückliche Neigung zu einem Prinzen und die durch einen Zufall verscherzte Gunst des Königs Ludwig I. sollen, wie man damals munkelte, sie zu diesem Schritt bestimmt haben. Sie wandte sich an Berlin, wo sie, nach einem zwanzigmaligen Auftreten als Gast, engagirt wurde. Diesen Wechsel hatte sie nicht zu beklagen, da ihr wahrer Ruhm erst in Berlin begründet wurde und von dort aus sich auch nach dem Auslande verbreitete. Besonders erfolgreich war ihr Gastspiel am Wiener Hofburgtheater, an dem sie im J. 1835 in dreiundzwanzig Gastrollen ihr Talent als naiv-sentimentale Liebhaberin, namentlich in Conversationsstücken, bewährte. Aehnliche Triumphe erzielte sie bei ihrem Auftreten in Petersburg, Hamburg, Leipzig und Pest. Ihre seltene Schönheit und Anmuth mögen dazu beigetragen haben, die Begeisterung, die sie überall erweckte, zu verstärken. Keiner hat sie mehr gefeiert, als Gustav zu Putlitz. Er erklärte sie für „die glänzendste Erscheinung im deutschen Lustspiel“ und meinte, daß sie „vielleicht die einzige deutsche Schauspielerin gewesen sei, die es vermocht hätte, sich auch in Paris eine glänzende Künstlerlaufbahn zu erringen, um neben einer Mars, sicher neben einer Madeleine Brohan Triumphe zu feiern“. Trotz ihrer Vorliebe für ihren theatralischen Beruf vermählte sie sich im März 1846 mit dem Gutsbesitzer Alexander von Oven, aber wiewol die Ehe bereits im J. 1851 gelöst werden mußte, betrat sie die Bühne nie wieder, da eine lange, lähmende Krankheit die Erfüllung ihres Wunsches unmöglich machte. Sie lebte seitdem einige Jahre auf einem Landgute in Schlesien, zog sich dann nach Gotha zurück und verbrachte ihre letzten Jahrzehnte in ihrer Vaterstadt München.

    • Literatur

      Vgl. Biographisches Taschenbuch deutscher Bühnen-Künstler und Künstlerinnen. Hrsg. von L. v. Alvensleben. II. 1837. Leipzig o. J. S. 56—61. — Illustrirte Zeitung, Leipzig 1846. VII. Bd. Nr. 162. S. 93. — J. V. Teichmann's Litterarischer Nachlaß, hrsg. von Franz Dingelstedt. Stuttgart 1863. S. 176. —
      G. zu Putlitz, Theater-Erinnerungen. Berlin 1874. 1. Bd. S. 234—236. —
      Ed. Wlassack, Chronik des k. k. Hof-Burgtheaters. Wien 1876. S. 196. —
      Franz Grandaur, Chronik des kgl. Hof- und Nationaltheaters in München. München 1878. (Register.) — C. Schiffer und C. Hartmann, Die kgl. Theater in Berlin. Berlin 1886. (Register.) —
      Deutscher Bühnen-Almanach. 56. Jahrgang. Hrsg. von Th. Entsch. Berlin 1892. S. 320—322. —
      1892. Neuer Theater-Almanach. Hrsg. von der Gesellschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger. 3. Jahrg. Berlin 1892. S. 91. —
      Friedrich Haase, Was ich erlebte. 1846—1896. Berlin, Leipzig, Wien, Stuttgart o. J. S. 55. —
      Lebenserinnerungen von Agnes Wallner. Bearbeitet von Hans Blum. Berlin 1900 (Register). — Ludwig Eisenberg's Großes Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig 1903. S. 383, 384.

  • Autor/in

    H. A. Lier.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lier, Hermann Arthur, "Hagn, Charlotte von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 49 (1904), S. 776-777 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118544772.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA