Zeiger, Ivo

Lebensdaten
1898 – 1952
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Jesuit ; Kanonist ; Diplomat
Konfession
katholisch
Namensvarianten

  • Zeiger, Ivo Aloysius
  • Zeiger, Ivo
  • Zeiger, Ivo Aloysius

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Zitierweise

Zeiger, Ivo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143017.html [19.03.2026].

CC0

  • Zeiger, Ivo Aloysius

    | Jesuit, Kanonist, Diplomat, * 29.7.1898 Mömbris (Unterfranken), † 24.12.1952 München, ⚰ Pullach, Friedhof des Berchmannskollegs der Jesuiten.

  • Genealogie

    V Karl, Schneider in Mömbris;
    M Adelheid, T d. Konrad Fischer u. d. Dorothea Mark;
    Om Ivo Fischer (1881–1937), Sekr. d. Würzburger Bischöfe Ferdinand v. Schlör u. Matthias Ehrenfried, Domkapitular in Würzburg, päpstl. Geh.kämmerer, bfl. Geistl. Rat, Archivar u. Bibl. d. bfl. Ordinariats in Würzburg, Gründungsmitgl. u. Erster Vors. d. Würzburger Diözesangesch.ver., Taufpate Z.s (s. Würzburger Diözesangesch.bll. 6, 1938/39, S. VII f.).

  • Biographie

    Z. besuchte 1905–10 die Volksschule in Mömbris, danach das Humanistische Gymnasium in Aschaffenburg und das Neue Gymnasium in Würzburg. Nach dem Abitur wurde er im Nov. 1916 zum Kriegsdienst als Infanterist an der Westfront eingezogen und zweimal verwundet. Kurz vor Kriegsende geriet er in franz. Gefangenschaft. Nach der Entlassung und kurzzeitigem Einsatz als Freikorpskämpfer begann er Anfang 1920 in Würzburg ein Jurastudium (Mitgl. d. Normannia Würzburg), trat jedoch 1921 dem Jesuitenorden bei, absolvierte zu Feldkirch in der Oberdt. Provinz des Ordens das Noviziat und wechselte anschließend zum ordenseigenen Studium der Philosophie und Theologie nach Innsbruck. Am 29.7.1928 durch Kard. Michael v. Faulhaber (1869–1952) zum Priester geweiht, studierte Z. Kirchenrecht an der Jesuitenuniv. Gregoriana in Rom und wurde hier 1930 zum Dr. iur. can., 1931 bei den Jesuiten in Innsbruck zum Dr. theol. promoviert. Gleichzeitig wurde er zum Professor für Geschichte des Kirchenrechts an die Gregoriana berufen und erhielt einen Lehrauftrag am Ignatiuskolleg in Valkenburg (Niederl.).

    Nach Ablegung der feierlichen Ordensgelübde (15.8.1938) mit der Leitung des Collegium Germanicum et Hungaricum in Rom betraut, organisierte er dort den 1944 fertiggestellten Neubau des Kollegs an der Via di S. Nicola da Tolentino. 1944/45 unterstützte Z. im Auftrag von Papst Pius XII. als Dolmetscher und Unterhändler den Titular-Ebf. Antonio Riberi bei der seelsorgerlichen Betreuung dt. Kriegs- und Zivilgefangener in südital. Lagern der Alliierten und sorgte mit diplomatischem Geschick für die Entlassung vieler Internierter. Im Sept. 1945 erkundete er als päpstlicher Sonderbeauftragter bei einer Reise zu den Bischöfen Deutschlands und Österreichs die Situation der kath. Kirche nach Kriegsende. Ergebnis dieser Reise, bei der sich Z. nur in der USamerik. und franz. Zone einigermaßen frei bewegen konnte, war die Errichtung einer Vatikan. Mission in Kronberg (Taunus), unweit des amerik. Hauptquartiers in Frankfurt/M., als zentraler Kontaktstelle zwischen dt. Episkopat und Vatikan unter der Leitung des dt.stämmigen US-amerik. Bf. Aloysius Joseph Muench (1889–1962) als päpstlichen Visitators. Z. wurde sein wichtigster Mitarbeiter bei der Betreuung von Gefangenen und nach Deutschland verschleppten Zwangsarbeitern (Displaced Persons), beim Suchdienst, in Flüchtlingsfragen, bei der Vermitt|lung zu den Besatzungsmächten, bei der Organisation päpstlicher Hilfslieferungen für die notleidende Bevölkerung (950 Güterwaggons mit Lebensmitteln, Kleidung, Wäsche etc. 1946–49) wie bei der Beratung der Bischöfe in rechtlichen Fragen, v. a. im Zusammenhang mit den Verfassungsberatungen in den einzelnen westdt. Ländern, und bei der Suche nach geeigneten Bischofskandidaten, vornehmlich ehemaligen Germanikern ganz im Sinne Pius’ XII. Nach der Akkreditierung Bf. Muenchs als Nuntius und der Einrichtung der Nuntiatur in Bad Godesberg bat Z. wegen gesundheitlicher Probleme infolge eines Herzinfarkts im Mai 1951 um seine Entlassung. 1952 wurde Z., der 1948 zu den Gründern der Gesellschaft Kath. Publizisten Deutschlands e. V. gezählt hatte, von seinen Ordensoberen zum Schriftleiter der in München erscheinenden Jesuitenzeitschrift „Stimmen der Zeit“ bestellt, doch starb er bereits acht Monate später.

    Aufsehen erregte Z.s Rede „Die religiös-sittliche Lage und die Aufgabe der deutschen Katholiken“ auf dem (72.) Katholikentag in Mainz 1948, in der er mit der These „Deutschland ist Missionsland“ die Öffentlichkeit auf die schwierige Lage der Katholiken zumal in Ostdeutschland aufmerksam machte. Z. erwarb sich durch seinen unermüdlichen Einsatz als päpstlicher Sonderbeauftragter und engster Mitarbeiter Bf. Muenchs große Verdienste um den inneren Wiederaufbau der kath. Kirche in den Anfängen der Bundesrepublik.

  • Auszeichnungen

    |I.-Z.-Schule u. I.-Z.-Haus, Mömbris.

  • Werke

    |Historia Iuris Canonici, 2 Bde., 1939/40, Nachdr. 1947;
    Seelisches Werden u. erstes Wirken d. Exerzitien, 1925;
    Kulturwende u. kath. Weltauffassung, 1946;
    Um d. Zukunft d. kath. Kirche in Dtld., in: Stimmen d. Zeit 141, 1947/48, S. 241–52.

  • Literatur

    |Mitt. d. dt. Prov. d. Ges. Jesu 17, 1955, H. 3, S. 347–53;
    F. Hillig, in: Aschaffenburger Jb. f. Gesch., Landeskde. u. Kunst d. Untermaingebietes 3, 1956, S. 468–70;
    Markt- u. Pfarrgde. Mömbris (Hg.), Pater I. Z. SJ 1898–1952, Zur Wiederkehr seines 25. Todestages am 24. Dez. 1977, 1977 (darin u. a.: I. Z., Sein Leben, v. ihm selbst erz., u. L. Volk SJ, Zw. Ursprung u. Ferne);
    E. Giebel, Pater I. Z., 1978;
    Th. Kramer, in: Würzburger Diözesan-Gesch.bll. 40, 1978, S. 173 f.;
    H. Kirchner, Das Papsttum u. d. dt. Katholizismus 1870–1958, 1992, S. 120;
    H. Alsheimer, Der Vatikan in Kronberg, Ein Unikat in d. dt. Nachkriegsgesch., 2003;
    LThK³;
    BBKL 22;
    Biogr. Lex. KV (P).

  • Autor/in

    Manfred Weitlauff
  • Zitierweise

    Weitlauff, Manfred, "Zeiger, Ivo Aloysius" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 621-622 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143017.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA