Lebensdaten
erwähnt 859, gestorben 873
Beruf/Funktion
Erzbischof von Salzburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 135668638 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Adalwin
  • Adalwin, Erzbischof
  • Adalwin, Salzburg, Erzbischof
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Zitierweise

Adalwin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135668638.html [26.09.2018].

CC0

  • Leben

    A. ist vor allem durch seine Stellung in der Slavenmission von Bedeutung. Seit den Avarenkriegen Karls des Großen war Pannonien Salzburger Missionsgebiet. A. weihte dort insgesamt 12 neue Kirchen, nahm die bisher an Landbischöfe vergebene kirchliche Leitung Kärntens wieder in eigene Hand und förderte die Christianisierung der Mähren, in deren Gebiet er schon als Missionar die erste uns bekannte Kirche in Neutra (Slovakei) geweiht hatte. Einen schweren Rückschlag erlitten seine Bestrebungen durch die Tätigkeit der Missionare Konstantin (Cyrillus) und Methodius, welche dem Nationalgefühl und Selbständigkeitsstreben der Mähren durch Verwendung der Volkssprache im Gottesdienst entgegenkamen. Als dieses Vorgehen des Brüderpaares nicht nur die Billigung des Papstes Hadrian II. fand, sondern schließlich Methodius auf Bitten des Slavenfürsten Chozel, dessen Gebiet um den Plattensee Salzburger Missionsland war, 870 in Rom zum Erzbischof für Mähren und Pannonien geweiht wurde, konnten sich die lateinische Liturgie und der von A. eingesetzte Erzpriester Rihpald im Lande Chozels nicht mehr halten. A. lud hierauf Methodius im Winter 870/71 vor eine Synode der bayerischen Bischöfe, welche Methodius die Bischofswürde absprachen und ihn als Gefangenen zurückhielten. Dem Bestreben A.s, sich hierfür in Rom zu rechtfertigen, verdanken wir wohl die Schrift „De conversione Bagoariorum et Carantaniorum“, eine kulturgeschichtliche Quelle von größtem Wert, die die Verdienste und Rechte Salzburgs in der Slavenmission nachweist. Da aber Papst Johann VIII. sich energisch auf die Seite des Methodius stellte, mußte A. schließlich nachgeben. Sein Tod galt den Anhängern des Methodius als Strafe des Himmels. Pannonien und Mähren waren für den Salzburger und Passauer Sprengel verloren und entglitten immer mehr dem politischen und kulturellen Einfluß des Ostfrankenreiches.

  • Literatur

    E. Dümmler, Gesch. d. ostfränk. Reiches II, 21887, S. 259-64;
    H. Widmann, Gesch. Salzburgs I, 1907, S. 132 ff.;
    Hauck II, S. 713 ff., 721 ff., 815;
    W. Fischer, Personal- u. Amtsdaten d. Erzbischöfe v. Salzburg (798–1519), Diss. Greifswald 1916, S. 32;
    S. Riezler, Gesch. Baierns I, 21927, S. 358, 422 ff., 460;
    A. Jaksch, Gesch. Kärntens I, 1928, S. 88, 93-97.

  • Autor/in

    Kurt Becher
  • Empfohlene Zitierweise

    Becher, Kurt, "Adalwin" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 49 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135668638.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA