Zenker, Hilde( geborene)

Lebensdaten
1909 – 1999
Geburtsort
Weißenfels/Saale
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Photographin
Konfession
-
Namensvarianten

  • Buchholz, Holde( verheiratete)
  • Zenker, Hilde( geborene)
  • zenker, hilde
  • Buchholz, Holde( verheiratete)
  • buchholz, holde

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Zitierweise

Zenker, Hilde( geborene), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143024.html#indexcontent [04.06.2026].

CC0

  • Zenker, Hilde, verheiratete Buchholz

    | Photographin, * 20.10.1909 Weißenfels/Saale, † 8.10.1999 Berlin, ⚰ Berlin, Alter Sankt-Matthäus-Kirchhof.

  • Genealogie

    V Oskar (1878–1928), aus Grimma, Kaufm., Bes. d. 1905 gegr. Beuditz-Drogerie mit Photo-Specialhaus in W., 1924 Stadtrat ebd.;
    M Anna Elise Bauer (1885–1976), aus Zeitz;
    2 B Friedrich (* 1907), Gerhard Kurt Franz (* 1913);
    1947 (?) Otto Buchholz (1889/95–1951), aus Solingen, Hilfsprediger in Dinslaken, 1919–23 (?) ev. Pfarrer in Stettin, Journ., 1924 Lehrer an d. Polizeiberufsschule Magdeburg u. Mitgl. d. SPD, Leiter d. Polizeischule in Hannover, 1933/34 in d. KZ Moringen u. Oranienburg inhaftiert, Verkäufer v. Drogerie- u. Photoartikeln, n. 1945 in W. an Wiederaufbau u. Reorganisation d. Schulamts beteiligt, Min.rat im Kultusmin., 1948/49 Rektor d. Oberschule f. Mädchen in Naumburg, zuletzt in Hannover;
    kinderlos.

  • Biographie

    Nach dem Besuch des Lyzeums begann Z. eine Ausbildung an der Photographischen Lehranstalt des Lette-Vereins in Berlin-Schöneberg.

    Die Meisterprüfung absolvierte sie in Halle/Saale und ging danach 1933 für ihre weitere photographische Ausbildung nach London.

    Zurück in Berlin, entwickelte sich Z. zu einer vielbeschäftigten Bildberichterstatterin für Buchverlage und Zeitschriften. Sie erhielt Aufträge vom Ullstein Verlag (nach 1937 Deutscher Verlag) für dessen Blätter „Querschnitt“ und „Berliner Illustrirte Zeitung“ (BIZ) sowie für die Frauenzeitschrift „Silberspiegel“. Z. lieferte Reportagen über das Berliner Kulturleben und u. a. auch eine Serie über die Puppenmacherin Käthe Kruse (1883–1968).

    In den 1940er Jahren gehörte Z. zu der großen Zahl von Frauen, die im 2. Weltkrieg Karriere machten und neben Hunderten von der Wehrmacht eingezogenen Photographen an der Bildproduktion der Kriegspropaganda mitarbeiteten. Nach dem erhaltenen Bestand der NSDAP-Mitgliederkartei war sie wohl nicht Mitglied der Partei oder anderer NS-Organisationen. Ihre Arbeiten wurden in Zeitschriften wie „Signal“, „Silberspiegel“ und „Koralle“, in den letzten Kriegsjahren sogar in Farbe mit herausragender Druckqualität, veröffentlicht. Im Dez. 1942 erstellte sie im Auftrag des Dt. Roten Kreuzes einen Bildbericht über Krankenschwestern, die für ihren Einsatz während der Bombenangriffe ausgezeichnet worden waren, und Bildreportagen aus Lazaretten an der Ostfront.

    Nach dem Ende des 2. Weltkriegs und der Rückkehr aus sowjet. Gefangenschaft kam Z. in das zerstörte Berlin, wo sie u. a. für die Ost-Berliner „Neue Berliner Illustrierte“ (NBI) arbeitete; für diese entstand eine Serie über „Die Frauen von Leuna“ (1946). Für die vom Tagesspiegel herausgegebene „Illustrierte Berliner Zeitschrift“ (IBZ) lieferte sie Reportagen etwa über den Schwarzmarkt am Bahnhof Zoo und ein Flüchtlingslager in Tempelhof.

    Daneben arbeitete sie für die in der franz. Besatzungszone erscheinende Illustrierte „Die neue Demokratie im Bild“ und war beteiligt an den Dreharbeiten im abgeholzten Tiergarten für den Trümmerfilm, … und über uns der Himmel“ (1947, mit Hans Albers). 1948, im Jahr der Luftbrücke, photographierte sie aus Berlin für die Illustrierte „Quick“. Sie unternahm verschiedene Auslandsreisen, u. a. nach Frankreich. In den unmittelbaren Nachkriegsjahren entstanden zahlreiche Porträts, etwa von Ricarda Huch (Jena) und Gustaf Gründgens und in den 1950er und 60er Jahren u. a. von Fritz Kortner, Valeska Gert, Rudolf Springer und Hans Scholz. In dieser Zeit lieferte Z. auch Aufnahmen für Westberliner Zeitungs-Feuilletons wie den „Tagesspiegel“ und den „Abend“, für Kulturjournalisten und Kunstzeitschriften wie „art“ sowie das „Berliner Kunstblatt“. Durch ihre sensible Arbeitsweise kam sie in besondere Beziehung zu einer Reihe von Künstlerinnen und Künstlern; daraus entstanden weitere Porträts u. a. von Marlene Dietrich, Maria Schell und Klaus Kinski.

    Mit ihrem vielgestaltigen Werk gehört Z., ähnlich wie etwa Hildegard Dreyer (1905–1999), Barbara Lüdecke (1913–2007) oder Ilse Steinhoff (1909–1974) zu den wichtigen Bildberichterstatterinnen der Weimarer Zeit und der frühen Nachkriegsjahre. Der schwierige Weg dieser Photographinnen in die berufliche Selbständigkeit wurde 1943 von Wolfgang Liebeneiner (1905–1987) in dem Spielfilm „Großstadtmelodie“ mit Hilde Krahl (1917–1999) in der Hauptrolle thematisiert.

  • Auszeichnungen

    |Ehrenstipendium d. Landes Berlin (1992).

  • Werke

    |u. a. Photogrr. Im Kreise ihrer Geschöpfe, undat., Abb. in: Käthe Kruse, Das gr. Puppenspiel, 1951, Nr. 44;
    Pressebildarchiv ullstein bild d. Ullstein-Verlags;
    – d. umfangreiche photogr. Nachlaß in d. Berlin. Gal./Fotograf. Slg. ebenso sowie d. Bestand v. Geschäftsunterlagen u. -korr. zu Käthe Kruse im Dt. Kunstarchiv GNM Nürnberg sind noch nicht erschlossen;
    Publ.: Neugestaltung d. Berliner Stadtbildes mit Hilfe d. Bildhauerei, hg. v. G. Anlauf, Fotos: H. Z., 1975;
    Ausst.: Materialskizze in d. Berlin. Gal. mit d. Kunststiftung Poll aus Anlass d. 100. Geb.tages v. H. Z. mit Material aus d. fotogr. Slg. (Nachlass H. Z.) d. Berlin. Gal. (Landesmus. f. Moderne Kunst, Fotogr. u. Architektur), 2009.

  • Literatur

    L e. wiss. Monogr. fehlt;
    L. Derenthal, Bilder d. Trümmer- u. Aufbaujahre, Fotogr. im sich teilenden Dtld., 1999;
    Frauenobjektiv, Fotografinnen 1940 bis 1950, hg. v. Haus d. Gesch. d. Bundesrep. Dtld., 2001, S. 147 (P);
    H. Z., Eine Berliner Fotografin d. 40er bis 60er J., Pressemitt. d. Kunststiftung Poll, 2009;
    A. Seubert, Die Schwarz-Weiß-Seherin, in: Tagesspiegel v. 10.11.2009.

  • Porträts

    |Photogrr. u. Presseausweis mit Lichtbild, 1960 (Kunststiftung Poll, Berlin).

  • Autor/in

    Lothar C. Poll
  • Zitierweise

    Poll, Lothar C., "Zenker, Hilde, verheiratete Buchholz" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 653-654 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143024.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA