Lebensdaten
1678 bis 1721
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Literat ; Publizist
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118532294 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Wahrmund (Pseudonym)
  • Aristobulos (Pseudonym)
  • Eutropius (Pseudonym)
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Zitierweise

Feind, Barthold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118532294.html [20.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Barthold (1633–91), Mag., Schulkollege in H., aus seit d. 14. Jh. nachweisbarem Marschbauerngeschl. d. Alten Landes (Niederelbe);
    M Anna (* 1643), T d. Hamburger Oberalten Detleff Heldt (1589–1659), aus angesehenem Dithmarscher Großbauerngeschl.; ledig.

  • Leben

    Nach dem Rechtsstudium in Wittenberg (1699) und Halle (1703) als Licentiat iuris und Anwalt in Hamburg tätig, doch zwischendurch vielfach auf Auslandsreisen (Frankreich, Italien), hat F., ein geist- und kenntnisreicher, sprachkundiger, aber unruhiger Kopf, im politischen und literarischen Leben seiner Vaterstadt eine bedeutende Rolle gespielt. Das erste erhaltene Werk ist die Satire „Das Lob der Geldsucht“ (Hamburg und Leipzig 1702, 2Köln und Nürnberg 1709). Sein politisch-satirisches Lustspiel „Das verwirrte Haus Jacob“ (Hamburg 1704) hat mit seinen witzigen Schilderungen der Pöbelherrschaft im Jakobikirchspiel das Vorbild für L. Holbergs unsterblichen „politischen Kannegießer“ abgegeben. Es folgten zahlreiche Texte für die damals bedeutende Hamburger opera seria, die sich durch handlungsreiche Dramatik und vertiefte Personencharakteristik auszeichneten. Bemerkenswert sind seine ästhetischen Abhandlungen, unter anderem seine „Gedanken von der Opera“ (in: Deutsche Gedichte, 1. Teil, 1708), in denen er diese gegenüber dem Schauspiel als selbständige Kunstgattung proklamierte. Seit 1705 war er auch Herausgeber der Hamburger „Relationes curiosae“. Durch seine ebenso scharfen wie treffenden Pamphlete, die er als Anhänger der Ratsautorität und eines gemäßigten Pietismus gegen die von der orthodoxen Geistlichkeit aufgestachelte extrem demokratische Partei richtete, erhitzte er die Gemüter derart, dass|die Bürgerschaft in tumultuarischen Verfahren 1707, während F. in Frankreich weilte, die Verbrennung einiger seiner Schriften auf dem ehrlosen Block und seine eigene Stadtverweisung erzwang; 8 Ratsherren, die sich diesen Beschlüssen nicht fügen wollten, wurden ihres Amtes entsetzt. Erst eine kaiserliche Kommission unter Graf Schönborn führte in 4jähriger Arbeit mit Hilfe einer Verfassungsreform eine allgemeine Befriedung durch. F., bis dahin Hauslehrer in Stade, kehrte 1708 nach Hamburg zurück und wurde 1709 völlig rehabilitiert. Während des Nordischen Krieges verhafteten ihn die Dänen als schwedisch Parteigänger auf einer Reise 1717 und gaben ihn erst nach Jahresfrist wieder frei.

  • Werke

    Weitere W Die röm. Unruhe oder d. edelmütige Octavia, Hamburg 1705 (komp. v. R. Keiser);
    Die kleinmütige Selbst-Mörderin Lucretia od. d. Staatsthorheit d. Brutus, ebd. 1705 (komp. v. dems.);
    L'amore ammalato …, ebd. 1708 (komp. v. Ch. Graupner);
    Dt. Gedichte, bestehend in musikal. Schauspielen, Lob-Glückwünschungs- verliebten u. moral. Gedichten, ernst- u. scherzhaften Sinn- u. Grabschrr., Satyren, Cantaten u. allerhand Gattungen, Sammt e. Vorrede v. d. Temperament u. Gemüthsbeschaffenheit e. Poeten u. Gedanken v. d. Opera, 1. T., Stade 1708;
    Julius Caesar, Hamburg 1710;
    Rinaldo, ebd. 1715.

  • Literatur

    ADB VI;
    K. Jacoby, in: Hamburg vor 200 J., 1892, S. 103 ff., 134 ff.;
    H. Ch. Wolff, Die Barockoper in Hamburg 1678–1738, Habil.Schr. Kiel 1942, 1957;
    Hamburg. Schriftst.Lex. II, 1854, S. 281 ff. (W);
    Kosch, Lit.-Lex.;
    Goedeke III, S. 335 f.;
    F. Baake, in: MGG IV, Sp. 7-11 (W, L).

  • Autor/in

    Heinrich Reincke
  • Empfohlene Zitierweise

    Reincke, Heinrich, "Feind, Barthold" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 60 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118532294.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Feind: Barthold F. wurde 1678 in Hamburg geboren. Er besuchte das Johanneum und bezog alsdann 1700 die Universität Wittenberg. Aus dieser Zeit stammen die ersten poetischen Versuche, die uns von ihm erhalten sind, meist Gelegenheitsgedichte, darunter eines auf den bekannten Polyhistor Konrad Samuel Schurtzfleisch, dessen Vorträge ihn besonders angezogen zu haben scheinen. Von Wittenberg wandte er sich nach Halle, wo er um 1702 die Würde eines Licentiaten der Rechte erwarb; alsdann nahm er als Advocat in Hamburg seinen ständigen Aufenthalt, unternahm aber auch mehrmals Reisen ins Ausland. Dabei nahm er lebhaften Antheil an dem bewegten geistigen Leben, das zu Anfang des vorigen Jahrhunderts in Hamburg herrschte; auch mischte er sich einige Male in die Klopffechtereien der hamburgischen Litteraten ein, welche man gewöhnlich als die ersten Anfänge der litterarischen Kritik und Polemik in Deutschland bezeichnet. Seine dichterische Thätigkeit wendete er hauptsächlich der Kunstgattung zu, die in Hamburg mit besonderer Vorliebe gepflegt wurde, der Oper; doch schrieb er auch Epigramme und Gelegenheitsgedichte und übersetzte manches aus fremden Sprachen. Viel bekannter als durch seine poetischen Versuche ist er jedoch durch seine ästhetischen Abhandlungen geworden, in welchen er seine vielseitige Bildung und umfassende Belesenheit, namentlich auch in der französischen und italienischen Litteratur, bekundet; die Dramen Shakespeare's, den er zu einer Zeit erwähnt, als Shakespeare's Name in Deutschland noch fast gar nicht bekannt war, kannte er wahrscheinlich nicht aus eigener Lectüre; er bemerkt blos, daß sie nach einer Aussage des Sir William Temple einen überwältigenden Eindruck auf die Zuhörer machten. Von diesen Abhandlungen ist die „Von dem Temperament und der Gemüthsbeschaffenheit eines Poeten", welche er 1704 als Vorrede zu einer Uebersetzung der Satire „Lob der Gelbsucht“ von dem Holländer van Decker erscheinen ließ, die wichtigste; in ihr sucht er nachzuweisen, daß das cholerische Temperament für den Dichter das geeignetste sei. Freilich wird die Untersuchung in etwas unbeholfener Weise geführt, es läßt sich jedoch nicht leugnen, daß „Ahnungen von dem, was die Poesie eigentlich ist und will, bei ihm hervorbrechen“ (Gervinus). Im übrigen zeigt er sich als begeisterter Verehrer Lohenstein's, er hält jedoch den Schlesiern mit ausgesprochenem landschaftlichem Patriotismus die Leistungen der Niedersachsen entgegen. In einem ähnlichen Anschauungskreise bewegen sich seine."Gedanken von der Opera“ (vor der Ausgabe seiner Gedichte, Stade 1708) und die Vorberichte vor seinen Opern, in welchen er nach Art der französischen Dramatiker sein Verhältniß zur Ueberlieferung darlegt und daran wol auch allgemeinere ästhetische Betrachtungen anknüpft. Ueber die äußere Geschichte seines Lebens sind wir mangelhaft unterrichtet, wir wissen jedoch, daß er sich in die Streitigkeiten einmischte, die bald nach seiner Rückkehr in die Vaterstadt durch den ehrgeizigen Demagogen Pastor Krumbholtz veranlaßt wurden. Durch kühne Aeußerungen in seinen Schriften zog er den Haß der Krumbholtz'schen Partei auf sich, welche vom Senat seine Verbannung erzwang (1707). F. begab sich nach Stade und kehrte erst wieder nach Hamburg zurück, als die Ruhe durch eine kaiserliche Commission wieder hergestellt war (1708). Im Kriege zwischen Dänemark und Schweden gab er einige Schriften im Interesse Schwedens heraus; er wurde deshalb auf einer Reise in Dänemark gefangen genommen und auf die Festung Rendsburg gebracht. Die Nachricht, daß er sein Leben in der|Gefangenschaft beendigt habe, ist jedoch unrichtig, 1719 war er wieder in Hamburg und hier starb er 1721 in der Nacht vom 14. auf den 15. Oct.

    • Literatur

      Vgl. Schröder, Lexikon der Hamburgischen Schriftsteller, wo auch ein Verzeichniß von Feind's Schriften mitgetheilt ist.

  • Autor/in

    W. Creizenach.
  • Empfohlene Zitierweise

    Creizenach, Wilhelm, "Feind, Barthold" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 607-608 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118532294.html#adbcontent

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