Zinke, Johannes

Lebensdaten
1903 – 1968
Geburtsort
Liegnitz (Schlesien)
Sterbeort
Berlin(-West)
Beruf/Funktion
katholischer Priester ; Caritasdirektor ; Geschäftsträger der deutschen Bischöfe in der DDR
Konfession
katholisch
Namensvarianten

  • Zinke, Johannes

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Zitierweise

Zinke, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143048.html [31.01.2026].

CC0

  • Zinke, Johannes

    | katholischer Priester, Caritasdirektor, Geschäftsträger der deutsch Bischöfe in der DDR, * 18.11.1903 Liegnitz (Schlesien), † 14.11.1968 Berlin(-West), ⚰ Berlin-Reinickendorf, Sankt Hedwig-Friedhof, Begräbnisstätte des Berliner Domkapitels.

  • Genealogie

    V Robert (1872–1952), Tischlermeister in L.;
    M Franziska Nimpsch (1877–1940);
    3 B Franz (1901–68), Dr. phil., Prof. f. Päd. an d. PH Alfeld (1947) u. Vechta (1955) (s. Wi. 1970), Bernhard (1906/07–65), Tischlermeister in L. u. Stuttgart, Karl (1912–44 ⚔), Tischlermeister in L.

  • Biographie

    Z. entstammte einer kath. selbständigen Handwerkerfamilie im niederschles. Liegnitz, wo er das traditionsreiche altsprachlich-humanistische Gymnasium Johanneum besuchte.

    Nach dem Abitur studierte er 1923–27 kath. Theologie in Breslau und München. Spätestens während seiner Studienzeit wurde er durch die kath. Abstinenz- und Wanderbewegung Quickborn v. a. pädagogisch beein|flußt. 1928 von Fürstbf. Adolf Kard. Bertram (1859–1945) in Breslau zum Priester geweiht, war Z. hier anschließend bis 1934 als Kaplan in der Arbeiterpfarrei St. Nicolai, dann vorübergehend als Pfarradministrator in Neustadt (Oberschlesien) und seit 1935 wieder in Breslau als Pfarrkurat an St. Adalbert und Diözesanpräses der kath. Gesellenvereine tätig. Durch seine Verteidigung dieses bedeutenden Diözesanverbands gegen Übergriffe der Dt. Arbeitsfront empfahl er sich 1938 für die Übernahme des einflußreichen Amts des Caritasdirektors. Mit viel Organisations- und Verhandlungsgeschick leitete Z. den Caritasverband des Ebm. Breslau, als es in den Konflikten mit der NS-Volkswohlfahrt und der Volksdt. Mittelstelle um die Inanspruchnahme caritativer, kirchlicher und klösterlicher Anstalten zu Kriegszwecken und um die Notversorgung der Bevölkerung im zur „Festung“ erklärten Breslau 1945 ging.

    Nach seiner Vertreibung 1945 sorgte Z. mit Klerikern der Breslauer Bistumsverwaltung in der durch die Flüchtlingsströme besonders belasteten Sowjet. Besatzungszone (SBZ) zunächst von Cottbus, dann von Berlin aus für die Organisation und Verteilung internationaler Spenden. Die kirchliche Spendenhoheit sichernde Kooperation mit der Volkssolidarität beendete er 1951. Insbesondere aber beförderte Z. in der mitteldt. kath. Diaspora den systematischen Auf- und Ausbau einer flächendeckenden, kirchlich organisierten Caritas. Deren Netzwerk kath. Gesundheits-, Pflege-, Fürsorge- und Erziehungseinrichtungen folgte dem schles. Vorbild der Breslauer Vorkriegszeit. Für diese Kernaufgabe bot ihm die Berufung 1946 in die Leitung, 1952 dann alleinverantwortlich, an die Spitze der Hauptvertretung Berlin (HV) des Dt. Caritasverbands (DCV) die entscheidende, mit der Verbandszentrale in Freiburg (Br.) weiterhin eng verbundene Plattform. 1952–65 gehörte Z. zugleich dem westdt. Zentralkomitee der dt. Katholiken an und wirkte maßgeblich an der Vorbereitung und Durchführung der Katholikentage in Berlin 1952 und 1958 mit. Seine Schlüsselstellung im DCV ließ ihn in die erste Reihe kirchlicher Funktionsträger aufsteigen, dessen Fachkompetenz von Beginn an auch die bfl. Ordinarien in der DDR nutzten. Als ständiger Gast ihrer Konferenz erledigte er zusätzlich deren Sekretariatsarbeit.

    Z.s Ernennung zum Leiter des Commissariats der Fuldaer Bischofskonferenz in der Nachfolge von Bf. Heinrich Wienken (1883–1961) weitete von 1952 an seinen Aktionsradius um das von Spannungen zwischen SED-Regime und Kirche bestimmte kirchenpolitische Feld. Der Aufbau von Ausbildungsseminaren für Theologie (1952 Studium u. Priesterseminar, Erfurt) und Caritas verdankte sich nicht zuletzt Z.s Bemühungen. Als Geschäftsträger der dt. Bischöfe und Direktor der HV Berlin des DCV war er alleiniger Verhandlungsführer bei den für Kirchen- und Caritasfragen relevanten DDR-Ministerien, einschließlich der seit 1959 auf seine Person konzentrierten Gesprächskontakte zum Ministerium für Staatssicherheit. Diese staatlicherseits akzeptierte Verhandlungstätigkeit setzte Z. nach dem Mauerbau 1961 reibungslos fort. Mit dem 1966 eingeleiteten Ausbau der nach dem Krieg in Ost-Berlin errichteten Infrastruktur (1947 Transportleitstelle, 1951 Ost-Büro d. DCV) zu einer eigenständigen Organisation des DCV in der DDR (1969 Zentralstelle Berlin) vermochte Z. sowohl den westdt. Spendentransfer zugunsten von Kirche und Caritas zu verstetigen als auch deren Verhandlungsposition zu festigen. In allem suchte er stets auch den vertraulichen Kontakt zu den ev. Kirchen.

    Durch seine Loyalität zur Kirche erwarb sich Z. in hohem Maß das Vertrauen des gesamten Episkopats im geteilten Deutschland, was sich in der Verleihung dreier päpstlicher Ehrentitel ausdrückte. Z.s systematischer Aufund Ausbau einer kirchlich organisierten Caritas erwies sich für die kath. Kirche in der DDR als grundlegend. Er war von Dauer, weil er mit einer in zwei Diktaturen wachsenden Erfahrung einherging, kirchliche Handlungsspielräume gegenüber den Zumutungen des Staats pragmatisch zu sichern und die Eigenständigkeit der kath. Kirche zu bewahren.

  • Auszeichnungen

    |päpstl. Geh.kämmerer (1952);
    päpstl. Hausprälat (1957);
    Apostol. Protonotar (1966);
    Caritas Seniorenheim J. Z., Berlin-Marienfelde (seit 1977).

  • Quellen

    Qu – ein persönl. Nachlaß existiert nicht; – Nachlaßsplitter: Archiv d. Dt. Caritasverbands Freiburg (Br.) (Nachlaß Z.; P; kirchenamtl. Schr.gut 1938–68); Diözesanarchiv Berlin (Kondolenzliste u. -schreiben); Bm.archiv Görlitz (Personalunterlagen); Bm.archiv Erfurt (Regionalarchiv Ordinarien Ost); BA Berlin (Staatssekr. f. Kirchenfragen; Archiv d. Staatssicherheitsdienstes d. ehem. DDR); – Akten dt. Bischöfe über d. Lage d. Kirche 1933–1945, Bde. V–VI, bearb. v. L. Volk, 1983/85; M. Höllen, Loyale Distanz? Katholizismus u. Kirchenpol. in SBZ u. DDR, Ein hist. Überblick in Dok., Bd. 1–3/1, 1994/98; Akten dt. Bischöfe seit 1945, DDR 1957–1961, bearb. v. Th. Schulte-Umberg, 2006; Akten dt. Bischöfe seit 1945, DDR 1951–1957, bearb. v. Ch. Kösters, 2012.

  • Literatur

    |U. v. Hehl u. H. G. Hockerts (Hg.), Der Katholizismus, Gesamtdt. Klammer in d. J.zehnten d. Teilung? Erinnerungen u. Berr., 1996;
    B. Schäfer, Staat u. kath. Kirche in d. DDR, 1998;
    H. D. Thiel, J. Z.|1903–1968, Brückenbauer zw. Ost u. West, in: U. v. Hehl u. F. Kronenberg (Hg.), Zeitzeichen, 150 J. Dt. Katholikentage 1848–1998, 1999, S. 185–200;
    ders., in: M. Höhle (Hg.), 75 J. Bm. Berlin, 20 Persönlichkeiten, 2005, S. 177–85 (P);
    W. Tischner, Kath. Kirche in d. SBZ/DDR 1945–1951, Die Formierung e. kath. Subges. im entstehenden sozialist. Staat, 2001;
    Ch. Kösters, Staatssicherheit u. Caritas 1950–1989, Zur pol. Gesch. d. kath. Kirche in d. DDR, 2001;
    ders. (Hg.), Caritas in d. SBZ/DDR 1945–1989, Erinnerungen, Berr., Forsch., 2001;
    ders., in: Zeitgesch. Lb. 13, 2022, S. 259–73 (L, P);
    N. Thiel, in: Liegnitzer Lb. II, 2002, S. 372–75 (P);
    M. Hirschfeld, in: Schles. Kirche in Lb. VII, 2006, S. 394–97 (P);
    Wer war wer DDR;
    Who is who d. Soz. Arb.;
    LThK³;
    BBKL 23 (L);
    Ostdt. Biogr. (Kulturportal Ost-West) (L, P, Internet).

  • Autor/in

    Christoph Kösters
  • Zitierweise

    Kösters, Christoph, "Zinke, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 726-728 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143048.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA