Lebensdaten
1825 bis 1877
Geburtsort
Willingshausen Kreis Ziegenhain (Hessen)
Sterbeort
Hannover
Beruf/Funktion
Anglist ; Germanist ; Mathematiker ; Naturwissenschaftler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119210576 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Grein, Christian Wilhelm Michael
  • Grein, C. W. M.
  • Grein, C.W.M.
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Zitierweise

Grein, Christian Wilhelm Michael, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119210576.html [20.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1792–1875), v. Schwertzellscher Rentmeister, S d. Johannes u. d. Anna Cath. Hoos;
    M Friederike (1785–1868), T d. Conr. Ludw. Lentulus, Kaufm. u. Gürtlermeister in Neukirchen Kr. Ziegenhain, u. d. Marie Johannette Wießel;
    Ov Franz Karl Anton (1800–72), preuß. Geh. Oberpost- u. Kammergerichtsrat in Berlin, Mitarbeiter u. jur. Berater Heinr. Stephans;
    Johanne Stoeckenius.

  • Leben

    G. studierte 1844-49 in Marburg und Jena Mathematik und Naturwissenschaften und hörte germanistische Vorlesungen bei Franz Dietrich. 1850-54 unterrichtete er am Gymnasium in Rinteln. 1854 wurde er Praktikant an der Bibliothek in Kassel, um sich ganz germanistischen Studien widmen zu können. 1856-59 war er mit der Ordnung des Gesamtarchivs in Bückeburg betraut. 1858 wurde er in Marburg promoviert und erhielt 1859 eine Stelle an der dortigen Universitätsbibliothek. 1862 habilitierte er sich in Marburg für Germanistik. 1864 wurde er zum Sekretär, 1865 zum Archivar und Mitglied der Direktion des kurfürstlichen Haus- und Staatsarchivs zu Kassel ernannt. 1870 kehrte er|durch Verlegung des Kasseler Archivs nach Marburg zurück und nahm seine Vorlesungen wieder auf. 1873 erfolgte die Ernennung zum außerordentlichen Professor der Universität Marburg. 1876 wurde er an das Archiv in Hannover versetzt.

    Obwohl G. Professor der Germanistik war und auch auf diesem Gebiet arbeitete, liegt seine Bedeutung in den Arbeiten zur altenglischen Philologie. Seine wissenschaftliche Leistung kann nur aus der Situation der anglistischen Forschung seiner Zeit richtig verstanden werden. Textausgaben der altenglischen Literatur waren damals nicht vorhanden oder nur schwer zugänglich, Texterklärung, Kritik und Lexikographie erst spärlich entwickelt. Durch Herausgabe der „Bibliothek der angelsächsischen Poesie“ (2 Bände, 1857 f.) schuf G. hier Abhilfe und ermöglichte dadurch die Entfaltung der altenglischen Forschung in Deutschland. Einen grundlegenden Beitrag zur Erforschung der altenglischen Sprache leistete G. durch seinen „Sprachschatz der angelsächsischen Dichter“ (1861/64, Porträt). Mit seinen Übersetzungen sorgte er für die Verbreitung der Kenntnis angelsächsischer Dichtung. Gegen G., dessen berufliche Tätigkeit seine Forschung stark behinderte und der keine Gelegenheit hatte, die Handschriften in England einzusehen, wurde der unberechtigte Vorwurf des Dilettantismus erhoben. Zu einer Zeit, in der es noch keinen anglistischen Lehrstuhl in Deutschland gab, legte G. als Forscher, Herausgeber und Übersetzer die Grundlage, auf der sich die deutsche Anglistik entfalten konnte.

  • Werke

    Weitere W u. a. Übers. d. angelsächs. Gedichtes Phoenix, Rinteln 1854 (Beil. z. Gymnasialprogr.);
    Der Heliand od. d. angelsächs. Evangelienharmonie, stabreimend übers., 1854;
    Dichtungen d. Angelsachsen, stabreimend übers., 1857-59;
    Das Hildebrandslied nach d. Hs. neu hrsg., kritisch bearb. etc., 1858;
    Ablaut, Reduplikation u. sekundäre Wurzeln d. starken Verba im Deutschen, 1862;
    Die hist. Verhältnisse im Beowulfliede, in: Eberts Jb. IV, 1862;
    Beowulf nebst d. Fragmenten v. Finnsburg u. Valdere, 1867;
    Die Qu. d. Heliand, nebst Tatians Evangelienharmonie, 1869;
    Bibl. d. angelsächs. Prosa I, 1872;
    Das got. Verbum, in sprachvgl. Hinsicht dargest., 1872;
    Das Alsfelder Passionsspiel, mit Wb. hrsg., 1874.

  • Literatur

    ADB IX;
    R. P. Wölker, in: Anglia 1, 1878, S. 349-54 (W);
    E. Schröder, in: Lb. aus Kurhessen u. Waldeck I, 1939, S. 111-14 (W, L).

  • Portraits

    in: F. Behrend, Gesch. d. dt. Philol. in Bildern, 1927, S. 69

  • Autor/in

    Wolfgang Weiß
  • Empfohlene Zitierweise

    Weiß, Wolfgang, "Grein, Christian Wilhelm Michael" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 34 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119210576.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Grein: Christian Wilhelm Michael G., geboren am 16. October 1825 zu Willingshausen, Kreis Ziegenhain in Kurhessen, studirte 1844—49 in Marburg und Jena Mathematik und Naturwissenschaft, nebenher auch Germanistik. Nachdem er ein paar Jahre Lehrer der Naturwissenschaften gewesen, wandte er 1854 sich ganz der Germanistik zu. 1857 erschien der erste Band der „Bibliothek der angelsächsischen Poesie“. 1859 kam G. an die Bibliothek von Marburg, 1862 habilitirte er sich daselbst, 1864 wurde er Secretär, 1865|Archivar am kurfürstlichen Haus- und Staatsarchiv zu Kassel. Mit der Verlegung dieses Archivs nach Marburg 1870 kehrte er dorthin zurück und eröffnete wieder seine Vorlesungen. 1873 wurde er Professor. Doch bald darauf begann G. zu kränkeln und starb, nachdem er noch 1876 nach Hannover versetzt worden war, daselbst am 15. Juni 1877. Seine Hauptwerke sind: „Bibliothek der angelsächsischen Poesie", 4 Bde., 1857—64. „Dichtungen der Angelsachsen, stabreimend übersetzt", 1857—59. „Das Hildebrandslied", 1858. „Beowulf nebst Finnsburg und Valdere", 1867. „Die Quellen des Heiland“, 1869. „Bibliothek der angelsächsischen Prosa“, I. Bd., 1872. „Das gothische Verbum“. 1872. „Das Alsfelder Passionsspiel“, 1874.

  • Autor/in

    Wülcker.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wülcker, Ernst, "Grein, Christian Wilhelm Michael" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 634-635 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119210576.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA