Lebensdaten
1884 bis 1936
Geburtsort
Eldagsen bei Hannover
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Adressiermaschinenfabrikant
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 136047874 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Goldschmidt, Julius

Literatur(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Goldschmidt, Julius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136047874.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Kaufm.;
    M N. N.;
    B Jakob (* 1882), Bankier;
    Erna Bauer;
    2 S, 1 T.

  • Leben

    G. hatte erkannt, daß auch für die Verwaltungen der Wirtschaft und der Behörden nach einer wirtschaftlicheren Arbeitsweise gesucht werden muß, und festgestellt, wie hemmend die handschriftliche Adressierung in den Büros wirkte. In Holland stieß er auf das Metallopreßverfahren, das eine einteilige Metallplatte verwendet, in die die Schrifttypen direkt eingeprägt werden. Dieses Verfahren benützte G. zur maschinellen Adressierung. Aus der Anschriftenplatte entwickelte er in wenigen Jahren ein modernes Organisationsinstrument. Da bei der geprägten, einteiligen Metallplatte der Text auf der Vorderseite in Klarschrift lesbar ist, konnte sie auch als reproduzierbarer Datenträger für dauerhafte Texte verwendet werden. Die|Adreßplatte wurde damit zur selbstdruckenden Kartei-Karte. Die Entwicklung eines Schlüssels zur Kennzeichnung der auf der Platte eingeprägten Angaben durch Metallreiter und Nocken ermöglichte eine Auswahl der abzudruckenden Platten auf elektrischmechanischem Weg. So war durch G. in wenigen Jahren das ADREMA-System geschaffen worden. Es fand schnell Eingang in die Verwaltungen. Die Kommunalverwaltungen und die Post setzten als erste das zeitsparende Verfahren in größerem Umfang ein. Banken, Sparkassen, Versicherungen, Speditionen, Lagerhäuser, Großhändler und viele andere benutzten das System, wenn es galt, gleichbleibende Angaben und Anschriften schnell, richtig und wirtschaftlich in größerer Anzahl niederzuschreiben. 1924 verlegte G. den Betrieb nach Berlin-Moabit. Aus den 16 Beschäftigten von 1914 waren 1930 inzwischen über 1000 geworden. Nach 1918 wurden die ersten Auslandsvertretungen errichtet. Diese solide Basis ermöglichte es G., den Betrieb durch die schwierigen Zeiten der Wirtschaftskrise 1932 hindurchzubringen. Die Rassenpolitik der nationalsozialistischen Regierung verwehrte ihm aber eine weitergehende Entfaltung seiner Unternehmerfähigkeiten. Durch Gründung der ADREMA-Export GmbH versuchte er, auch in dieser schwierigen Zeit sein Lebenswerk zu erhalten. Die politischen Ereignisse zwangen ihn, die Firma 1935 an die Mercedes-Büromaschinenwerke AG in Zella-Mehlis zu verkaufen. Für das Wiederaufleben des ADREMA-Systems nach dem 2. Weltkrieg hatte G. bereits in den zwanziger Jahren die Grundlage geschaffen.

  • Autor/in

    Karl Lattmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Lattmann, Karl, "Goldschmidt, Julius" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 616 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136047874.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA