Lebensdaten
1842 - 1925
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Gewerkschafter ; Politiker
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 120865807 | OGND | VIAF: 30377960
Namensvarianten
  • Greulich, Hermann
  • Greulich, Herman

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Zitierweise

Greulich, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120865807.html [09.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Gottlob;
    M Rosine Franzke;
    Zürich-Hirslanden 1867 Johanna (1849–1921), T d. Heinr. Fürchtegott Kaufmann in Kreuznach u. d. Julie Nachtheim;
    8 K.

  • Leben

    In bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, begann G. 1856 eine Handschuhmacherlehre, die er wegen eines Augenleidens aufgeben mußte; so wandte er sich dem Beruf des Buchbinders zu und begab sich 1862 auf die Wanderschaft, die ihn nach Böhmen und Mähren, Österreich, Bayern und dann nach Reutlingen führte, das damals eine Hochburg des Liberalismus war. Von dort aus trat er an der Seite von F. A. Lange und August Bebel für das allgemeine direkte Wahlrecht ein. – Mit 23 Jahren kam G. nach Zürich, wo er anfänglich in den Kreisen der deutschen Handwerksburschen für die Bildung von Gewerkschaften warb, dann aber mit Karl Bürkli, dem Führer der Demokratischen Bewegung und des Grütlivereins und Förderer des Genossenschaftswesens, in enge Fühlung trat. Die beiden gründeten 1867 in Zürich gemeinsam eine Sektion der „Internationalen Arbeiter-Association“. In den 1860er Jahren wurden unter G.s Einfluß Gewerkschaften der Schneider, Metallarbeiter, Buchbinder, Färber, Schuhmacher und Zimmerleute gegründet, von denen jede aber vorübergehend wieder erlosch. Das Wesen der sozialistischen Agitation war der Schweizer Arbeiterschaft anfänglich fremd, was zum Teil darauf zurückzuführen ist, daß auch in den größeren Betrieben noch ein patriarchalisches, und zwar meist gutes Verhältnis zwischen den Betriebsinhabern und der Arbeiterschaft herrschte.

    1869 rief G. die erste sozialistische Zeitung der Schweiz, das Wochenblatt „Zürcher Tagwacht“, ins Leben, das er anfänglich mit einem Monatsgehalt von 30-40 Franken redigierte, teilweise sogar selbst setzte und druckte. Ins Jahr 1873 fällt die Gründung des Schweizerischen Arbeiterbundes, der zusammen mit dem Schweizerischen Grütliverein eine Petition für den Zehnstundentag einreichte. Als ein sichtbarer Erfolg von G.s Wirken kann die Annahme des schweizerischen Fabrikgesetzes in der Volksabstimmung vom 21.10.1877 bezeichnet werden. G. verfocht es in Wort und Schrift. Die schweizerische Fabrikgesetzgebung stand damals in der Welt einzig da. – G. litt schwer unter der Wirtschaftskrise von 1880. Er mußte sich mit untergeordneter Arbeit durchbringen, erhielt dann aber eine Beschäftigung beim Kantonalen Statistischen Amt, dessen Leitung ihm bald darauf übertragen wurde. Zunächst bearbeitete er die Ergebnisse der Volkszählung von 1880. Seine späteren statistischen Werke, die als Grundlagen für die Sozialpolitik des Gemeinwesens dienen sollten, befaßten sich mit Unfallstatistik, mit Arbeitslosenunterstützung und Arbeitsnachweis, mit Lohnstatistik und Heimarbeit.

    Als 1887 der Schweizerische Arbeiterbund gegründet wurde, übernahm G. das Amt des Schweizerischen Arbeitersekretärs, das er bis zu seinem Tod innehatte. In dieser Eigenschaft übte er auf die gesamte Arbeiterbewegung, ihre Organisation, Publizität und politische Arbeit einen großen Einfluß aus. Er war Mitgründer der sozialdemokratischen Tageszeitung „Volksrecht“ in Zürich. Zu Stadt und Land hielt er ungezählte Vorträge und erwarb sich dadurch ein unbestreitbares Verdienst um den Aufbau der Sozialdemokratie in der Schweiz. – Neben dem sozialen Wirken ging eine lebhafte parlamentarische Tätigkeit einher; sie begann 1890 im Kantonsrat von Zürich, 1892 wurde er ins städtische Parlament und 1902 in den Nationalrat gewählt. Diese Ämter bekleidete er mit geringen Unterbrechungen bis zu seinem Tode.

    Im Gegensatz zu manchen Vertretern der Arbeiterpolitik besaß G. den praktischen Sinn für das Mögliche. Wo er konnte, trat er den Extremisten entgegen; wie er in den 70er Jahren den Anarchismus bekämpfte, wandte er sich 1917 in der Schrift „Das bolschewistische Regime“ gegen die 3. Internationale; er hatte auch keine Beziehung zu Lenin gefunden, der in den Jahren 1915/17 in Zürich lebte. Doch konnte G. die Abspaltung der religiös orientierten Arbeiterschaft von der sozialistischen Gewerkschaftsbewegung nicht verhindern.

  • Literatur

    Franz Schmidt, H. G., 1935;
    E. Nobs, H. G., 1942;
    E. Weckerle, H. G., 1947.

  • Autor/in

    Hans Rudolf Schmid
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmid, Hans Rudolf, "Greulich, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 53 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120865807.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA