Lebensdaten
1882 bis 1946
Geburtsort
Braunau/Inn
Sterbeort
Lager Langwasser bei Nürnberg
Beruf/Funktion
Historiker ; Politiker ; Offizier
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118539647 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Glaise, Edmund
  • Glaise-Horstenau, Edmund von
  • Horstenau, Edmund Glaise von
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Glaise von Horstenau, Edmund, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118539647.html [26.09.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Edmund ( 1889), k. u. k. Major, S d. k. k. Rittmeisters Joseph aus lothring., 1806 geadelter Fam.; M Johanna Mittermayer ( 1938) aus bayer. Bierbrauerfam.; ledig.

  • Leben

    Nach dem frühen Tode des Vaters kam G. schon als 11jähriger Knabe auf einen kostenfreien Platz in die Militärschulen. Hatte sich in ihm als Knaben die Neigung zum Priester geregt, die sich bis zu seinem Lebensende in tiefer Religiosität erhielt, so erwachte in ihm als jungem Offizier sehr bald die Vorliebe zu kriegshistorischen Arbeiten, die ihn dem reinen Truppendienst entfremdete. Nach Absolvierung der Kriegsschule wurde er Generalstabsoffizier bei der Salzburger Brigade und kam 1913 als Hauptmann ins Wiener Kriegsarchiv. Bei Kriegsausbruch 1914 stand er zuerst im Stabe der 11. Infanteriedivision, wurde dann Generalstabsoffizier der 88. Kaiserschützenbrigade, deren Kommandant Fürst Schönburg-Hartenstein war. Vom Juni 1915 bis zum Kriegsende war G. im kaiserlich und königlichen Armeeoberkommando Referent für Presse und Politik. Hiebei faßte sein Hang für Politik tiefe Wurzel und blieb wirksam auch über die Zeit seiner 2. Einteilung ins Kriegsarchiv, in dem er 1918-36 (seit 1925 Direktor) tätig war. Während seiner Direktorszeit entstand im Kriegsarchiv das 7bändige amtliche Werk „Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914-1918“ (1930-38). Er selbst schrieb unter anderem das viel beachtete Buch „Die Katastrophe“ über den Zusammenbruch der Donaumonarchie, eine Lebensbeschreibung des Generalstabschefs Graf Beck, eine größere Abhandlung über „Alt-Österreichs Heer im deutschen Schicksal“ (in: G. Nitsche, Österreichs Soldatentum …, 1937, S. 9-24).

    Da G. enge Beziehungen zu deutschnationalen Kreisen hatte, berief ihn Schuschnigg am 11.7.1936 in sein Kabinett als Minister ohne Portefeuille mit der Aufgabe, für die Einstellung der Opposition der österreichischen Nationalsozialisten und für eine Besserung der Beziehungen zu Deutschland tätig zu sein. Durchgreifende Erfolge vermochte G. hiebei jedoch nicht zu erzielen. An der Besetzung Österreichs durch deutsche Truppen war er nur mittelbar beteiligt, obwohl er stets den Anschlußgedanken vertreten hatte. Seine Erwartung, daß Österreich eine weitgehende Autonomie erhalten werde, wurde schwer enttäuscht. Dennoch nahm G. im Übergangsministerium Seyß-Inquart das Amt des Vizekanzlers an und wurde bald deutscher Staatsminister. Gleichzeitig erfolgte seine Ernennung zum Generalmajor.

    Im 2. Weltkrieg versah G. zunächst einige untergeordnete Ämter. Im April 1941 erhielt er aber als „Bevollmächtigter Deutscher General in Kroatien“ eine wichtige militärpolitische Mission und bemühte sich mit Erfolg für die Herstellung guter Beziehungen zwischen Berlin und Agram, trat aber sehr energisch gegen den Rassenkampf zwischen Kroaten und Serben auf, wobei er Zehntausenden von Serben das Leben rettete. Als sich hiebei die Unstimmigkeiten zwischen ihm und dem kroatischen Staatschef Pavelić bis zur Unerträglichkeit steigerten, verließ G. im Spätherbst 1944 Agram. Im April 1945 in Salzburg in amerikanische Gefangenschaft geraten, wurde er vor den Internationalen Militärgerichtshof zu Nürnberg als Zeuge geladen. Aus Besorgnis, nachher einem österreichischen Volksgericht ausgeliefert zu werden, wo ihm ein strenges Urteil drohte, griff er – wenngleich strenggläubiger Katholik – in einer Anwandlung von Kleinmut 1946 zur Giftphiole.

    G. war keine Kraftnatur. Auch lag ihm das Militärische nicht stark im Blute, wenngleich er bis zum General der Infanterie aufgestiegen war. Seine Stärke lag auf schriftstellerischem und diplomatischem Gebiet. Als typischer Kompromiß-Österreicher war er jeder grausamen Gewaltanwendung abhold. Hier überwog seine Menschlichkeit seinen doch stark ausgeprägten Ehrgeiz und sein Geltungsbedürfnis. Obwohl ihm politische Voraussicht in hohem Maße eigen war, hatte er sich doch nicht rechtzeitig aus dem Kreise der Männer um Hitler, der von G. manche freimütige Äußerung ohne Groll entgegengenommen hatte, zu lösen vermocht. Dies war die tiefe Tragik in seinem im allgemeinen doch von Glück begünstigtem Leben.|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (München 1932); korr. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. München u. Wien.

  • Werke

    Weitere W u. a. Tuzla u. Doboj, 1909; Die Tage v. Dresden 1813, 1911; Die Heimkehr Tirols, 1914; Die Division Mesko b. Dresden 1813, in: Streffleurs oesterr. mil. Zs. 52, 1, 1911, H. 2, S. 189-232; mehrere Btrr. in: Der große Krieg, hrsg. v. M. Schwarte, V, Der österr.-ungar. Krieg, 1922, u. in: NÖB; Die Katastrophe, Die Zertrümmerung Österreich-Ungarns u. d. Werden d. Nachfolgestaaten, 1929 (engl. 1930, ital. 1934); Franz Josephs Weggefährte, das Leben d. Generalstabschefs Gf. Beck, 1930; Das Türkenj. 1683 im österr. u. dt. Schicksal, in: Glaube, Kath. u. dt. Volkstum in Österreich, 1933, S. 130-36.

  • Literatur

    K. v. Schuschnigg, Ein Requiem in Rot-Weiß-Rot, 1946; U. v. Hassel, Vom andern Dtld., 1946; Der Prozeß gegen d. Hauptkriegsverbrecher vor d. internat. Militärgerichtshof, Nürnberg 1947–49, Bde. 2, 4, 5, 9, 15-17; Der Hochverratsprozeß gegen Dr. Guido Schmidt, samt Nachtrag, 1947; |Ch. A. Gulick, Österreich v. Habsburg zu Hitler, 5 Bde., 1948; F. Langoth, Kampf um Österreich, 1951; F. Funder, Vom Gestern ins Heute, 1952; Gesch. d. Republik Österreich, hrsg. v. H. Benedikt, 1954; L. Jedlicka, Ein Heer im Schatten d. Parteien, 1955; A. Spitzmüller-Harmersbach,… und hat auch Ursach, es zu lieben, 1955; R. Kiszling, Die Kroaten, 1956; ÖBL (W, L).

  • Portraits

    Phot. (Wien, Österr. Kriegsarchiv).

  • Autor

    Rudolf Kiszling
  • Empfohlene Zitierweise

    Kiszling, Rudolf, "Glaise von Horstenau, Edmund" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 423 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118539647.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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