Zweigelt, Friedrich

Lebensdaten
1888 – 1964
Geburtsort
Hitzendorf (Steiermark)
Sterbeort
Graz
Beruf/Funktion
Naturwissenschaftler ; Rebenzüchter
Konfession
mehrkonfessionell
Namensvarianten

  • Zweigelt, Friedrich Franz
  • Zweigelt, Fritz
  • Zweigelt, Friedrich
  • Zweigelt, Friedrich Franz
  • Zweigelt, Fritz

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Zitierweise

Zweigelt, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143076.html [15.01.2026].

CC0

  • Zweigelt, Friedrich (Fritz) Franz

    | Naturwissenschaftler, Rebenzüchter, * 13.1.1888 Hitzendorf (Steiermark), † 18.9.1964 Graz, ⚰ Graz, Stadtfriedhof Sankt Peter. (katholisch, 1940 gottgläubig, 1945 evangelisch Augsburgischen Bekenntnisses)

  • Genealogie

    V Franz Xaver (1860–1924, kath.), Dir. d. Volksschule in H., S e. Zwirnerzeugers in Schönlinde (Krásná Lipá, Böhmen);
    M Antonie (* 1864, kath.), T d. Franz Kotyza ( 1871), aus Senftenberg (Niederösterr. oder Lausitz?), Tabakfabriksbeamter in Fürstenfeld (Steiermark), u. d. Antonie N. N. ( 1886/87);
    Wien-Klosterneuburg 1913 Friedericke Maria (Fritzi) (1889–1958, kath.), aus Graz, T d. Johann Hochmuth (1847–1920), aus Plan (Böhmen), Oberpostkontrolleur, u. d. Ludmilla Markut (1860–1916), aus Prag;
    1 S Rudolf (1916–44 ⚔), Arzt.

  • Biographie

    Nach der Matura am k. k. II. Staatsgymnasium in Graz 1907 studierte Z. Naturwissenschaften an der dortigen Universität, an der er vom Okt. 1910 bis Okt. 1911 als Assistent am botanischen Institut arbeitete und 1911 mit der Arbeit „Die vergleichende Anatomie etlicher Unterfamilien der Liliaceen“ bei Karl Fritsch (1864–1934) zum Dr. phil. promoviert wurde sowie 1913 die Lehrbefähigung für Mittelschulen (Naturgesch., Math., Physik)|erwarb. Im März 1913 wurde er Mitarbeiter der k. k. Höheren Lehranstalt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg bei Wien, 1918–22 war er Hauptschriftleiter der „Zeitschrift des Österreichischen Entomologenvereins“ und 1929–43 der Zeitschrift „Das Weinland“.

    Seit 1921 leitete Z. die Bundesrebenzüchtung Klosterneuburg.

    Nach der Annexion Österreichs zum kommissarischen Leiter der Versuchs- und Forschungsanstalt für Wein- und Obstbau und Höheren Wein- und Obstbauschule Wien-Klosterneuburg ernannt sowie im April 1941 mit dem Titel Oberregierungsrat als Leiter bestätigt (Mitgl. d. NSDAP 1933), wurde Z. 1943 der Titel Direktor und Professor verliehen. In der Zwischenkriegs- und Kriegszeit pflegte Z. enge wissenschaftliche Kontakte über nationale und weltanschauliche Grenzen hinweg, um Klosterneuburg im dt. Sprachraum auf Augenhöhe mit der Höheren Staatlichen Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau zu Geisenheim/Rhein zu führen. Mit Züchtungsforschung, Arbeiten zu Rebkrankheiten und -schädlingen sowie damit verbunden mit dem Kampf gegen Direktträger wurde Z. weit über den dt. Sprachraum bekannt; 1935 fungierte er als Generalsekretär des 1. mitteleurop. Weinkongresses in Wien. Die Ausbootung der „christsozialen“ und „klerikalen“ Kollegen im Sommer 1938 stellte für Z. – ganz im Sinne der nationalsozialistischen Bewegung – die Voraussetzung für die Intensivierung der önologischen Forschung und der ideologischen Festigung der Schülerschaft dar.

    Der großdt.-national und antiklerikal geprägte Z. war als „Grenzlandbewohner“ empfänglich für das ideologisch-politische Angebot des Nationalsozialismus; nach 1945 stilisierte er sich wie viele andere ehemalige Aktivisten zu einem fehlgeleiteten Idealisten. Im Juli 1945 verhaftet und im Dez. 1945 aus der Haft entlassen, wurde Z. 1946 vor dem Volksgericht Wien angeklagt; 1948 erfolgte nach einem Gnadengesuch auf Anordnung des Bundespräsidenten Karl Renner (1870–1950) die Einstellung des Strafverfahrens und die Einstufung als „minderbelastet“. Seit Nov. 1948 im Ruhestand, war Z. in Graz als Berater der Pflanzenschutzmittelfirma Tagger und als Fachlehrer an der gärtnerischen Berufsschule tätig.

    Die Erinnerung an den Rebenzüchter Z. lebt in der Benennung der Klosterneuburger Neuzüchtung Nr. 71 St. Laurent x Blaufränkisch (1922) als „Zweigeltrebe“ durch Lenz Moser (1905–1978) nach; die Rebsortenbezeichnung „Rotburger“ als Synonym für „Blauer Zweigelt“ in Analogie zu den Klosterneuburger Neuzüchtungen „Goldburger“ (weiß) und „Blauburger“ (rot) ist eine Neuschöpfung aus den 1970er Jahren und wurde 1978 auf Betreiben der Höheren Bundeslehranstalt für Landwirtschaft in das amtliche Rebsortenverzeichnis Österreichs aufgenommen. Heute ist „Zweigelt“ die mit Abstand bedeutendste Rotweinrebe in Österreich; in Deutschland gibt es kleine „Zweigelt“ -Bestände in Württemberg und an der Saale.

  • Auszeichnungen

    |wiss. Preis u. Medaille d. Internat. Amt f. Rebe u. Wein, Paris (n. 1930);
    Babo-Medaille f. Verdienste im Weinbau d. Hauptverbands d. Weinbautreibenden Österr. (1937);
    Erinnerungsmedaille z. 13.3.1938, Auszeichnung als „alter Kämpfer“;
    Karl-Escherisch-Medaille (1963).

  • Werke

    |Was sind d. Phyllokladien d. Asparageen, krit. Bemm. z. G. Danek, Morphol. u. anatom. Stud. über d. Ruscus-, Danae- u. Semele-Phyllokladien, in: Österr. botan. Zs. 1913, Nr. 8/9, S. 313–35;
    Der Maikäfer, Stud. z. Biol. u. z. Vorkommen im südl. Mitteleuropa, 1928;
    Die Direktträger, 1929 (mit A. Stummer);
    Blattlausgallen, Histogenet. u. biol. Stud. an Tetraneura- u. Schizoneuragallen, 1931;
    Von d. Höhepunkten meines Lebens, Werk u. Freude, in: Zs. f. angew. Entomol. 54, 1964, S. 13–21.

  • Literatur

    |H. Konlechner, Dr. F. Z., 30 J. an d. Klosterneuburger Lehranstalt tätig, in: Das Weinland 14, 1942, S. 41;
    F. Wobisch, Dr. Z., z. seinem 70. Geb.tag, in: Österr. Weinztg. 13, 1958, H. 1, S. 5;
    L. Moser, Ab 1960, Z.-Kreuzungen im Verkauf, ebd., H. 2, S. 11;
    V. Richter, in: Zs. f. angew. Entomol. 55, 1964/65, S. 100 f.;
    D. Deckers, F. Z., in: W. Klinger u. K. Vocelka (Hg.), Wein in Österr., d. Gesch., 2019, S. 213–25 (P);
    ders., F. Z. (1888–1964), Wissenschaftler, Rebenzüchter, Nat.sozialist, 2022;
    Qu BA Berlin;
    Wiener Stadt- u. Landesarchiv;
    Österr. StA.

  • Autor/in

    Daniel Deckers
  • Zitierweise

    Deckers, Daniel, "Zweigelt, Friedrich (Fritz) Franz" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 796-797 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143076.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA