Lebensdaten
1734 bis 1828
Geburtsort
Marschalkenzimmern bei Sulz/Neckar
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe ; Konsistorialrat ; Bearbeiter des württembergischen Gesangbuchs ; Schulreformer
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 116835117 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Griesinger, Georg Friedrich
  • Griesinger, Georg Friedrich von
  • Griesinger, Georg Friedrich
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Zitierweise

Griesinger, Georg Friedrich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116835117.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Gg. (1698–1777), Mag., Pfarrer in M., dann in Erdmannshausen, S d. Hans Gg., Sattler, Heiligenpfleger u. Ratsverwandter in Münsingen, u. d. Jakobina Christina Walter;
    M Joh. Dorothea Käuffelin (1703–77);
    Stuttgart 1767 Henriette Christiane (1749–1802), T d. Hofger.-Assessors u. Kirchenrats-Expeditionsrats Wilh. Frdr. Knebel u. d. Christiana Barbara Korn (T d. Christoph Heinr. Korn, 1688–1764, GR u. Kirchenratsdir.); Ur-Gvm d. Ehefrau Michael Graß (1657–1731), Prof. d. Rechte in Tübingen (s. ADB IX);
    4 S.

  • Leben

    G. besuchte die Lateinschule in Kirchheim unter Teck, dann die Klosterschulen in Bebenhausen und Blaubeuren und kam 1753 ins Evangelische Stift in Tübingen. Er studierte zunächst Mathematik und Physik (1755 Magister), dann Philosophie, vor allem bei dem Wolffianer G. Ploucquet, und Theologie. 1758 erschien seine „Dissertatio academica, qua decentia restabilitionis generis humani ex idea entis summi et mundi physici ac pneumatici rationaliter explicatur“. Nach kurzer Vikariatszeit und nach zweijähriger Bildungsreise wurde G. 1761 Repetent in Tübingen (De commodis angelorum bonorum ex opere redemtionis commentatio, erschienen 1766), 1764 nach Aufgabe akademischer Pläne Vikar an verschiedenen Stuttgarter Stadtkirchen, 1783 Stadtpfarrer an Sankt Leonhard, ein wegen seiner Belesenheit beliebter Prediger, der auch die neuere Dichtung (Gellert, Klopstock, Cramer und andere) auf die Kanzel brachte und an den sogenannten Tübinger Summarien für gottesdienstliche Lesungen (1786) mitarbeitete. 1786 wurde G. Prälat und Oberkonsistorialrat und damit bis 1822 ein gelegentlich angefeindetes Mitglied des Konsistoriums, in dessen Auftrag er im Anschluß an eingeholte Gutachten das neue württembergische Gesangbuch (1791) bearbeitete, wobei er den „Fortschritten, welche die deutsche Sprache und Dichtkunst in neuerer Zeit gemacht“, bewußt breiten Raum gab, aber ohne rationalistische Tendenz. Für den Unterricht empfahl er erfolglos den Braunschweiger Katechismus. G. sorgte auch für Reformen im Volksschulwesen und förderte die Realschulen. Mit 88 Jahren trat G. zurück, ohne die Arbeit im Konsistorium ganz aufzugeben. 1824 erschien auf eigene Kosten „Die Bibel, nach den neuesten besten deutschen Übersetzungen mit Inhaltsangaben“ (unter Benutzung von Michaelis, Mendelssohn, Gesenius, de Wette und anderen, sogar von K. F. Bahrdt). Als philosophisch von Chr. Wolff und Leibniz, später auch von Kant beeinflußter Eklektiker gehört G. noch zum Württembergischen Supranaturalismus auf der Linie von G. Ch. Storr und F. G. Süskind, entwickelte sich aber seit seinen bibelkritischen Schriften immer mehr zu einem gemäßigten Rationalisten, der die Offenbarung dem Urteil der Vernunft unterstellt.|

  • Auszeichnungen

    Abt v. St. Georgen (1791), D. theol. (Tübingen 1799).

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Pflicht e. Christen, s. Traurigkeit bei d. Sterben naher Anverwandter zu mäßigen, 1769;
    Die Guttätigkeit gegen d. Armen, 1771;
    Gründe u. Mittel wider d. allzugroße Furcht vor d. Gewittern, 1774;
    Einl. in d. Schrr. d. neuen Bundes, 1799;
    Die Authentie d. alttestamentl. Schrr., 1804;
    Über den Pentateuch, 1806;
    Neue Ansicht d. Aufsätze im Buche Daniel, 1815;
    Prüfung d. gemeinen Begriffs v. d. übernatürl. Ursprung d. prophet. Weissagungen, 1818 (vertritt das f. G. eigentüml. Theologumenon: Gott konnte als zeitlos die Propheten nicht sukzessiv in der Zeit inspirieren);
    Theologia dogmatica, 1825;
    Initia theologiae moralis, 1826.

  • Literatur

    ADB IX;
    Ch. Kolb, Die Aufklärung in d. württ. Kirche, 1908, S. 81 ff., 113 ff.;
    E. Schmid, Prälat G., in: Bll. f. württ. KG, NF 44, 1940, S. 106-42;
    H. Hermelink, Gesch. d. ev. Kirche in Württemberg, 1949;
    RGG.

  • Autor/in

    Ernst Wolf
  • Empfohlene Zitierweise

    Wolf, Ernst, "Griesinger, Georg Friedrich von" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 64 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116835117.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Griesinger: Georg Friedrich G., Theolog, geboren am 16. März 1734 zu Marschalkenzimmern bei Sulz a. N., gestorben in Stuttgart am 17. April 1828. Seit 1766 Geistlicher an mehreren Kirchen Stuttgarts, 1786—1822 wirkliches und dann bis zu seinem späten Tode noch thätiges Ehrenmitglied des Consistoriums — war G. unter den württembergischen Theologen, die sich in Wissenschaft und Kirchenleitung einen Namen gemacht haben, der einzige Vertreter des Rationalismus seiner Zeit, in der Heimat als Aufklärer, besonders als Urheber des Kirchengesangbuchs von 1791, viel angefochten, dagegen von dem Neuwürttemberger J. G. Pahl (Denkwürdigkeiten aus meinem Leben, S. 416 ff.) und von Paulus (Sophronizon, VI. 78) lebhaft vertheidigt. Von seinen Schriften verdienen erwähnt zu werden: sein Antheil an den zum Vorlesen in der Kirche amtlich herausgegebenen „Summarien“, Auslegung des Evangeliums Johannis. 1786, und seine „Bibel nach den neuesten Uebersetzungen mit Einleitungen und Inhaltsanzeigen“, 1824.

  • Autor/in

    J. Hartmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hartmann, Julius, "Griesinger, Georg Friedrich von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 667 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116835117.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA