Zweigert, Konrad
- Lebensdaten
- 1911 – 1996
- Geburtsort
- Posen
- Sterbeort
- Wedel (Holstein)
- Beruf/Funktion
- Jurist ; Bundesverfassungsrichter ; Rechtswissenschaftler
- Konfession
- evangelisch
- Namensvarianten
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- Zweigert, Konrad Erdmann
- Zweigert, Konrad
- Zweigert, Konrad Erdmann
- Zweigert, Conrad
- Zweigert, Conrad Erdmann
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Zweigert, Konrad Erdmann
| Bundesverfassungsrichter, Rechtswissenschaftler, * 22.1.1911 Posen, † 12.2.1996 Wedel (Holstein), ⚰ Holm (Holstein). (evangelisch)
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Genealogie
Aus Juristenfam.;
V Erich (1879–1947), aus Perleberg (Prignitz), Jur., Landrichter, Staatssekr. im Reichsmin. d. Inneren, trat am 30.1.1933 v. diesem Amt zurück, zuletzt in Coburg, Ehrenmitgl. d. KWG (s. Mitgll.verz. d. KWG), S d. Arthur (1850–1923), aus Neustettin (Pommern), Dr. iur., 1897 Reichsanwalt, 1907–21 Oberreichsanwalt in Leipzig, 1916 WGR, Exzellenz (s. DBJ V, Tl.);
M Elvira (* 1895), T d. Paul Arthur Nagel (1856–1918), aus Dresden, 1893 Landger.rat, 1894 Landger.dir. in Leipzig, 1897 Oberlandesger.rat in Dresden, 1899 Reichsanwalt, 1912 sächs. Justizmin. (s. Wi. 1914; DBJ II, Tl.), u. d. Adelheid Sidonie Stange (1855–1933), aus Neusalza-Spremberg b. Görlitz;
Ur-Gvv Wilhelm, Appellationsger.präs., Ur-Gvm Christian August Nagel (1821–1903), 1852 o. Prof. f. Geodäsie an d. kgl. sächs. Polytechn. Schule in Dresden, 1888|Dir. d. math.-physikal. Kab. ebd., Geh. Reg.rat (s. Professoren TU Dresden; Sächs. Biogr.);
Gr-Ov Erich (1849–1906), aus Neustettin (Pommern), Richter, Vf. e. Kommentars z. Einkommenssteuergesetz 1892, 1881 Bgm. u. 1885 OB in Guben, 1886 OB v. Essen, 1906 Ehrenbürger ebd., Mitgl. d. preuß. Herrenhauses u. d. Rhein. ProvinzialLT, preuß. Roter Adlerorden II. Kl. mit Eichenlaub, preuß. Kronenorden II. Kl., Dr. h. c. (s. Dt. Zeitgenossen-Lex.; BJ XI u. 13, Tl.; Westfäl. Lb. IV; Essener Btrr., 1978; Essener Köpfe; Rhein. Gesch.);
Ov Kurt (1886–1967), aus Guben (Niederlausitz), Dr. iur., 1920 Reichswirtsch.rat am Reichswirtsch.ger., Senatspräs., 1941 v. d. Nationalsozialisten entlassen, RA, 1946 Verw.ger.rat f. d. brit. Sektor Berlins, 1948 Vizepräs., 1951 Bundesrichter im 1. Senat d. Bundesvfg.ger. in Karlsruhe, 1952 Präs. d. Oberverw.ger. in Berlin(-West) (s. Wi. 1962; Munzinger);
– ⚭ 1945 Irmgard Koenigs (1922–1981);
9 K, u. a. S Matthias, Christoph, Tobias, Daniel, T Bettina Schmidt, Cornelia, Johanna, Friderike. -
Biographie
Z. wuchs in Berlin auf, besuchte das humanistische Gymnasium Friedenau (Abitur 1929) und studierte anschließend bis zum 1. Staatsexamen 1933 Rechtswissenschaft in Göttingen, Grenoble und Berlin (mit Ferienkursen in Paris, London u. Barcelona). Nachdem er 1937 das 2. Staatsexamen bestanden hatte, kam eine Laufbahn im Staatsdienst wegen seiner Abneigung gegen den Nationalsozialismus und der politischen Ausrichtung seines Vaters nicht in Betracht. Z. trat 1937 als wiss. Mitarbeiter in die Dienste des KWI für ausländisches und internationales Privatrecht in Berlin und wurde 1942 an der Univ. Berlin für den von ihm verfaßten Abschnitt über das franz. Recht in „Die Einwirkung des Krieges auf Verträge in der Rechtsprechung Deutschlands, Frankreichs, Englands und der Vereinigten Staaten von Amerika“ (mit G. Kegel u. H. Rupp, 1941, Neudr. 2019) zum Dr. iur. promoviert. Nachdem es, auch dank persönlichem Einsatz Z.s, gelungen war, die wertvolle Bibliothek des KWI aus Berlin nach Tübingen zu evakuieren und das Institut bei Kriegsende seinen Büchern gefolgt war, habilitierte sich Z. 1946 aufgrund früher veröffentlichter Arbeiten an der Univ. Tübingen und wurde hier 1948 – nach Ablehnung eines Rufs an die Univ. Jena – zum Professor für Bürgerliches Recht, Zivilprozeßrecht, Rechtsvergleichung und Internationales Privatrecht berufen. 1946 trat Z. der SPD bei. Er stand in engem Kontakt zu Carlo Schmid (1896–1979), damals Professor für Öffentliches Recht an der Univ. Tübingen und Haupt eines Gesprächskreises über die politische und rechtliche Verfassung der jungen dt. Demokratie. 1951 wurde Z. zum Richter am Bundesverfassungsgericht gewählt. Als das Institut, seit 1949 MPI für ausländisches und internationales Privatrecht, 1956 von Tübingen nach Hamburg übersiedelte, gab er sein Richteramt auf, um auch als Professor an die Univ. Hamburg zu gehen. 1963 wurde er als Nachfolger von Hans Dölle (1893–1980) Direktor des MPI.
Dieses Amt übte Z., ab 1967 auch Vizepräsident der MPG, bis zu seiner Emeritierung 1979 aus.
Z.s wissenschaftliche Leistungen haben besondere Bedeutung auf dem Gebiet der Rechtsvergleichung. Schon in seiner programmatischen Tübinger Antrittsvorlesung forderte er, daß die Rechtsvergleichung nicht bloß vom Gesetzgeber und von Wissenschaftlern, sondern auch von der Rechtsprechung als „universale Interpretationsmethode“ zu nutzen sei. In vielen Studien befaßte sich Z. mit der Methode der Rechtsvergleichung, ihren Funktionen und Zielen, mit ihrer Stellung in der Juristenausbildung und dem „Stil der Rechtskreise“. Diese Arbeiten prägten das Lehrbuch und bis heute maßgebliche Standardwerk „Einführung in die Rechtsvergleichung“ (2 Bde., 1969/71, mit H. Kötz, ³1996, japan. 1971/91, ital. 1992/95, russ. 1995/98, engl. 1998, span. 2002, chines. Bd. 1 2003), das auch im Ausland starken Widerhall fand. Den Abschluß der von ihm konzipierten „International Encyclopedia of Comparative Law“ (17 Bde., 1972–2020), eines rechtsvergleichenden Großunternehmens, an dem unter der Leitung von Ulrich Drobnig (1928–2022) rund 450 Rechtswissenschaftler aus aller Welt beteiligt waren, erlebte Z. nicht mehr.
Auch zu Fragen des Internationalen Privatrechts, des Europarechts sowie des allgemeinen Zivilrechts und seiner Methoden lieferte Z. viele Beiträge, die wenig Rücksicht auf die überkommene Dogmatik und die herkömmlichen Methoden nahmen und Anlaß zu lebhaften Auseinandersetzungen boten. Stets ging es ihm darum, mithilfe der Rechtsvergleichung eine wertungsoffene und dem Neuen aufgeschlossene Diskussion zu eröffnen. Schüler Z.s waren u. a. Herbert Bernstein (1930–2001), Axel Flessner (1935–2022), Fritz Reichert-Facilides (1929–2003) und Hein Kötz (* 1935).
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Auszeichnungen
|Dr. iur. h. c. (Uppsala, Paris II u. Southampton);
Mitgl. d. Dt.-franz. Jur.vereinigung;
– K.-Z.-Stipendium d. MPI f. ausländ. u. internat. Privatrecht. -
Werke
|Die dritte Schule im internat. Privatrecht, in: FS f. Leo Raape, hg. v. H. P. Ipsen, 1948, S. 35–52;
Der Einfluß d. europ. Gemeinschaftsrechts auf d. Rechtsordnungen d. Mitgl.staaten, in: Rabels Zs. f. ausländ. u. internat. Privatrecht 28, 1964, S. 601–43;
Zur Armut d. internat. Privatrechts an soz. Werten, ebd. 37, 1973, S. 435–52;
Internat. Privatrecht u. öff. Recht, in: 50 J. Inst. f. internat. Recht an|d. Univ. Kiel, 1965, S. 124 ff.;
Rechtsvergleichung, System u. Dogmatik, in: FS f. Eduard Bötticher, 1969, S. 443–49. -
Literatur
|G. Kegel, FS f. K. Z. z. 70. Geb.tag, hg. v. H. Bernstein u. a., 1981, S. 1–20 (P);
A. Flessner, in: Rabels Zs. f. ausländ. u. internat. Privatrecht 45, 1981, S. 5–7;
H. Kötz, ebd. 60, 1996, S, 413–16;
H. Bernstein, in: JZ 1981, S. 70 f.;
A. Flessner, in: NJW 1996, S. 1875;
U. Drobnig, in: Zivilrechtslehrer 20. Jh.;
J. Basedow, K. Z. u. d. pol. Dimension d. Rechts, in: T. Repgen u. a. (Hg.), 100 J. Rechtswiss. an d. Univ. Hamburg, 2019, S. 21–37;
– zur Fam.: Persönlichkeiten Europas, Dtld. I, 1976. -
Porträts
|Photogrr. (MPI f. ausländ. u. internat. Privatrecht, Hamburg).
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Autor/in
Hein Kötz -
Zitierweise
Kötz, Hein, "Zweigert, Konrad Erdmann" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 797-799 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143077.html#ndbcontent