Lebensdaten
1836 bis 1905
Geburtsort
Koblenz
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Agrarpolitiker ; Agrarhistoriker ; landwirtschaftlicher Betriebswirt ; Professor der Landwirtschaft
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119059401 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Goltz, Theodor Alexander Georg Ludwig von der
  • Goltz, Theodor von der
  • Goltz, Theodor Alexander Georg Ludwig von der
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Goltz, Theodor von der, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119059401.html [19.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    B Hermann (s. 2);
    Königsberg/Pr. 1869 Bertha (1838–1901), T d. preuß. Majors Ferd. v. d. Goltz u. d. Therese Gfn. v. d. Goltz;
    1 T.

  • Leben

    Aus der aus seinem Elternhaus ererbten christlichen und sozialen Grundhaltung studierte G. zunächst in Erlangen Rechts- und Staatswissenschaften. Hier fand er den religiösen Kompaß, dem er und seine beiden Brüder lebenslang treublieben. Aus gesundheitlichen Gründen ging G. anschließend in die landwirtschaftliche Praxis (Rheinland, Pommern, Württemberg) und studierte Landwirtschaft in Poppolsdorf (Abschluß 1860). Nachdem er keine Aussicht auf eigenen Besitz hatte, wurde er 1860 Landwirtschaftslehrer an der Ackerbauschule Riesenrodt in Westfalen, wo er auch seine Dissertation schrieb, mit der er 1862 in Leipzig promovierte. Im gleichen Jahr wurde er als Lehrer und Administrator an die Landwirtschaftliche Akademie Waldau in Ostpreußen berufen, die er bis zu ihrer Auflösung (1867–69) leitete. Die Laufbahn G. bezeichnet also das Ende eines Großteils der landwirtschaftlichen Akademien und den Übergang zum eigentlichen landwirtschaftlichen Hochschulstudium. Denn er wurde 1869 auf den neugeschaffenen Lehrstuhl für Landwirtschaft an der Philosophischen Fakultät der Universität Königsberg berufen, den er bis 1885 innehatte. Während seiner ostpreußischen Zeit arbeitete G. intensiv in der Kirche mit, er war unter anderem Mitglied der Provinzial- und Generalsynode. Es folgte ein Ruf nach Jena, wo er bis 1895 blieb, um dann als Professor, Direktor und Geheimrat nach Poppelsdorf zu gehen. Dort wirkte er bis zu seinem Tode. Schon die insgesamt 43jährige Lehrtätigkeit G. (davon 36 Jahre an Hochschulen) wirkte sich fruchtbar aus. Er hatte eine Reihe bedeutender Schüler, darunter Aereboe und Brinkmann, die auch seine unmittelbaren Nachfolger auf dem Poppelsdorfer (dann Bonner) Lehrstuhl wurden. Wenn seine Laufbahn also äußerlich die ununterbrochen harmonische eines Hochschullehrers aus staatstragender Familie in politisch ungestörter Zeit des Königreichs Preußen darstellt, so war sie doch, besonders in seinen jüngeren Jahren, voll Spannungen. Als Landwirtschaftslehrer in Westfalen hatte er sich zuerst den ungefährlichen Problemen des Bildungs-, Organisations- und Genossenschaftswesens zugewandt als dem ersten Schwerpunkt seiner Lebensarbeit. 1872 aber wurde er mit der Auswertung einer Enquête über die Lage der Landarbeiter beauftragt, die aus der Frage entsprang: „Wie ist den arbeitenden Klassen ein, mit dem steigenden Nationalreichtum mitsteigender Lohn zu sichern?“ Von da an bildet die Landarbeiterfrage den zweiten Schwerpunkt der Arbeit G., der nun – obwohl selbst ein Konservativer – wegen seiner sozialen Einstellung heftige Gegnerschaft aus den Reihen seiner Berufs- und Standesgenossen erfuhr. Er ließ sich aber, in ständigem Streben nach sozialer Gerechtigkeit, nicht von seiner sozialpolitischen Linie abbringen. G. schrieb (wie sich inzwischen erwies: irrtümlich) den Ursprung der Landarbeiter als soziale Gruppe in Nordostdeutschland hauptsächlich den Reformen des 19. Jahrhunderts zu, daher formulierte Franz Oppenheimer später das sogenannte Goltzsche Gesetz, wonach die Abwanderung aus agrarischen Bezirken mit dem Anteil der Großbetriebe steigt, mit dem Anteil der bäuerlichen Betriebe fällt. Wenn auch diese aus den Erkenntnissen G. gezogenen Konsequenzen sich als Halbwahrheiten erwiesen, so hat G. selbst „die Landarbeiterfrage als einer der ersten in ihrer ganzen Schwere erkannt“ (S. von Frauendorfer). In den 80er Jahren wandte er sich der eigentlichen Betriebslehre zu und arbeitete am Gleichgewicht zwischen der naturwissenschaftlich-technischen und der wirtschaftlich-politischen Seite der Landwirtschaftswissenschaften. Die Bücher dieser Jahre sind reife, ausgeglichene, zuverlässige Standardwerke. Bei seinem ständigen Bemühen um wissenschaftliche Objektivität auch in Fragen der Agrarpolitik verschloß sich G. nicht den Problemen der Agrarkrise der 90er Jahre, denen er sich mit seiner Krisenschrift (Die agrarischen Aufgaben der Gegenwart, 1894, 21895) stellte. Er versuchte, nach objektiver Erkenntnis der Krisenursachen, Wege zur Lösung zu zeigen. Gerade die Beschäftigung mit der Krise führte den Betriebswirtschaftler G. zwangsläufig tiefer in die Agrarpolitik und damit zum vierten Schwerpunkt seines Wirkens (Agrarwesen und Agrarpolitik, 1899, 21904). Das letzte Werk aber, an dem er nach eigenem Zeugnis mit der größten Liebe gearbeitet hatte, wurde seine Landwirtschaftsgeschichte, die für ein Menschenalter das einzige deutsche Lehrbuch blieb und auf das heute noch zurückgegriffen wird. Als Folge der gegenseitigen Abstützung und Ausrundung von Lebensbahn und Lebenswerk erscheint G. bis heute als Verkörperung des fachlichen Ansehens und der menschlichen Würde der deutschen Landwirtschaftswissenschaft in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die heutige Aufgabe d. landwirtsch. Gewerbes u. s. Wiss., 1870;
    Die ländl. Arbeiterfrage u. ihre Lösung, 1872, 21874;
    Die soz. Bedeutung d. Gesindewesens, 1873;
    Die Lage d. ländl. Arbeiter im Dt. Reich, 1875;
    Landwirtsch. Taxationslehre, 1882, 31903;
    Hdb. d. landwirtsch. Betriebslehre, 1886, 41912;
    Die ländl. Arbeiterklasse u. d. preuß. Staat, 1893;
    Gesch. d. dt. Landwirtsch., 1903–04. - Hrsg.: Hdb. d. ges. Landwirtsch., 1889 f.

  • Literatur

    K. Munier, Th. Frhr. v. d. G., e. Bild s. Lebens u. Schaffens, in: Ber. d. Landwirtsch. Inst. d. Univ. Königsberg 18, Berlin 1921;
    M. Kühner, Frhr. v. d. G., der Betriebswirtschaftler u. Agrarhistoriker, in: Pflügende Hand - Forschender Geist, 1934, S. 149-59 (P);
    S. v. Frauendorfer. Ideengesch. d. Agrarwirtsch. u. Agrarpol. I, 1957, bes. S. 392 ff., 421 ff., 469 ff. (P);
    BJ X, S. 227-34 (W, L u. Tl. 1905, L);
    Altpreuß. Biogr.

  • Portraits

    Bronzebüste (Bonn, Landwirtsch. Fak. d. Univ.). Abb. b. Frauendorfer (s. L).

  • Autor/in

    Heinz Haushofer
  • Empfohlene Zitierweise

    Haushofer, Heinz, "Goltz, Theodor von der" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 635 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119059401.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA