Lebensdaten
um 1498 bis 1554
Geburtsort
Prag
Sterbeort
Basel
Beruf/Funktion
Philologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 124616453 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ghelen, Sigmund
  • Gelen, Sigmund
  • Ghelen, Sigmund
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Gelen, Sigmund, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124616453.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gregory Hruby, im Hofdienst in P., übersetzte Werke v. Petrarca, Cicero u. Erasmus ins Tschechische;
    N. N.;
    3 S.

  • Leben

    Mit 7 Jahren kam G. unter die Obhut des Prager Domherrn Wenzel von Pisek, der mit seinem Schüler nach Italien zog. G. studierte in Bologna und lernte während eines längeren Aufenthalts in Venedig Griechisch bei M. Musurus. Er bereiste Korsika, Sardinien, Sizilien, erhielt Einblick in die aufgewühlte Welt der italienischen Kleinstaaten und kehrte über Frankreich und Deutschland in seine Heimat zurück. Da sein Vermögen inzwischen zusammengeschmolzen war, hielt er nach dem Tode seines Vaters in Prag eine Zeitlang Privatvorlesungen über griechische Literatur, begab sich dann aber nach Basel (circa 1524), wo er die restlichen Jahrzehnte seines Lebens im Dienste der Frobeniana als unauffälliger Korrektor, Herausgeber und Übersetzer verbringen sollte. Durch seinen kritischen Scharfsinn gewann er sich die Zuneigung des Erasmus, der ihn vorübergehend sogar in seinen Haushalt aufnahm. Der Universität blieb er trotz seiner Immatrikulation fern, und auch eine Einladung Melanchthons, in Nürnberg Griechisch zu lehren, fand bei ihm kein Gehör. – G. gehörte zum Kreis jener stillen, hochgebildeten Gelehrten, die mit ihrem Bienenfleiß die baslerische Buchproduktion des 16. Jahrhunderts in ihrer Vielfalt und Fülle erst möglich machten, deren tieferes Wesen aber hinter dem entsagungsvollen Werk für uns leider noch weitgehend verborgen bleibt. G. hat bloß ein originales Werk hinterlassen, das Lexicum symphonum (Basel 1537, erweitert 1544), in dem er sich um den Nachweis von Affinitäten zwischen dem Griechischen, Lateinischen, Germanischen und den slawischen Idiomen bemüht. Die Zahl der von ihm edierten, zum Teil ins Lateinische übertragenen, zum Teil kommentierten, christlichen und paganen Texte antiker Autoren ist dagegen Legion (s. H. M. Allen, Opus Epistolarum Des. Erasmi Roterodami VI, Oxford 1926, S. 330, Anmerkung 8, Literatur, dazu Verzeichnis in: British Museum General Catalogue of Printed Books 83, London 1961, S. 390-93).

  • Literatur

    ADB VIII;
    R. Wackernagel, Gesch. d. Stadt Basel III, 1924, S. 448 f.;
    Basler Zs. f. Gesch. u. Altertumskde. 43, 1944, S. 17 ff.;
    E. Bonjour, Die Univ. Basel v. d. Anfängen b. z. Gegenwart, 1960 S. 230.

  • Autor/in

    Manfred E. Welti
  • Empfohlene Zitierweise

    Welti, Manfred E., "Gelen, Sigmund" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 173 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124616453.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gelen: Sigmund G. (Ghelen), Philolog, geb. zu Prag 1497, gest. zu Basel 1554. Er stammte aus einer adelichen Familie, die für eine standesmäßige Erziehung des begabten Sohnes beste Fürsorge traf. Zu seiner weiteren Ausbildung wurde er 13 Jahre alt unter einem Hofmeister nach Italien geschickt, wo er in Pavia und Bologna studirte und hierauf einen längern Aufenthalt in Venedig nahm und unter der Leitung des berühmten Markos|Musuros das Griechische gründlich erlernte. Von Venedig aus unternahm er längere Reisen nach den Inseln des griechischen Archipelagus, durch ganz Italien, Frankreich und Deutschland. Der Tod seines Vaters nöthigte ihn endlich zur Rückkehr nach Prag, wo er sich entschloß, da sein Vermögen durch seine langen Reisen stark gelitten hatte, sich ganz der gelehrten Laufbahn zu widmen. Nachdem er eine Zeit lang Privatvorlesungen über griechische Litteratur in Prag gehalten hatte, ging er 1524 nach Basel, wo er mit Erasmus bekannt wurde und sich bestimmen ließ, in die Dienste des berühmten Buchdruckers Froben als Corrector für die griechische, lateinische und hebräische Litteratur einzutreten. In dieser Stellung verblieb er bis zu seinem Tode, wiewol er mehrere vortheilhafte Anträge zur Uebernahme von Lehrstellen, wie z. B. der des Griechischen an der Schule zu Nürnberg auf Melanchthon's Empfehlung, erhalten hatte. An den großen Verdiensten, welche sich die Frobenische Druckerei durch die Veröffentlichung besserer oder ungedruckter Texte um die alte Litteratur erworben hat, hatte G. den wesentlichsten Antheil, und entwickelte eine Thätigkeit, die an die großartige eines Henricus Stephanus erinnert. Er verfaßte die zahlreichen Vorreden der unter seiner Leitung gedruckten Werke; als Kritiker leistete er bei seiner umfassenden Gelehrsamkeit und großem Scharfsinne sehr Bedeutendes, wenn auch die Kühnheit seiner Kritik manchen Tadel erfahren hat. Um die griechischen Schriftsteller zu übergehen, deren Druck er ohne neue handschriftliche Mittel besorgt hat, so gab er einige kleinere geographische Schriften ("Arriani periplus ponti Euxini etc.") aus der Heidelberger Handschrift Nr. 398 mit lateinischer Ubersetzung heraus (1533), und hatte an der ersten Ausgabe des griechischen Textes des Flavius Josephus (Basel 1544) wesentlichen Antheil. Von zahlreichen griechischen Werken sowol der weltlichen als der geistlichen Litteratur lieferte er die damals unentbehrliche lateinische Uebersetzung, wie von Appianus, den 10 ersten Büchern der römischen Archäologie des Dionysios von Halicarnassos, den Werken des Justinus Martyr, des Juden Philon, der Schrift des Origenes gegen Celsus etc. Auf dem Gebiete der lateinischen Litteratur sind zu nennen seine Ausgabe des Ammianus Marcellinus, den er durch Benützung der besten, jetzt verschollenen Handschrift des Klosters Hersfeld bedeutend verbessert und ergänzt hat (Basel 1533), eine Ausgabe des Livius mit Beatus Rhenanus (1535), die an treffenden Verbesserungen reiche Bearbeitung des schwierigen Arnobius (1546) etc. Auch als Lexikograph hat sich G. versucht durch ein vergleichendes Wörterbuch von 4 Sprachen (griechisch, lateinisch, deutsch und böhmisch) mit dem Titel „Lexicon symphonum, quo quatuor linguarum Europae familiarium .. concordia consonantiaque indicatur“, Basel 1537 und 1544. Ein Verzeichniß der Stämme slavischer Zunge „qui lingua Illyrica utuntur“ hat er dem berühmten Conrad Gesner geliefert; s. dessen Mithridates (1555) fol. 54 sq.

    • Literatur

      Ausführlichste Biographie von B. Röse in der Halle'schen Encyklopädie, wo auch die früheren Quellen angeführt sind.

  • Autor/in

    Halm.
  • Empfohlene Zitierweise

    Halm, Karl Ritter von, "Gelen, Sigmund" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 537-538 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124616453.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA