Lebensdaten
1832 bis 1921
Geburtsort
Grünberg (Schlesien)
Sterbeort
Bornim (Brandenburg)
Beruf/Funktion
Astronom
Konfession
lutherische Familie
Normdaten
GND: 118692062 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Foerster, Wilhelm Julius
  • Förster, Wilhelm
  • Foerster, Wilhelm
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Zitierweise

Foerster, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118692062.html [16.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich ( 1873, s. Einl.);
    M Hulda (1812–42), T d. Joh. Frdr. Seydel, Kaufm. u. Weinhändler in G., verschaffte dem als sauer verschrieenen Grünberger Wein in Norddtld. Geltung;
    Stief-M Albertine, Schw d. Karl Frdr. v. Hahn (1795–1865), preuß. Gen. d. Inf., Generalinspekteur d. Art. (s. ADB X; Priesdorff VI, S. 238-41, P);
    B Aug. (s. Einl. u. Gen. 1), Friedrich (s. Einl.);
    Schw Hulda ( Louis Großmann, 1821–77, Zuckerfabr. in New York, dann Tuchfabr. in G.);
    1868 Karoline (1849–1908), T d. H. C. Frdr. Paschen (1804–73), Geh. Kanzleirat, Astronom u. Geodät in Schwerin; Schwager Karl Paschen (1835–1911), Admiral, Chef d. Marinestation d. Nordsee (s. BJ 16, Tl. 1911, L);
    3 S, 2 T, u. a. Frdr. Wilh. (1869-1966), Päd., Philos., Pazifist, Karl (1874-1970), Dr. h. c, Blumenzüchter, Gartengestalter;
    N Fritz s. (1), Max s. (2), Frdr. Paschen ( 1947), Spektralphysiker.

  • Leben

    F. entstammte einem von wahrer Humanität erfüllten Vaterhaus, das von größtem, nachhaltigstem Einfluß auf die geistige und ethische Entwicklung des Sohnes war, der 1850 unter J. F. Enckes Leitung in Berlin das Studium der Astronomie begann, es 1852 in Bonn unter F. W. A. Argelander fortsetzte und bereits 1854 promovierte. In den folgenden 50 Jahren entfaltete er an der Sternwarte Berlin sowohl als Assistent (1855-63) wie als interimistischer und definitiver Direktor (1863 beziehungsweise 1865-1903) eine außergewöhnlich vielseitige, umsichtige und weit über die Fachgrenzen seiner Wissenschaft hinausreichende Tätigkeit. Seine wissenschaftliche Arbeit galt 1855-65 der Beobachtung, Rechnung und Organisation der kleinen Planeten. Als Direktor regte er zu auf höchste Genauigkeit gerichteter Beobachtung am Refraktor, Meridiankreise und an dem nach seinen Angaben gebauten Bambergschen Universal-Durchgangsinstrument, mit dem seinem Observator Küstner die Entdeckung der Polhöhenschwankung gelang, an. Als Inhaber der ersten Astronomenstelle Deutschlands gab er nach der Reichsgründung 1871 durch geschicktes Verhalten Veranlassung zur Gründung des Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, der Sternwarte Straßburg, der Technisch-Physikalischen Reichsanstalt und der Durchführung der Venus-Expeditionen 1874 und 1882. Aus Anlaß der Neuregelung des Maß- und Gewichtswesens im Norddeutschen Bunde wurde F. 1869 Direktor der Normaleichungskommission. 1871 trat er an die Spitze des deutschen Maß- und Gewichtswesens, wobei er in weitester Auffassung seines Amtes organisierend, fördernd, wegweisend gewirkt und damit zur Entwicklung der deutschen Präzisionstechnik wesentlich beigetragen hat. Er setzte es durch, daß die internationale geodätische Kommission den allgemeinen Breitendienst einrichtete, war Mitglied und einflußreichste Persönlichkeit der Permanenten Kommission der „Internationalen Erdmessung“, Mitbegründer der Astronomischen Gesellschaft, der Astronomischen Zentralstelle, der Vierteljahrsschrift der Astronomischen Gesellschaft, des Astronomischen Recheninstitutes und Herausgeber der Berliner Astronomischen Jahrbücher 1867-81.

    Bereits in jungen Jahren gewann F. durch Vorträge die einflußreichsten Berliner Kreise für sich, gründete 1888 in Berlin die „Urania“ als öffentliche Schaustätte für astronomische und kosmische Sehenswürdigkeiten und 1891 die „Vereinigung von Freunden der Astronomie und kosmischen Physik“ mit einer eigenen Zeitschrift. – Um die sozialen Nöte der Zeit zu mildern und die Klüfte im Volks- und Völkerleben durch die Kräfte der Wissenschaft zu überbrücken, gründete F. 1892 die deutsche Gesellschaft für ethische Kultur und führte – oft angefeindet – deren Vorsitz.

  • Werke

    W u. a. Joh. Kepler u. d. Harmonie d. Sphären, 1862;
    Slg. v. Vorträgen u. Abhh., 1887;
    dasselbe, 1890;
    Stud. z. Astronomie, 1888;
    Wiss. Erkenntnis u. sittl. Freiheit, 1896;
    Kal. u. Uhren am Ende d. Jh., 1899;
    Himmelskde. u. Weissagung, 1901;
    Astrometrie, 1905;
    Lebenserinnerungen u. Lebenshoffnungen, 1911.

  • Literatur

    R. Haym, Aus meinem Leben, 1902;
    J. Bauschinger, in: Astronom. Nachrr. 212, 1921, S. 489-94;
    H. v. Seeliger, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1921, S. 38-40;
    J. Plaßmann, in: Hochland 18, I, 1921, S. 634;
    P. Spieß, in: Sirius 54, 1921, S. 81-85;
    R. Penzig, Gedächtnisrede b. d. Trauerfeier|f. W. F., ebd. 54, 1921, S. 154-58;
    P. Guthnick, in: Vjschr. d. astronom. Ges. Leipzig 59, 1924, S. 5-13 (P);
    H. Rademacher, in: Schles. Lb. III, 1928, S. 343-48 (W, L, P);
    Pogg. I, III-V;
    DBJ III (Tl. 1921, W, L).

  • Autor/in

    Willy Jahn
  • Empfohlene Zitierweise

    Jahn, Willy, "Foerster, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 275-276 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118692062.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA