Zeileis, Valentin

Lebensdaten
1873 – 1939
Geburtsort
Wachenroth (Mittelfranken)
Sterbeort
Gallspach (Oberösterreich)
Beruf/Funktion
Heilmagnetiseur ; Elektrotherapeut ; Alternativmediziner
Konfession
mehrkonfessionell
Namensvarianten

  • Zeileis, Valentin Michael
  • Zeileis, Valentin
  • Zeileis, Valentin Michael

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Zitierweise

Zeileis, Valentin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143018.html [18.02.2026].

CC0

  • Zeileis, Valentin Michael

    | Heilmagnetiseur, Elektrotherapeut, Alternativmediziner, * 7.10.1873 Wachenroth (Mittelfranken), † 15.7.1939 Gallspach (Oberösterreich), ⚰ Gallspach (Oberösterreich). (katholisch, seit 1905 lutherisch)

  • Genealogie

    V Georg (1832–1903), Kesselschmied;
    M Barbara Hofmann (1838–1891);
    1) Nürnberg 1898 Helene Gundler (* 1878), 2) Wien 1905 Friederike (1872–1954), T d. Georg Mautner Rr. v. Markhof (1840–1904), Brauereiindustr. in Wien, Gründer e. Spiritus- u. Preßhefefabr. (s. NDB 16*; ÖBL), u. d. Karoline Charlotte Biehler (1845–1905);
    1 S aus 1) Friedrich (Fritz) G. (1898–1978), Dr. med., Arzt u. Leiter d. Inst. Zeileis in G.;
    E Valentin Rana (1934–2020), Dr. med., Facharzt f. Physikal. Med., Eigentümer u. 1976 Leiter d. Inst. Zeileis GesmbH &
    Co KG in G., 1973–89 Vors. d. Fachgruppe f. Physikal. Med. d. Oberösterr. Ärztekammer, Vors. d. Akademikerbunds d. Bez. Grieskirchen, 1984 Med.rat, 1999 Obermed.rat, 2006 österr. Prof. (s. L);
    Ur-E Martin (* 1964), Dr. med., 2016 Leiter d. Inst. Zeileis GesmbH &
    Co KG in G., Georg (* 1962), Geschäftsführer d. Inst. Zeileis.

  • Biographie

    Im Anschluß an eine Ausbildung zum Metalldrücker bei der Metallwarenfabrik Dannhorn in Nürnberg arbeitete Z. hier bei den Bing-Werken, die Blechspielzeug herstellten. Er bewegte sich in theosophischen, aber auch naturwissenschaftlichen Kreisen. Über Z.s frühe Lebensumstände ist wenig Gesichertes bekannt: Er soll u. a. als Versicherungsagent, Dompteur und Tierpfleger tätig gewesen sein. 1904 ging er nach Wien, wo er in eine wohlhabende Fabrikantenfamilie einheiratete und als Kunsthandwerker in der „Wiener Werkstätte“, einer Produktionsgemeinschaft bildender Künstler, arbeitete.

    Ein weiteres Betätigungsfeld, das Z. dank der finanziellen Unterstützung seiner zweiten Frau ausbaute, waren seit 1906 seine Versuche zur physikalischen Therapie mit hochfrequentem Wechselstrom. Z. galt in Wien als Heilmagnetiseur, bildete sich auf dem Gebiet der Elektrotherapie weiter und richtete sich ein strahlentherapeutisches Laboratorium ein.

    Diese Versuche und das Selbststudium ermöglichten Z., sich hauptberuflich als elektrophysikalischer Therapeut zu etablieren, der eine wachsende Anzahl an Patienten behandelte, die unter den verschiedensten Krankheiten litten. Z.s Hochfrequenztherapie beruhte auf Nikola Teslas Apparaturen sowie Erfahrungen durch Jacques-Arsène d’Arsonval, der Wechselströme hoher Spannung und Frequenz erstmals medizinisch angewandt hatte. 1920 verlegte Z. seine erfolgreiche heilkundliche Tätigkeit nach Gallspach, wo er 1912 das Wasserschloß erworben hatte. Der Einsatz moderner technischer Hilfsmittel zur Diagnose (Geißlerröhre) und Therapie (Tesla-Spule), der abgedunkelte Behandlungsraum in dem ländlichen Schloß und das spektakuläre, immer gleichbleibende, wenig durch|schaubare Behandlungsschema sowie Z.s charismatisches Auftreten entwickelten ein hohes suggestives Potential. Aus dem In- und Ausland reisten Patienten an, von denen in Hoch-Zeiten bis zu 2000 täglich behandelt wurden, womit sich Gallspach zu einem international bekannten Kurort entwickelte. Z.s heilkundliches Wirken wurde von bedeutenden Ärzten wie Julius Wagner-Jauregg (1857–1940) sowie staatlichen Gesundheitsbehörden häufig als Kurpfuscherei und Scharlatanerie angesehen; im Zuge der Diskussionen um die Wirksamkeit der Therapie kam es zu juristischen Auseinandersetzungen, und es entstanden zahlreiche Broschüren, Erfahrungsberichte, eine breite mediale Öffentlichkeit und Nachahmer-Institutionen. Z. gelang die Erweiterung der Praxis und 1929 der Neubau des „Instituts Zeileis“, in das 1924 sein Sohn Friedrich eingetreten war und das unter Leitung von Z.s Nachfahren bis heute als „Zeileis Gesundheitszentrum“ (elektro-)physikalische und alternativmedizinische Therapien anbietet.

  • Auszeichnungen

    |Ehrenbürger v. Gallspach (1926);
    V.-Z.-Str., Gallspach (1956).

  • Literatur

    |Wiener Ztg. Nr. 107 v. 9.5.1954, S. 6;
    A. Holter, 30 J. Gallspach, 1956, S. 20 f.;
    W. Sperner, V. Z., Interessante Heilungsmethoden in Gallspach, in: Oberösterreicher II, 1982, S. 118–27;
    Valentin Rana Zeileis, Das Wirken d. Fam. Z. in Gallspach, in: W. Perr u. a., 550 J. Markt Gallspach, 1989, S. 112–14;
    H. Neiß, 100 J. Wiener Werkstätte, 2004, S. 128;
    G. Fahr-Becker, Wiener Werkstätte, 2008, S. 160;
    A. u. W. Aspernig, Schloßgeschichten, Region Wels-Hausruck, 2010, S. 133–40;
    D. Körner, Die Wunderheiler d. Weimarer Rep. (1918–1933), 2012, S. 41–57 (P);
    W. Perr, Gde.chron. v. Gallspach 3, 2014, S. 716–20 (P); - Qu Schularchiv Gallspach, Heimatbuch, o. J.;
    Pfarrchron. Gallspach, S. 31 ff.;
    StA Bamberg, Auswanderungsakten d. Bez.-/Landratsamtes Höchstadt/Aisch.

  • Porträts

    |Gem. v. O. Richter, 1924/25;
    Büste v. F. Strahammer, 1970er J. (beide Gesundheitszentrum Zeileis, Gallspach).

  • Autor/in

    Werner E. Gerabek
  • Zitierweise

    Gerabek, Werner E., "Zeileis, Valentin Michael" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 622-623 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143018.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA