Lebensdaten
1879 bis 1961
Geburtsort
Krefeld
Sterbeort
Berlin-Pankow
Beruf/Funktion
Geologe ; Bodenkundler
Konfession
-
Normdaten
GND: 118755935 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stremme, Hermann Gustav Andreas
  • Stremme, Hermann
  • Stremme, Hermann Gustav Andreas
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Zitierweise

Stremme, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755935.html [20.07.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1854–97), Kaufm.;
    M Elise Casteeli (1848–1933);
    1912 Antonie (1882–1961), Dr. phil., Geol., seit 1901 Mitgl. d. Bundes Dt. Bodenreformer, 1915–18 wiss. Assistentin am Inst. f. Mineral. u. Geol. d. TH Danzig, Gründerin u. Leiterin d. Wirtschaftsbundes Danziger Hausfrauen e.V., Mitgl. d. Vfg.gebenden Verslg. u. Abg. im „Volkstag“ (Parlament) d. Freistaates Danzig, T d. Eberhard Täuber (* 1841), Eisenbahnbetriebsing. in B., u. d. Rosalie Lewin (* 1855);
    1 S Helmut (1916–2009), Geol., Bodenkundler, Dir. d. Geol. Landesamtes v. Schleswig-Holstein in Kiel, apl. Prof. an d. Univ. Kiel, Paläopedologe, 1993 Ehrenmitgl. d. Dt. Bodenkundl. Ges. (s. L), 1 T Hildegard (* 1914).

  • Leben

    Nach dem Abitur am Krefelder Realgymnasium studierte S. seit 1898 in Bonn, seit 1899 in Berlin Naturwissenschaften und wurde dort 1903 mit der Dissertation „Zur Kenntnis der wasserhaltigen Aluminiumsilikate“ bei dem Chemiker Otto Ruff (1871–1939) zum Dr. phil. promoviert. Als Assistent des Geologen Wilhelm v. Branca (1844–1928) wirkte er an der Untersuchung in Ostafrika geborgener Saurierknochen mit und habilitierte sich 1908 mit einer Arbeit über Kaolinbildung an der Univ. Berlin für Geologie und Mineralogie ( 1912 Tit.- Prof.). S. behielt seine Assistentenstelle bei v. Branca und legte 1914 seine Untersuchung über „Die Verbreitung der klimatischen Bodentypen in Deutschland“ vor. Bereits 1909 stellte S. fest, daß aus tieferen Erdschichten aufsteigendes Kohlendioxid zu einer starken Verwitterung des Deckgebirges führt. Der Geologe und Agrarwissenschaftler Albert Orth (1835–1915), Professor und Gründungsrektor der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin, und der international renommierte russ. Bodenkundler Konstantin Glinka (1867–1927), dem S. bei der dt. Übersetzung seines Lehrbuches|„Die Typen der Bodenbildung“ (1914) half, begeisterten ihn für die Bodenkunde. S. engagierte sich auch in dem von Adolf Damaschke (1865–1935) gegründeten „Bund Deutscher Bodenreformer“. 1914 wurde er Direktor des mineralogisch-geologischen Instituts der TH Danzig. 1915–18 leistete er als Wehrgeologe Kriegsdienst, während seine Frau ihn in der Lehre vertrat. Während der 1920er Jahre führte er Diplomstudiengänge für Angewandte Geologie und für Landwirtschaft ein, und hatte mithin neben Mineralogie, Geologie und Paläontologie auch Bodenkunde zu lehren (Rektor 1928/29).

    Als Forscher widmete S. sich nun überwiegend der landschaftsbezogenen Bodenkunde. Er untersuchte die Böden des Freistaates Danzig und erstellte groß- und kleinmaßstäbliche Karten, aus denen er Bewertungen für verschiedene Landnutzungen ableitete. Die dabei gewonnenen Erfahrungen legte er in seinem Werk „Grundzüge der praktischen Bodenkunde“ (1926) dar. In den 1930er Jahren folgten entsprechende Karten des Dt. Reiches, wobei seine Schüler die Kartierarbeit leisteten und später zu Leitern der Bodenabteilungen dt. Geologischer Landesämter aufstiegen (u. a. Wilhelm Hollstein, Paul Friedrich Frhr. v. Hoyningen-Huene, Eduard Mückenhausen, Eberhard Ostendorff, Max Sellke und Willi Taschenmacher). 1924 war S. Mitbegründer der „Internationalen Bodenkundlichen Gesellschaft“ in Rom und übernahm die Koordination der Erstellung von Bodenkarten Europas im Maßstab 1 : 10 Mio. (1927) und farbig 1 : 2,5 Mio. (1937). Hierfür schuf er in Anlehnung an die „russ. Schule“ eine „biogenetische Bodensystematik“, d. h. eine Gliederung in Waldböden, Steppenböden, Moore usw. 1940–45 oblag S. zusätzlich die Leitung der bodenkundlichen Abteilung der Landeskundlichen Forschungsstelle des Reichsgaus Danzig-Westpreußen mit Boden- und Grundwassererhebungen v. a. in Westpreußen, die in einer Schriftenreihe publiziert wurden.

    S.s internationale Reputation veranlaßte die UdSSR, ihn 1946 von Danzig nach Ostberlin umzusiedeln, wo S. ein „Institut für Bodenkartierung“ der Sowjetzone bzw. der DDR aufbauen sollte. Unter seiner Leitung wurden Bodenkarten erstellt, die Angaben u. a. zur Erosionsgefährdung oder der Be- oder Entwässerungsbedürftigkeit enthielten. Die Ergebnisse wurden in einer von ihm 1951 begründeten Schriftenreihe „Bodenkunde und Bodenkultur“ nebst vielen Karten veröffentlicht. 1959 wurde er von der Leitung des Instituts entbunden.

  • Auszeichnungen

    A Ehrenmitgl. d. Dt. Bodenkundl. Ges. (1954); korr. Mitgl. d. Dt. Ak. d. Landwirtsch.wiss. Berlin (1954); Vaterländ. Verdienstorden d. DDR (1958).

  • Werke

    W Art. „Bodenkartierung“ u. weitere bodenkundl. Btrr. in: E. Blanck (Hg.), Hdb. d. Bodenlehre, 10 Bde., 1930–32;
    Die Böden d. DDR, 1950, mit farbiger Bodenkarte 1 : 1 000 000.

  • Literatur

    L W. Kasch, in: Die Dt. Landwirtsch. 4, 1953, S. 564 f.;
    H. Schlegel, ebd. 12, 1961, S. 304 f.;
    F. Scheffer, in: Zs. f. Pfanzenernährung, Düngung u. Bodenkde. 65, 1954, S. 1 (P);
    H. E. Stremme, in: Geohist. Bll. 4, 2001, S. 65–86 (P);
    Biogr. Hdb. Pflanzenbau;
    Gerber, Persönlichkeiten Land- u. Forstwirtsch.;
    H.-P. Blume u. R. Horn (Hg.), Persönlichkeiten d. Bodenkde. II, 2010 (W-Verz., P);
    Pogg. VI–VII; – zu Antonie Täuber-Stremme:
    B. A. R. Mohr u. A. Vogt, Berliner Geowissenschaftlerinnen an d. Friedrich-Wilhelms-Univ. v. 1906 bis 1945, eine Fallstudie, in: Fossil Record 6, 2008, S. 53–69 (P); – zu Helmut:
    H.-P. Blume u. H. Finnern, in: Schrr. d. Inst. f. Planzenernährung u. Bodenkde. d. Univ. Kiel 85, 2010, S. 45–80 (P).

  • Autor/in

    Hans-Peter Blume
  • Empfohlene Zitierweise

    Blume, Hans-Peter, "Stremme, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 541-542 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755935.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA