Lebensdaten
1627 bis 1661
Geburtsort
Ilmenau (Thüringen)
Sterbeort
Rostock
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 120102153 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Großgebawr, Theophil
  • Großgebaur, Theophil
  • Großgebauer, Theophil
  • mehr

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Zitierweise

Großgebauer, Theophil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120102153.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Theophil, Bgm. v. I.;
    M N. N.;
    Rostock 1650 Margaretha ( 1661), T d. Johs. Stein (1579–1663), Pastor an St. Nicolai u. Senior d. geistl. Min. in R., Poeta laureatus, u. d. Margarethe (T d. David Lobeck, Prof. d. Theol. in R.);
    3 S, 3 T, u. a. Joh. Valentin, Prof. u. Rektor.

  • Leben

    G. besuchte die Lateinschulen in Rudolstadt, Arnstadt und Stralsund, studierte Theologie in Rostock und wurde dort 1650 unter dem Vorsitz von August Varenius zum Magister Artium promoviert und in die theologische Fakultät aufgenommen. Er zeichnete sich besonders als Hebraist und Kenner rabbinischer Kommentare zum AT aus. An der Kirche Sankt Jacobi wurde er Diaconus. Unter seinen Schriften ragt die „Wächterstimme aus dem verwüsteten Zion“ (Rostock 1661, 21682) hervor, ein praktisch-kirchlicher Reformvorschlag mit starken calvinistischen Akzenten, der der Kirchenordnung, der Verfassung, der Kirchenzucht die entscheidende Abhilfe der Mißstände zutraut. Sein „Praeservatif wider die Pest der heutigen Atheisten“ (Frankfurt/M. 1661, 21682) verteidigt gegen die seit der Renaissance eingedrungene Skepsis gegenüber der christlichen Botschaft und Überlieferung die Zuverlässigkeit und Gültigkeit der Bibel und erblickt im Atheismus eine vorwiegend römisch-katholische Erscheinung. Sein „Treuer Unterricht von der Wiedergeburt“ (Frankfurt/M. 1661, 21682) rückt die Wiedergeburt anstatt der Rechtfertigung in die Mitte des christlichen Glaubens und versteht sie stark mystisch als die Ruhe Gottes in der Seele des Menschen. Vor allem in den praktischen Forderungen nahm er vieles vorweg, was der Pietismus zu seinen Anliegen machte, etwa die Kirchenzucht, die Ernstnahme der Beichte als Selbstprüfung, die Zurückdrängung des Sakraments, die Konfirmation als selbständige Entscheidung für Gott ohne die Gesamtkonzeption des Pietismus vorwegzunehmen.

    Die Tatsache, daß Herzog Hans Albrecht von Mecklenburg-Güstrow 1621 zum evangelisch-reformierten Glauben übergetreten war, begünstigte G.s Vorliebe für diese Kirche. Im mittelbaren Zusammenhang damit steht seine Aufmerksamkeit auf englisches (anglikanisches und puritanisches) kirchliches Schrifttum. So übersetzte er 1661 vor allem Joseph Halls Buch „The Olde Religion“ (London 1628), das der Auseinandersetzung mit der römisch-katholischen Kirche gewidmet ist, und schloß seine „Wächterstimme …“ mit einem Auszug aus dem „Book of Common Prayer“ ab.

  • Werke

    Weitere W 26 Predigten üb. d. Epistel Pauli an d. Epheser, hrsg. v. Joh. Val. Großgebauer (S) (mit Vorrede v. Ph. J. Spener), Frankfurt/M. u. Leipzig 1689;
    Dissertationes De jure primogeniturae, De politia Nazaraeorum.

  • Literatur

    ADB IX;
    G. Craesus (Croese), Hist. Quakeriana Libri III, 2Amsterdam 1694, S. 540;
    Ph. J. Spener, Erzehlung dessen, was wegen d. sog. Pietismi in Dtld. vorgegangen, Frankfurt/M. 1697, S. 37;
    G. H. Götze, Elogia theologorum Germanorum II, Lübeck 1709, S. 285 ff.;
    J. G. Walch, Hist. u. theolog. Einl. in d. Rel.streitigkeiten d. Ev.-luth. Kirche IV, Jena 1739, S. 1066-69;
    Heinr. Schmid, Gesch. d. Pietismus, 1863, S. 9-21;
    O. Krabbe, Heinr. Müller u. s. Zeit, 1866, S. 187-209;
    H. Leube, Die Reformideen in d. dt. luth. Kirche z. Z. d. Orthodoxie, 1924, S. 74 f.;
    K. Holl, Die Bedeutung d. großen Kriege f. d. rel. u. kirchl. Leben innerhalb d. dt. Protestantismus, in: Ges. Aufsätze z. KG III: Der Westen, 1928, S. 325 f., 345;
    Martin Schmidt, Speners Pia Desideria, in: Theologia Viatorum III, 1951, S. 95-100.

  • Portraits

    Kupf. v. C. Romstedt (Dresden, Kupf.kab.).

  • Autor/in

    Martin Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Martin, "Großgebauer, Theophil" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 153 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120102153.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Großgebauer: Theophil G., auch Großgebaur, Großgebawr geschrieben, geboren zu Ilmenau in Thüringen 1626 oder 1627, wurde 1653 im October zum Diaconus der Jacobikirche in Rostock erwählt, am 22. November vom Herzoge bestätigt, am 8. Juli 1661. Am 24. October 1650 wurde er von Varenius zum Mag. artium promovirt und gleichzeitig in die philosophische Facultät zu Rostock aufgenommen, wo er auch theologische Collegia las; er galt als tüchtiger Theolog und Hebräer, auch als Kenner der rabbinischen Commentare. Durch seine Kanzelberedtsamkeit war er von solchem Einfluß, daß er das gesammte, sonst so streng lutherische geistliche Ministerium Rostocks zur Empfehlung seines, einzig bei seinen Lebzeiten erschienenen, nachher der Zuneigung zum Calvinismus bezichtigten Buches vermochte. Dieses Werk: „Wächterstimme Auß dem Verwüsteten Zion“, 1661, kehrte sich gegen den geringen Einfluß der Predigt und suchte, was ihm sehr übel genommen wurde, die Schuld theils in den Predigern, theils in der Gemeindeverfassung und der Kirchenzucht. Er verwarf das von der lutherischen Kirche gehaltene, von Luther verworfene Schlüsselamt, wollte von Beichte und Absolution nichts wissen, forderte dagegen ein Laien-Presbyterium und sehr eingehende Kirchenbeaufsichtigung der Gemeindeglieder und strenge Kirchenzucht. Mit jenem näherte er sich thatsächlich der calvinistischen Kirchenverfassung. Hinsichtlich der Zucht kann man ihn einen Vorläufer Zinzendorf's nennen, in seinen religiösen Anschauungen dagegen den Philipp Jacob Spener's. Auf letzteren hat er ohne Frage durch seine Schrift lebhaft eingewirkt, denn derselbe hat noch 27 Jahre nach Großgebaucr's Tode eine empfehlende Vorrede zu dessen 26 Predigten geschrieben, die 1698 sein Sohn, der Güstrower Prediger M. Johannes Valentin G., herausgab. Ueber die „Wächterstimme“ hat auf Großgebauer's Wunsch auch die Rostocker theologische Facultät ein Gutachten gegeben, welches recht vorsichtig gehalten ist. O. Krabbe, der noch neuerdings 1866 es für angezeigt hielt, gegen das Auftreten und einen Theil der Lehre Großgebauer's zu polemisiren, gibt an, daß der Facultät actenmäßig der „Unterricht von der Wiedergeburt“ nicht mit vorgelegt sei. G. war einer der ersten in den protestantischen Kirchen, welche eine Erneuerung des Taufbundes durch eine Confirmation, d. h. eine Wiederaufnahme der Firmung in entsprechender protestantischer Weise, forderten. Schwachen Leibes ist er schon im 35. Jahre gestorben; vermählt war er mit Margaretha ( 4. Juli 1661), einer Tochter des Rostocker Pastors zu St. Nicolai, Poeta laureatus M. Johannes Stein (Diaconus 1616—64, Pastor 1664, 1683).

    • Literatur

      Das Parentationsprogr. von Laur. Bodock ist abgedruckt in Goetzii Elogia theol. Germ. II. S. 285. Rostocker Etwas IV. S. 380. Die weiteren Quellen und Nachweise: O. Krabbe, Heinrich Müller und seine Zeit, Rostock 1866, S. 187 ff. Doch setzt Krabbe den Todestag auf den 6. Juli1661.

  • Autor/in

    Krause.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krause, "Großgebauer, Theophil" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 750-751 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120102153.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA