Lebensdaten
erwähnt 1500, gestorben 1535
Geburtsort
Eger
Sterbeort
Joachimsthal (Erzgebirge)
Beruf/Funktion
katholischer Theologe ; Humanist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118688146 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Wildenauer, Johannes Sylvius (eigentlich)
  • Wildnauer, Johannes Sylvius (eigentlich)
  • Sylvius, Johannes
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Orte

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Zitierweise

Egranus, Johannes Sylvius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118688146.html [25.05.2017].

CC0

Egranus (eigentlich Wildenauer), Johannes Sylvius

Theologe und Humanist, aus Eger, 11.6.1535 Joachimsthal (Erzgebirge).

  • Leben

    E. bezog im Sommersemester 1500 die Universität Leipzig, wo er 1507 Magister wurde und in den folgenden Jahren als Dozent wirkte. Danach scheint er sich in Süddeutschland aufgehalten zu haben und mit Erasmus von Rotterdam in Verbindung gekommen zu sein. 1517 wurde er Prediger an der Marienkirche zu Zwickau, wo er bald wegen des Annenkultes in heftige Auseinandersetzungen und 1520 mit Thomas Müntzer in persönliche Streitigkeiten geriet. 1521 ging er als erster evangelischer Prediger nach Joachimsthal und blieb dort wahrscheinlich bis 1523. Anschließend weilte er unstet bei Erasmus in Basel, bei Pirckheimer in Nürnberg, 1524 als Pfarrverweser in Kulmbach, 1526 in Sagan und 1530 in Chemnitz. 1533/34 kehrte er nach Joachimsthal zurück. Nachrichten über unsittlichen Lebenswandel und Trunksucht entbehren der Grundlage. – Er stand anfangs Luther nahe, mit dem zusammen ihn 1520 die päpstliche Bannandrohung traf. Doch entfernten sich die beiderseitigen Standpunkte je länger je mehr, da E. gegen Luther caritas stärker als fides bewertete und seine Hinneigung zu Erasmus ihn vom Luthertum wegführte. Er trat wohl für eine Reformation der Kirche ein, diese sollte sich aber im Rahmen der Kirche selbst vollziehen und ihre Einheit nicht zerstören. So stand er als ein mit Papsttum und Luthertum Zerfallener zwischen den Fronten.

  • Werke

    Apologetica responsio contra dogmata …, Wittenberg 1518; Johannis Silvii Egrani contra calumniatores suos Apologia …, Nürnberg 1519 (beide betr. d. Annenkult); Ein Sermon v. d. beicht u. wie einer seiner Sünde mag gelosen, Leipzig 1522; Ein christl. Unterricht v. d. Gerechtigkeit d. Glaubens u. v. guten Werken, ebd. 1534.

  • Literatur

    ADB V; O. Clemen, J. S. E., in: Mitt. d. Altertumsver. f. Zwickau, H. 6, 1899, S. 1-39, H. 7, 1902, S. 1-32; P. Wappler, Thomas Müntzer in Zwickau u. d. „Zwickauer Propheten“, in: Wiss. Beil. z. Jahresber. d. Realgymnasiums Zwickau, Ostern 1908, S. 7 ff.; Schottenloher (unter Sylvius).

  • Autor

    Karlheinz Blaschke
  • Empfohlene Zitierweise

    Blaschke, Karlheinz, "Egranus, Johannes Sylvius" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 341 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118688146.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Egranus, Johannes Sylvius

  • Leben

    Egranus: Joh. Sylvius E., eigentlich Johannes Wildenauer (Wildnauer). Sein Geburtsjahr unbekannt. Er findet sich seit 1517 als Prediger (concionator, nicht Pfarrer) an der Haupt- und Pfarrkirche zu St. Marien zu Zwickau, wo er 1518 mit einem seiner Vorgänger, dem damaligen Leipziger Professor Hieronymus Dungersheim (s. d.), über die Legende von der heil. Anna in Streit gerieth, indem er gegen die kirchliche Annahme von den drei Ehemännern derselben und ihren Töchtern, den drei Marien, zuerst in Predigten, dann in einer Apologie auftrat. Hierdurch kam er in brieflichen Verkehr mit Luther und neigte damals so sehr zu ihm, daß Eck in der Bannbulle ihn als Anhänger Luther's namhaft machte. Als im J. 1520 Thomas Münzer sein College an derselben Kirche wurde und E. aufs entschiedenste seinen Lehren von der Kanzel aus widersprach, kam es zu einem erbitterten Kampfe zwischen beiden, in welchem E. endlich weichen mußte, da sein Lebenswandel seinen Gegnern zu viele Blößen bot. Er ging als|Pfarrer nach Joachimsthal, wo er nach einiger Zeit seines unsittlichen Lebens wegen abgesetzt wurde und in Folge seiner Trunksucht am 11. Juni 1535 seinen Tod fand. Mit Luther war er schon seit 1522 zerfallen. Nicht ohne Gelehrsamkeit und wissenschaftlichen Sinn gehört E. zu denjenigen Theologen, welche die neue Bewegung nur vom Standpunkt des Humanismus aus beurtheilten. Die diplomatische Zurückhaltung des Erasmus, den er weit über Luther stellt, sagte ihm mehr zu als die Entschiedenheit der auf dem Wege innerer Erfahrung gewonnenen Glaubenszuversicht Luther's, für die er kein Verständniß hatte.

    • Literatur

      Einige Briefe von ihm, sein Glaubensbekenntniß von der Rechtfertigung, ein Verzeichniß seiner Schriften bei Weller, Altes aus allen Theilen d. Gesch. I. S. 177 ff. II S. 779 ff. Ueber sein Leben s. Seidemann, Thomas Münzer. 1842. Schmidt, Nicolaus Hausmann. 1860. Herzog, Chronik von Zwickau II.

  • Autor

    Th. Kolde.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kolde, Theodor, "Egranus, Johannes Sylvius" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 692 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118688146.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA