Zumsteg, Gustav
- Lebensdaten
- 1915 – 2005
- Geburtsort
- Zürich
- Sterbeort
- Zürich
- Beruf/Funktion
- Seidenhändler ; Designer ; Kunstsammler ; Inhaber des Restaurants Kronenhalle in Zürich
- Konfession
- -
- Namensvarianten
-
- Dürst, Gustav( bis 1932)
- Zumsteg, Gustav
- Dürst, Gustav( bis 1932)
- dürst, gustav
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Zumsteg (bis 1932 Dürst), Gustav
| Seidenhändler, Designer, Kunstsammler, Inhaber des Restaurants Kronenhalle Zürich, * 11.10.1915 Zürich, † 17.6.2005 Zürich, ⚰ Zürich.
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Genealogie
V N. N. († 1916);
Stief-V Gottlieb (1873–1957), Inh. d. Wirtshauses „Mühle“ u. 1922 d. „Kronenhalle“ in Z.;
M Hulda -Dürst (1890–1984), aus Winterthur, Serviertochter im Restaurant „Rose“, in d. „Schöchlischmiede“ u. im Wirtshaus „Mühle“, 1925 Mitinh. d. „Kronenhalle“ in Z., Vf. v. Memoiren „Aus meinem Leben“, 1970, T e. orthopäd. Schuhmachers in Winterthur;
ledig;
Schwägerin Hedi († 1957), Mitarb. in d. „Kronenhalle“. -
Biographie
Z. verbrachte seine Kindheit bei einer Witwe im Zürcher Arbeiterquartier Aussersihl und kehrte 1930 zu seiner Mutter zurück. Diese hatte inzwischen den Gastwirt Gottlieb Zumsteg geheiratet und führte mit ihm die Brasserie „Kronenhalle“ an der Rämistraße in Zürich; Z. erhielt nach der Adoption durch seinen Stiefvater 1932 dessen Nachnamen. 1931 trat Z. eine Lehre beim Zürcher Seidenstoffhandelshaus „Abraham, Brauchbar & Cie.“ in Zürich an. Die Firma unterhielt Niederlassungen in Lyon und Paris, entwarf als sog. Manipulant eigene Textildesigns oder adaptierte Vorlagen, ließ diese von Seidenwebereien in Zürich und Lyon produzieren und verkaufte sie in ganz Europa. Z., der alle Abteilungen des Hauses durchlief, verließ nach Abschluß der Lehre das Unternehmen, um sich im Ausland weiterzubilden. 1935 kehrte er auf Wunsch von Ludwig Abraham (1895–1987) ins Unternehmen zurück und kam im Herbst 1935 in dessen Lyoner Zweigbetrieb. 1936 übersiedelte Z. nach Paris und arbeitete in der dortigen Niederlassung von „Abraham, Brauchbar & Cie.“, die er seit 1941 als Präsident führte. In Paris lernte Z. das Kunsthändlerehepaar Aimé und Marguerite Maeght kennen und durch sie die Maler Pierre Bonnard, Georges Braque, Fernand Léger, Joan Miró, Marc Chagall und Alberto Giacometti, deren Werke er zu sammeln begann. Der Pariser Maler und Bühnenbildner Christian Bérard regte Z. an, sich beim Entwerfen von Textildesigns von zeitgenössischer Kunst inspirieren zu lassen. Durch Bérard erhielt er Zugang zu Künstlerateliers und den Salons führender Couturiers.
Als es 1943 zur Auflösung der Firmenpartnerschaft zwischen Ludwig Abraham und Edmund Brauchbar (1872–1952) und zur Neugründung der „Ludwig Abraham & Co.|Seiden AG“ kam, kehrte Z. nach Zürich zurück. Abraham war 1940 nach New York übersiedelt. Seine Geschäftsinteressen während des Weltkriegs nahmen sein Schwager Erwin Stiebel, langjähriger Direktor der Firma, sowie Z. wahr, den Abraham mit einem Viertel am Unternehmen beteiligte. 1968 verkaufte Abraham seinen Firmenanteil an Z. und zog sich aus dem Geschäftsleben zurück.
Z. hielt fortan 95 % der Aktien. 1947 entwarf Z. erstmals Stoffe für Christian Dior, womit der Firma „Ludwig Abraham & Co. Seiden AG“ der Einstieg in die Pariser Haute Couture gelang. Für die Stoffe der ersten Haute-Couture-Kollektion von Yves Saint Laurent lieferte Z. 1962 alle Entwürfe. Damit wurde der Grundstein für eine enge Freundschaft zwischen dem Schweizer Designer und dem franz. Modemacher gelegt.
Bis zum Konkurs der Firma Abraham 2002 entwarf Z. immer wieder Nouveautés für Modehäuser der Pariser Haute Couture. Er nutzte firmeninterne Kollektionsmusterbücher, die seit 1955 systematisch im Archiv des Unternehmens aufbewahrt wurden, zugekaufte historische Musterbücher aus Lyon und zeitgenössische Kunst als Inspirationsquelle. Dabei kopierte er Themen und Motive nicht, sondern adaptierte sie für Textilien und traf so häufig den modischen Geschmack. Z. legte großen Wert auf das Marketing seiner Produkte, wobei sich dieses nicht nur auf das Vorführen der Stoffkreationen beschränkte, sondern auch auf die Entwicklung der Marke „Abraham“ fokussiert wurde.
Neben seiner Tätigkeit als Entwerfer übernahm Z. nach dem Tod seines Stiefvaters 1957 die Geschäftsführung der Zürcher „Kronenhalle“. Das Gasthaus hatte sich v. a. durch das Zutun seiner Mutter zu einem Treffpunkt für Literaten und Künstler entwickelt. In den frühen 1940er Jahren begann Z., seine Gemäldesammlung in den Räumen der Brasserie auszustellen und damit für die Kronenhalle zu werben. Seit 1947 Mitglied der Vereinigung Zürcher Kunstfreunde, dem Trägerverein des Kunsthauses Zürich, wurde er 1963 in deren Vorstand gewählt und bekleidete danach zahlreiche Ämter im Umkreis des Museums, u. a. als Präsident der Sammlungskommission 1975–83. Neben Ankäufen und Veranstaltungen, die Z. initiierte, bedachte er das Kunsthaus mit Schenkungen bedeutender Gemälde und stiftete 1973 mit anderen Mäzenen und Unterstützung des Künstlers den Saal Marc Chagall.
Zum Andenken an seine Mutter errichtete Z. 1985 die „Hulda und Gustav Zumsteg-Stiftung“ zur Förderung von Projekten in den Bereichen Bildende Kunst, Unterstützung der Sammlungstätigkeit des Zürcher Kunsthauses, von Gastronomie und Textilindustrie. 2007 wurde das Textilarchiv der Firma Abraham, das Z. 2002 mit privaten Mitteln aus der Konkursmasse herauslöste, dem Schweizer. Nationalmuseum in Zürich schenkungsweise übergeben. Mit finanzieller Unterstützung der „Zürcherischen Seidenindustrie Gesellschaft“ wurde das Archiv aufgearbeitet, inventarisiert und 2010 im Rahmen einer Ausstellung und einer zweibändigen Publikation der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
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Quellen
Qu Abraham-Archiv im Slg.zentrum Schweizer. Nat.mus., Affoltern am Albis (hier auch Kontrollbuch über Angest. u. Arb. d. Fa. Abraham, Brauchbar & Cie., 1910–1940); Hulda u. G. Z. Stiftung, Zürich; Zeitzeugeninterviews in Soie Pirate, 2010 (s. L).
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Literatur
|D. Muscionico, Hulda Z., in: N. Cadsky u. a. (Hg.), Kronenhalle Zürich, 2005, S. 9–21 (P);
dies., ebd., S. 27–32;
dies., Die Kronenhalle u. d. Kunst, ebd., S. 37–50;
I. Koellreuter u. M. Widmer, Von Abraham bis Z., Ein hist. Überblick mit Lücken, in: Soie Pirate, Gesch. d. Fa. Abraham, hg. v. Schweizer. Nat.mus., 2010, S. 13–53;
M. Nicol, Das Schöne u. d. Mode in d. Kommunikation d. F. Abraham, ebd., S. 111–19;
K. Wälchli, Musterbuch d. Abstrakten, ebd., S. 129–45;
D. Boll, Ein gastl. Kunstwerk, Die Kronenhalle u. ihre Slg., 2011;
M. Widmer, Abraham c’est moi, Ludwig Abraham u. G. Z., in: E. Joris u. a. (Hg.), Hist. Begegnungen, Biogr. Essays z. Schweizer Gesch., 2014, S. 264–80;
S. Ryser u. I. Zürcher (Hg.), Pays de rêve, Die Kunst d. Kronenhalle Zürich, 2019 (P). -
Autor/in
Claudia Schmid -
Zitierweise
Schmid, Claudia, "Zumsteg (bis 1932 Dürst), Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 779-780 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143071.html#ndbcontent