Lebensdaten
vor 1500 bis 1554
Sterbeort
Nürnberg
Beruf/Funktion
Lautenist
Konfession
katholisch,lutherisch?
Normdaten
GND: 140956174 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gerle, Hans
  • Gerle, Hans der Ältere
  • Gerle, Hans
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Zitierweise

Gerle, Hans der Ältere, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd140956174.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die zahlr. u. schwer zu überblickende Fam. stammt wie viele andere Lautenmacherfam. wahrsch. aus d. Allgäu;
    V (?) Conrad ( 1521), seit 1461 in N. gen., Lautenmacher, s. Instrumente waren weithin geschätzt, 3 Lauten wurden f. d. Hof Karls d. Kühnen erworben (s. ADB IX);
    M (?) Walburga N. N. ( 1546 ?);
    1517 Kunigunde N. N. ( 1555).
    Zur Fam. gehören wohl auch der Lautenmacher Hans Gerle aus Giesberg b. Kempten, 1554 in Nürnberg eingebürgert, u. der Instrumentenbauer Georg Gerle aus Immental b. Füssen, der ab 1565 am Innsbrucker Hof tätig war, seine Nachkommen blieben in Innsbruck.

  • Leben

    G. erlangte ähnlich wie sein gleichzeitig tätiger Mitbürger Hans Neusidler besondere Bedeutung durch die Herausgabe von Lehr- und Spielbüchern für Laute und Streichinstrumente. Sie gehören zu den frühesten und ausführlichsten Zeugnissen dieser Art und sind für unsere Kenntnis der Technik, der Notation und des Repertoires der damaligen deutschen Instrumentalmusik grundlegend. G. notiert seine Werke in der sogenannten deutschen Lautentabulatur und erwähnt als einen seiner Vorgänger in deren Gebrauch den Meister Adolf Plinthamer (Blyndthamer). Im Gegensatz zu einer auf Tappert zurückgehenden irrigen Meinung berichtet er nichts über die Entstehung dieser Notenschrift, widerspricht also auch den Quellen nicht, die Conrad Paumann als deren Erfinder bezeichnen; ebensowenig kann er den von Wagner noch 1514/15 in Nürnberg nachgewiesenen, ihm also wohl noch persönlich bekannten Plinthamer mit dem viel älteren Paumann verwechselt haben.|Einzelheiten des Lebenslaufes von G. sind nicht bekannt; auch die urkundlich festliegenden Daten sind ihm zum Teil nicht mit Sicherheit zuzuordnen.

  • Werke

    Musica Teusch, auf d. Instrument d. großen u. kleinen Geygen, auch Lautten …, Nürnberg 1532, 21537 (etwas verändert u. d. T. Musica Teutsch …). 31546 (stark verändert u. d. T. Musica und Tabulatur);
    Tabulatur auff die Lautten, ebd. 1533 (irrtümlich auch als 2. T. d. Musica Teusch bezeichnet);
    Ein newes sehr künstlichs Lauttenbuch, ebd. 1552 (aus ital. Tabulaturen übertragenes Sammelwerk);
    außerdem sind Abschrr. aus G.s Werken erhalten, jedoch nicht, entgegen MGG, in München, Staatsbibl., Mus.Mss. 1512.

  • Literatur

    ADB IX;
    W. Tappert, Die Lautenbücher d. H. G., in: Mhh. f. Musikgesch. 18, 1886, S. 101;
    M. Greulich, Btrr. z. Gesch. d. Streichinstrumentenspiels im 16. Jh., Diss. Berlin 1934;
    R. Wagner, Wilh. Breitengraser u. d. Nürnberger Kirchen- u. Schulmusik s. Zeit, in: Die Musikforschung 2, 1949, S. 168;
    A. Layer, Die Anfänge d. Lautenbaukunst in Schwaben, ebd. 9, 1956, S. 190 ff.;
    R. Vannes, Dict. universel des luthiers, Brüssel 1951;
    W. Boetticher, in: MGG IV, Sp. 1802-07 (P: Stich, 1532). |

  • Quellen

    Qu.: R. Wagner, hs. Materialien z. Nürnberger Musikgesch., Stadtbibl. Nürnberg.

  • Autor/in

    Kurt Dorfmüller
  • Empfohlene Zitierweise

    Dorfmüller, Kurt, "Gerle, Hans der Ältere" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 306 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd140956174.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gerle: Hans G. Man kennt zwei Künstler dieses Namens, welche während des 16. Jahrhunderts in Nürnberg lebten und die man durch die Bezeichnung Hans G. der ältere und jüngere unterscheidet. Es ist bis jetzt nicht zu bestimmen gewesen, ob sie Söhne des Konrad G. (s. d.) oder ob sie Brüder waren oder ob etwa G. der ältere als Vater des jüngeren G. zu bezeichnen ist. Auch J. K. S. Kiefhaber, welcher in der Leipziger allgemeinen musikalischen Zeitung 1816 (S. 309 ff.) das meiste Material über die Familie G. geliefert hat, konnte diese Frage nicht entscheiden. Beide G. galten als tüchtige Lautenisten und Verfertiger von Lauten, Geigen etc. Aber nur der ältere ist berühmt auch durch seine Lautenbücher geworden. Das erste derselben erschien 1532 unter folgendem Titel: „Musica Teusch, auf die Instrument der großen und kleinen Geygen, auch Lautten, welcher maßen die mit grundt vnd art jene Composicion auß dem Gesang in die Tabulatur zu ordnen und zu setzen ist, sampt verborgener applicacion vnd kunst, darynen ein liebhaber und anfanger berürter Instrument so dar zu lust vnd neygung tregt, on ein sonderliche Meyster mensürlich durch tegliche vbung leichtlich begreiffen und lernen mag, vormals in Truck nye und ytzo durch Hans Gerle Lutinist zu Nurenberg außgangen. 1532. Gedruckt zu Nurembergk durch Jeronimum Formschneyder“. Von diesem interessanten Werke hat sich nur ein Exemplar erhalten, welches im Besitze der königl. Bibliothek zu Berlin ist. Eine Beschreibung desselben enthalten die „Monatshefte für Musikgeschichte“ (Berlin 1871). Das Buch ist von hohem Interesse, da es das erste sehr klar geschriebene Lehrbuch zum Erlernen nicht nur der Lauten, sondern auch der großen und kleinen Geigen ist. Weiteres Interesse erhält dasselbe dadurch, daß es 34 vierstimmige für Geigen übertragene geistliche und weltliche Gesänge enthält, die aus dem 14. und 15. Jahrhundert stammen und sich in Deutschland erhalten hatten. Im J. 1548 erschien, ebenfalls gedruckt bei Formschneyder in Nürnberg, eine zweite Ausgabe dieses Lautenbuches, gleichlautend mit der ersten im Text, aber „Gemeret mit 9 Teutscher und 36 Welscher auch Frantzösischer Liedern, Vnd 2 Mudeten“. 1552 gab G. sen. eine Sammlung Compositionen verschiedener berühmter Meister jener Zeit, in Tabulatur für die Laute gesetzt, unter folgendem Titel heraus: „Eyn Newes sehr Künstlichs Lautenbuch, darinen etliche Preambel, vnnd Welsche Tentz, mit vier stimmen, von den berümbsten Lutenisten, Francisco Milaneso. Anthoni Rotta. Joan Maria Rosseto. Simon Gintzler vnd andern mehr gemacht, vnd zu samen getragen, aus welcher ihn teutsche Tabulatur versetzt, durch Hanßen Gerle den Eltern, Burger zu Nürenberg vormals nie gesehen, noch im Truck außgangen. MDLII.“ Letztes Blatt: „Gedruckt zu Nürenberg bei Jeronimus Formschneyder“. Auch dieses Werk, wie die vorher besprochene zweite Ausgabe des Lautenbuches von 1532 befinden sich im Besitz der königl. Bibliothek zu Berlin und sind beschrieben in den „Monatsheften für Musikgeschichte“ (Berlin 1872). Der 7. Jahrgang derselben Zeitschrift (1875) enthält (Seite 100) aus dem Buche von 1552 einige Tänze in moderner Uebertragung. Gerber im neuen Tonkünstlerlexikon (II. 307) nennt noch folgendes Werk des Meisters: „Lauten-Partien in der Tabulatur. Nürnberg 1530“ in klein längl. Quart. Ein Hans G. soll 1570 gestorben sein, doch ist es nicht zu entscheiden, ob dies das Todesjahr des älteren oder jüngeren ist. Der letztere war nach Walther's musikalischem Lexikon (S. 277) sowol in Geigen als Lauten „von einer schönen proportion, guten Resonanz und mancherley Größen zu machen, auf welchen beyden Instrumenten er auch gar fein spielete, zu seiner Zeit in einer guten Renommée“. Starb ums Jahr 1570; s. Doppelmayrs Histor. Nachricht von den Nürnbergischen Künstlern, p. 291“.

  • Autor/in

    Fürstenau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Fürstenau, Moritz, "Gerle, Hans der Ältere" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 23-24 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd140956174.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA