Zeiss, Walter
- Lebensdaten
- 1873 – 1946
- Geburtsort
- Barntrup (Ostwestfalen-Lippe)
- Sterbeort
- Rottach-Egern
- Beruf/Funktion
- Industrieller
- Konfession
- -
- Namensvarianten
-
- Zeiss, Walter
- Zeiss, Walther
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Zeiss, Walter
| Industrieller, * 11.12.1873 Barntrup (Ostwestfalen-Lippe), † 15.10.1946 Rottach-Egern, ⚰ Rottach-Egern, Kirchenfriedhof (Grab aufgelöst).
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Genealogie
V →Emil (1833–1910), aus Stapelage/Lippe b. Hörste, ref. Pfarrer 1864 in B., 1876 Sup., 1886 Pfarrer in Heiligenkirchen. Zeichner, Maler (s. B. Meier, V. Scheef u. H. Stiewe, E. Z. 1833–1910, Ein lipp. Pfarrer u. Künstler, 2001;
BBKL 20), S d. →Wilhelm (1804–87), aus Spangenberg, ref. Pfarrer in Heiligenkirchen b. Detmold, u. d. Friederike Louise Nagel (1808–1887);
M Mathilde Klemme;
Urur-Gvv →Justus, Lehrer, Schulrektor in Treysa (Hessen), Komp., Musikschriftst.;
Ov →Louis Moritz (* 1838, ⚭ Donna Maria Antona Munizaga Pizarro), wanderte 1857 über d. USA n. Chile aus, Kaufm., dt. Konsul in Iquique (La Serena, Chile);
B →Alexander (1861–1938), ref. Pfarrer in Schwalenberg (s. BBKL 20);
– ⚭ Martha N. N. († 1997). -
Biographie
Nach dem Abitur in Detmold studierte Z. in München und Erlangen Chemie. Im Anschluß an die Promotion zum Dr. phil. in Erlangen mit der Arbeit „Ueber die Einwirkung von Halogenalkylen auf die Kaliumsalze der Amidobenzoesäuren“ 1900 war er bis 1908 für die „Hüstener Gewerkschaft“ als Betriebsleiter in Brilon Wald und Bruchhausen tätig und entwickelte Verfahren zur großindustriellen Gewinnung und Verarbeitung von Nebenprodukten der Holzverkohlung wie Methylalkohol, Formaldehyd und Essigsäure. 1908 übernahm Z. für die „Russische Aktiengesellschaft Schering. Chemische Fabriken“ mit Sitz in Moskau die Betriebsleitung für die Holzverkohlungsanstalt Wydriza bei Orscha (Belarus). Die russ. Aktiengesellschaft war eine Tochterfirma des Berliner Unternehmens „Chemische Fabrik auf Actien (vorm. E. Schering)“. Zu Beginn des 1. Weltkriegs meldete sich Z. als Oberleutnant der Reserve zum Kriegsdienst; nach Verwundung bei Diksmuide wurde er zum Dienst in der „Hauptstelle für die Chemische Industrie Belgiens“ unter →Bernhard Lepsius (1854–1934) eingesetzt und übernahm 1916 den Aufbau eines Werks zur Holzverkohlung in Gaynowka (Hajnówka, Polen).
Nach Kriegsende wechselte Z. nach Berlin in die „Chemische Fabrik auf Actien (vorm. E. Schering)“ und übernahm Verantwortung für die produktionstechnischen Belange des Unternehmens, ab 1921 als Vorstandsmitglied. Z. forcierte die Entwicklung der Kampferbetriebe durch den Aufbau eines neuen Werks in Finow und die Übernahme der „Rheinischen Kampferfabrik“ in Düsseldorf, so daß sich Schering zu einem der weltweit größten Kampferproduzenten entwickelte. Besondere Aufmerksamkeit richtete er auf den Ausbau der Forschung im Unternehmen, u. a.|durch die Einstellung von →Walter Schoeller (1880–1965), der 1923 die Leitung des Scheringschen Hauptlabors übernahm, und den Vertrag mit →Eugen Steinach (1861–1944), der ab 1924 als externer Forscher wichtige Impulse für den Aufbau der Hormonforschung, einem für das Unternehmen später zentralen Arbeitsgebiet, lieferte. Mit dem für die kaufmännischen Angelegenheiten verantwortlichen Vorstandskollegen →Julius Weltzien (1889–1950) baute Z. das Unternehmen zu einem weltweit tätigen Chemiekonzern aus: So übernahm er die Kontrolle über Produktion und Absatz der neuerworbenen Tochtergesellschaften wie „Alpine Chemische AG“, „Elchemie GmbH“, „Pfeilring-Werke“ sowie in den Photogesellschaften und die „Voigtländer AG“. Für die „Schering Chemical Works Ltd.“ in Großbritannien und in weiteren Auslandstochtergesellschaften übernahm Z. Geschäftsführer-, Vorstands- und Aufsichtsratsmandate. Nach der Fusion der „Chemischen Fabrik auf Actien (vorm. E. Schering)“ zur „Schering-Kahlbaum AG“ 1927 war Z. ebenfalls in deren Vorstand. 1933 wechselte er in den Aufsichtsrat und kontrollierte – auch nach der Fusion zur „Schering AG“ 1937 – insbesondere das Kampfergeschäft, sowie die süddt. und österr. Tochtergesellschaften. Nach dem Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat 1942 (NSDAP-Mitgl. 1940) blieb Z. dem Unternehmen als Berater verbunden.
Er war bis 1934 Vorstandsmitglied im „Verein zur Wahrung der Interessen der Chemischen Industrie Deutschlands“.
Die letzten Lebensjahre verbrachte Z. hauptsächlich in seiner Jagdhütte bei Bayrischzell, und überwachte die Kufsteiner Fabrik der Schering-Tochter „Alpine AG“, die eine wichtige Rolle in der Kriegswirtschaft spielte.
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Auszeichnungen
|E. K. II (1914).
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Werke
|Ausführungen d. Sachverständigen Dr. Z. über d. Produktions- u. Absatzverhältnisse d. Schering-Kahlbaum A.G., Berlin, in: Ausschuß z. Unters. d. Erzeugungs- u. Absatzbedingungen d. dt. Wirtsch. (Hg.), Die Dt. Ind., 1930, S. 429–41.
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Literatur
|Die chem. Ind., 1933, S. 238;
H. Holländer, Gesch. d. Schering Aktienges., 1955;
Ch. Kobrak, Nat. Cultures and Internat. Competition, The Experience of Schering AG, 1851–1950, 2002;
Rhdb. (P);
Wenzel;
Wi. 1935;
– Qu BA, Berlin Document Center;
Nachlaß: Schering Archiv d. Bayer AG (Heritage Communications, Schering Archives, P). -
Autor/in
Thore Grimm -
Zitierweise
Grimm, Thore, "Zeiss, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 629-630 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143019.html#ndbcontent