Lebensdaten
1528 bis 1592
Geburtsort
Augsburg
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
kurpfälzischer Kanzler ; Jurist
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 11564167X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eheim, Christoph von
  • Oheim, Christoph von
  • Ohm, Christoph von
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Zitierweise

Ehem, Christoph von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11564167X.html [19.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus Augsburger Patrizierfamilie: V Christoph ( 1537, ev.), Kaufherr in Augsburg, Urenkel des Thomas Öhem ( 1486), Kaufherr in Augsburg, aus der Weberzunft;
    M Anna ( 1535, ev.), T des Ulrich Rehlinger ( 1547), 1521-35 Bgm. zu Augsburg, u. der Ursula Gossenbrot;
    1) Augsburg 24.10.1552 Maria ( 1571), T des Kaufm. Christoph Würsung in Augsburg, 2) Augsburg 3.10.1571 Susanna, T des Kaufherrn Gg. Kötzer u. der Ursula Rehlinger;
    2 S, u. a. Siegmund, kurpfälzischer Oberamtmann zu Böckelheim;
    E Joh. Bernh. (1587–1657), franz. Gen.Lt., Letzter dieser Linie.

  • Leben

    Nach Studium der Philosophie, Jurisprudenz und Medizin in Antwerpen, Straßburg und Padua wurde E. 1552 in Tübingen immatrikuliert, soll dort philosophische Vorlesungen gehalten haben und wurde von dem Bucer und Herzog Christoph von Württemberg nahestehenden Kurfürsten Ottheinrich von der Pfalz zum Kirchenrat und zum Professor der Rechte an der Universität Heidelberg ernannt. Diese Hochburg der Scholastik“ verwandelten der Altkanzler Christoph Prob und E. 1557/58 auf Befehl ihres Kurfürsten unter Verwendung eines Gutachtens und mündlicher Ratschläge Melanchthons in eine „lutherische Landesuniversität“ und arbeiteten die neuen Universitätsstatuten vom Dezember 1558 aus. Unter Ottheinrich stand E. aber noch im Schatten des allmächtigen Kanzlers Erasmus von Minckwitz und erreichte erst unter dem calvinistischen Friedrich III. von der Pfalz den Höhepunkt seiner Bedeutung. Seit 1574 bekleidete E. das Amt des kurpfälzischen Kanzlers, das er – nach vorübergehender Gefangenschaft unter dem lutherischen Kurfürsten Ludwig (1577) – auch zu Beginn der Regentschaft des calvinistischen Johann Casimir innehatte, in dessen Fürstentum E. schon seit 1578 als Kanzler wirkte, bis er in Peter Beutterich einen einflußreicheren Rivalen erhielt. Kurz vor seinem Tode erlebte E. die umstrittene Regierungsübernahme seines dritten calvinistischen pfälzischen Landesherren, des jungen Kurfürsten Friedrich IV., und gehörte als Geheimer Rat noch dessen Oberrätekollegium an, das – in Wiederaufnahme evangelischer Bündnispolitik des Schmalkaldischen Bundes (wenn auch in anderer Mächtegruppierung) und in Fortsetzung bisheriger kurpfälzischer Religionsbündnisbestrebungen besonders seit dem Frankfurter Tag vom Juni 1557 (Kurpfalz, Württemberg, Hessen, Baden, Pfalz-Simmern, Nassau und andere) – eine evangelische Unionspolitik trieb, die zu der Heilbronner Verbindung vom 16.3.1594 (Kurpfalz, Pfalz-Zweibrücken, Brandenburg-Ansbach, Baden-Durlach, Administrator von Magdeburg) und später zu der „Union“ evangelischer Reichsstände vom 4.5.1608 führte, besonders verfochten von leitenden kurpfälzischen Räten wie Christian von Anhalt und Ludwig Camerarius. E. kann mit Recht als einer der einflußreichsten Mitarbeiter bei der Neugründung der Universität Heidelberg von 1557/58, als „Hauptinitiator der offiziellen Calvinisierung der Pfalz“ und als „Mitgründer der pfälzischen Unionspolitik“ gelten.

  • Werke

    De principiis juris libri septem, Basel 1556.

  • Literatur

    ADB V;
    P. Stetten, Lebensbeschr. z. Erweckung u. Unterhaltung bürgerl. Tugenden II, Augsburg 1782, S. 361-83 (Biogr. E.s);
    K. A. Muffat, Die Verhh. d. prot. Fürsten 1590-91 z. Gründung e. Union, 1865;
    M. Ritter, Gesch. d. Dt. Union, 2 Bde., 1867-73;
    A. Kluckhohn, Briefe Friedrichs d. Frommen …, 2 Bde., 1868-72;
    ders., Friedrich d. Fromme, Churf. v. d. Pfalz, 1877;
    F. v. Bezold, Briefe d. Pfalzgf. Joh. Casimir …, 3 Bde., 1882, 1884, 1903;
    M. Brandt, Joh. Kasimir u. d. pfälz. Pol. in d. J. 1588-92, Diss. Heidelberg 1909, bes. S. 23, 32 ff., 97;
    B. Zierenberg, Pfalzgf. Joh. Kasimir u. s. Beziehung z. Köln. Kriege, Diss. Münster 1918, bes. S. 19 f., 23, 58 ff.;
    H. Leube, Kalvinismus u. Luthertum I, 1928, bes. S. 22 ff.;
    D. Cunz, Die Regentschaft d. Pfalzgf. Joh. Casimir i. d. Kurpfalz 1583-92, Diss. Frankfurt/M. 1934;
    W. Köhler, Ph. Melanchthon u. d. Reform d. Univ. Heidelberg 1557, in: Neue Heidelberger Jbb. 1937;
    F. H. Schubert, Ludw. Camerarius, = Münchener Hist. Stud., Abt. Neuere Gesch. I, 1955, bes. S. 31 f.;
    B. Kurze, Kf. Ott Heinrich 1556-59, in: Schrr. d. Ver. f. Ref.gesch. Nr. 174, 1956;
    E. Fabian, Die Entstehung d. Schmalkald. Bundes u. s. Vfg., = Schrr. z. Kirchen- u. Rechtsgesch. 1, 1956;
    Schottenloher.

  • Autor/in

    Ekkehart Fabian
  • Empfohlene Zitierweise

    Fabian, Ekkehart, "Ehem, Christoph von" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 342 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11564167X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ehem: Dr. Christoph E. (irrthümlich auch Eheim, Oheim, Ohm) stammte aus einer Patricierfamilie der Stadt Augsburg, wo er am 24. März 1528 geboren wurde. Seine Studien, die er erst zu Antwerpen, dann auf den Universitäten zu Straßburg und Padua verfolgte, erstreckten sich auf Jurisprudenz, Philosophie und Medicin. Er wirkte dann mit gutem Erfolg in Tübingen als philosophischer, in Heidelberg als juristischer Professor. Otto Heinrich von der Pfalz, dem er seine sieben Bücher „De principiis iuris“ (Basel 1556) widmete, ernannte ihn zu seinem Rath und übertrug ihm das Directorium des Kirchenraths. Sein Einfluß stieg unter Friedrich III., dessen kirchlichen Neuerungen er sich völlig anschloß; er vertrat in dem Streit der Reformirten über die Kirchenzucht die streng calvinische Richtung gegen die „Erastianer“ und in der Politik die Solidarität des deutschen und außerdeutschen Protestantismus. Er erscheint als pfälzischer Gesandter auf den meisten Reichstagen (1559, 1566, 1567) und ständischen Versammlungen und vermittelte namentlich die Beziehungen der Pfalz zu Kursachsen, bis der Sturz der dortigen Kryptocalvinisten auch ihm die dauernde Ungnade des Kurfürsten August zuzog. Für die auswärtige Politik der Pfalz, die er hauptsächlich bestimmte, wurde mehr und mehr der Gedanke einer großen protestantischen Union und die unbedingte Opposition gegen Habsburg maßgebend. Als er nach Polen geschickt wurde, um mit den Gesandten der anderen Kurfürsten die Wahl des Erzherzogs Ernst zu befürworten, wirkte er insgeheim für Heinrich von Anjou, er nahm sogar vorübergehend den Plan auf, die Kaiserkrone an Frankreich zu bringen, und der französische Unterhändler ist hocherfreut über die guten Dienste dieses „ennemy criminel de la maison d'Austriche“. Seit 1574 bekleidete er das Amt des Kanzlers, aber nach Friedrichs Tod wurde er von dessen lutherischem Nachfolger abgesetzt und sogar wegen einer für Johann Casimir, den zweiten Sohn, günstigen Veränderung des kurfürstlichen Testamentes verdächtigt und in Haft genommen (April 1577). Nach der Aussöhnung der Brüder befreit trat er in die Dienste Johann Casimirs als Kanzler (März 1578 — October 1584); doch konnte er seine frühere politische Bedeutung gegenüber dem beherrschenden Einfluß des Dr. Beuterich nicht behaupten. Nur einmal noch, auf dem Augsburger Reichstag von 1582, spielte er als Hauptvertreter des Pfalzgrafen eine hervorragende Rolle; um ihn schaarte sich die protestantische Opposition im Fürstenrath und er knüpfte gleichzeitig mit den unzufriedenen Reichsstädten geheime Beziehungen an. Vor den Kaiser citirt, wies er die Beschuldigungen seiner Gegner energisch zurück und vertrat die Rechtmäßigkeit seiner Opposition. Im nächsten Jahre wirkte er für die Sache des Kurfürsten Gebhard von Köln und nachmals bethätigte er sich eifrig bei der Wiedereinführung des Calvinismus in der Kurpfalz. Seit 1585 war er als Rath und Diener für das Fürstenthum Johann Casimirs angestellt. Er starb|als geheimer Rath des Kurfürsten Friedrich IV. zu Heidelberg, am 1. Juni 1592, während der Hochzeitsfeier seines Sohnes. Wir dürfen ihn als einen Mitbegründer der pfälzischen Unionspolitik und der deutsch-reformirten Kirche bezeichnen.

    • Literatur

      Welch. Adamus, Vitae Germ. Jure consultorum, p. 312—315. — Einzelne Briefe Ehem's gedr. bei Groen van Prinsterer, Archives I, 4, 337 und Kluckhohn, Briefe Friedrichs des Frommen, Bd. V.

  • Autor/in

    v. Bezold.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bezold, Gustav von, "Ehem, Christoph von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 693-694 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11564167X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA