Lebensdaten
1867 bis 1928
Geburtsort
Waldenburg (Schlesien)
Sterbeort
Marburg/Lahn
Beruf/Funktion
Pharmazeut
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118901044 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gadamer, Johannes Georg
  • Gadamer, Johannes G.
  • Gadamer, Johannes
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Gadamer, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118901044.html [17.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Oscar, Fabrikbes.;
    M Anna Puschmann;
    1) 1897 Johanna ( 1904), T d. Maurer- u. Zimmermeisters Hugo Gewiese u. d. Adele Becker, 2) 1905 Hedwig ( 1951), T d. Grubendir. Erich Hellich u. d. Ida Ehlert;
    2 S aus 1), u. a. Hans-Gg. (* 1900), Prof. d. Philos. in Heidelberg.

  • Leben

    Nach Reifeprüfung (1886) und praktischer Apothekertätigkeit, unter anderem bei Wilhelm Danckwortt in Magdeburg, studierte G. seit 1891 bei Ernst Schmidt in Marburg, legte dort 1893 die pharmazeutische Staatsprüfung ab, promovierte 1895 zum Dr. phil. und habilitierte sich 1897. 1902 wurde er als Ordinarius und Direktor des Pharmazeutischen Institutes nach Breslau berufen, 1919 nach Marburg als Nachfolger von E. Schmidt.

    G. hat sich die Identifizierung, Konstitutionsaufklärung und Synthese von Naturstoffen zur Lebensaufgabe gemacht, wobei er vor allem ganze Pflanzenfamilien im Hinblick auf den Alkaloidgehalt, auch in Abhängigkeit von äußeren Bedingungen, wie Standort und Klima, in die Betrachtung zog. In seinen frühen Arbeiten über die wirksamen Bestandteile des schwarzen und weißen Senfs stellte er unter anderem für das Sinigrin und das Sinalbin noch jetzt allgemein anerkannte Formeln auf. 1902 begann er auf Anregung von E. Schmidt mit der Bearbeitung der Corydalisalkaloide, deren Vielzahl er in 3 natürliche Gruppen ordnete, die des Corydalins, des Bulbocapnins und des Corycavins. Er ermittelte die Struktur der Hauptvertreter und ging den genetischen Beziehungen zwischen Corydalis- und Opiumalkaloiden nach. Wichtige Dienste leistete die Diskussion der optischen Eigenschaften, hier wie anderwärts, etwa bei der Konstitutionsaufklärung des Kantharidins, des wirksamen Bestandteils der spanischen Fliege. Untersuchungen über Solanaceenalkaloide führten zur Aufstellung der Formeln für Skopolin und Skopolamin, die G. erfolgreich gegen andere Meinungen verteidigte. Besondere Erfolge der Experimentierkunst waren die Synthesen des Glaucins und des Aporphins, des Grundkörpers vieler Papaveraceenbasen. Als Lehrer betonend, daß angesichts der technischen Entwicklung nicht die Arzneimittelherstellung, sondern die -prüfung Hauptaufgabe der Apotheken werde, hat G. eine große Anzahl von Methoden zur Wertbestimmung pharmazeutischer Präparate, besonders zur Bestimmung von Alkaloiden, ausgearbeitet, unter anderem die Anwendung des Mercuriacetates als mildes, exakt dosierbares Oxydationsmittel in der Alkaloidchemie. Als Gerichtschemiker hat G. in dem „Lehrbuch der chemischen Toxikologie“ (1909, 21924) ein Standardwerk der forensischen Chemie geschaffen. Seit 1915 Mitglied des Reichsgesundheitsrates, war er wesentlich an der Bearbeitung der|6. Auflage des Deutschen Arzneibuches (61928) beteiligt.|

  • Auszeichnungen

    Geh. Reg.Rat (1916); Dr. med. h. c. (Breslau 1927).

  • Werke

    Weitere W u. a. Über d. Bestandteile d. schwarzen u. d. weißen Senfsamens, in: Archiv d. Pharmacie 235, 1897, S. 44-114;
    Über Corydalisalkaloide, ebd. 240, 1902, S. 19-52, S. 81-113, 241, 1903, S. 630-34, 243, 1905, S. 147-97 (mit O. Haars), 248, 1910, S. 681-95, 249, 1911, S. 503-10, S. 598-637 (mit F. Kuntze);
    Konstitution d. Kantharidins, ebd. 252, 1914, S. 609-32;
    Über d. r-Corydalin, ebd. 254, 1916, S. 295-305 (mit W. Klee);
    Konstitution d. Corydalins, ebd. 259, 1921, S. 245-49 (mit F. v. Bruchhausen);
    Btrr. z. Kenntnis d. Scopolins, ebd. 259, 1921, S. 110-35 (mit F. Hammer);
    Btrr. z. Kenntnis d. Corycavins u. Protopins, ebd. 260, 1922, S. 97-137 (mit F. v. Bruchhausen);
    Synthese d. Aporphins, ebd. 263, 1925, S. 81-99 (mit M. Oberlin u. A. Schoeler). – Mithrsg.: Archiv d. Pharmazie, 1921 ff. – Bearbeiter: Ernst Schmidt, Ausführl. Lehrb. d. pharmazeut. Chemie II, 1, 2, 61923.

  • Literatur

    F. v. Bruchhausen, in: Apotheker-Ztg. 42, 1927, S. 381-83 (W, P);
    Nekr., ebd. 43, 1928, S. 466 f. (P);
    H. Beckurts, H. Thoms u. P. Siedler, in: Archiv d. Pharmazie u. Berr. d. Dt. Pharmazeut. Ges. 266, 1928, S. 273-76;
    W. Schulemann, in: Zs. f. angew. Chemie 41, 1928, S. 487 f.;
    C. Mannich, in: Berr. d. Dt. Chem. Ges. 61, Abt. A, 1928, S. 80-82;
    E. Späth, in: Österr. Chemikerztg. 31, 1928, S. 89 f.;
    H. Schwarz, in: Süddt. Apotheker-Ztg. 68, 1928, S. 254 f.;
    Pogg. IV-VII a.

  • Autor/in

    Berthold Peter Anft
  • Empfohlene Zitierweise

    Anft, Berthold Peter, "Gadamer, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 11 -12 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118901044.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA