Zehnder, Alfred
- Lebensdaten
- 1900 – 1983
- Geburtsort
- Moskau
- Beruf/Funktion
- Diplomat
- Konfession
- reformiert
- Namensvarianten
-
- Zehnder, Alfred
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Zehnder, Alfred
| Diplomat, * 11.4.1900 Moskau, † 14.1.1983 Horgen (Kanton Zürich). (reformiert)
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Genealogie
V Jakob Emil, techn. Leiter d. russ. Fabrik v. Geigy, Kaufm., Untern. in M. (s. W. Dettwiler, 25 J. Novartis, 2021, S. 36);
M Helene Ida Jenny Friedrich;
2 B Emil (1902–86), Boris (* 1905), Schw Helene Olga Edwine (1898–1984);
– ⚭ 1) 1923 Olga (1898–1956), aus St. Petersburg, zuletzt in Bern, T d. Johann Jacob Eymann (* 1862), aus Linden (Kt. Bern), u. d. Adele Wilhelmine Holst (* 1883), 2) 1961 Lucie E. Opprecht (1928–2021), aus H., übergab 1989 Z.s Nachlaß d. Archiv f. Zeitgesch. an d. ETH Zürich;
T aus 1) Helene Olga Sylvia (1931–1986). -
Biographie
Z. wurde als Auslandschweizer im Russ. Reich in einer wohlhabenden Industriellenfamilie geboren. Er besuchte die Reformierte Schule in Moskau, wo er im März 1918 das Maturitäts-Examen ablegte. Im Juli 1918 flüchtete er als erster seiner Familie vor dem russ. Bürgerkrieg nach Zürich und holte hier die dt.sprachige Maturität nach. Sein 1919 an der Univ. Zürich begonnenes Studium der Volkswirtschaft und des Staatsrechts schloß er 1922 mit der Promotion zum Dr. rer. pol. aufgrund der Dissertation „Die inländische und ausländische Kaufkraft des Geldes in den Jahren 1914 bis 1922“ (1923) ab. Zurück in der Schweiz, fand er zunächst keine angemessene Anstellung und war anfangs in der Seidenindustrie tätig. 1925 trat er mit der Amtsbezeichnung Kanzler in Sofia in den diplomatischen Dienst ein, stieg 1928 zum Kanzleisekretär und 1933 zum Verweser und Konsularattaché auf. Bei der Eröffnung der schweizer. Gesandtschaft in Sofia 1937 wurde Z. zum Gesandtschaftssekretär und Geschäftsträger ad interim ernannt. In dieser Zeit betrieb er intensive Lobbyarbeit bei den höchsten Regierungsstellen in Sofia für Schweizer Waffengeschäfte. Seit 1938 amtierte Z. als Gesandtschaftssekretär in Ankara und kehrte Anfang 1941 nach Bern zurück, wo er in der politisch einflußreichen Abteilung für Auswärtiges des Eidgenössischen Politischen Departements (EPD) tätig war, seit 1942 als Legationsrat. In dieser Position war Z. ab April 1942 in der Gesandtschaft in Berlin als Handelsbeauftragter für die wichtigen Wirtschaftsbeziehungen mit dem Deutschen Reich zuständig. Nach der Abberufung des Gesandten Hans Frölicher (1887–1961) 1945 stand die Gesandtschaft in Z.s Verantwortung. Während der Schlacht um Berlin verblieb er mit der Gesandtschaft in einem Außenbezirk der Stadt, um mit einem kleinen Stab die Schweizer Kolonie zu unterstützen und die Sicherheit des Personals zu gewährleisten.
Nach Kriegsende wurde Z. als Chef der schweizer. Delegation an die UNO-Generalversammlung nach New York entsandt und zum Minister befördert. 1946 schuf Außenminister Max Petitpierre (1899–1994) für Walter Stucki (1888–1963), seit den 1930er Jahren der starke Mann im Außenministerium, den Sonderposten des Delegierten des Bundesrats für Spezialmissionen und wählte Z. zu dessen Nachfolger als Chef der Politischen Abteilung des EPD. Z.s Einfluß wurde 1954 verstärkt mit der Schaffung der neuen Funktion des Generalsekretärs des EPD für ihn, womit Z. auch formell ranghöchster Beamter im Außenministerium war und maßgeblichen Anteil an dessen Reorganisation hatte. Er war einer der einflußreichsten Schweizer Diplomaten der ersten zwei Dekaden der Nachkriegszeit und verkörperte zugleich die Generation von Diplomaten, die eine Aufarbeitung der Geschichte der Schweizer Neutralität und ihrer Rolle im 2. Weltkrieg zu verhindern und Kritik zu entkräften versuchte. 1957–61 war Z. Botschafter in der UdSSR und galt international als Sowjet-Experte. 1961/62 amtierte er als Botschafter in Kanada und von 1963 bis Anfang 1966 in den USA.
Nach Beendigung seiner diplomatischen Karriere engagierte er sich als Präsident der Federation of American Swiss Societies und bis 1973 als Zentralpräsident der Schweizer. Gesellschaft für die Vereinten Nationen für den 2002 erfolgten UNO-Beitritt.
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Werke
|Die aussenpol. Lage d. Schweiz am Ende d. Zweiten Weltkrieges, in: L.-E. Roulet, M. Surdez u. R. Blättler (Hg.), Max Petitpierre, Seize ans de neutralité active, Aspects de la politique étrangère de la Suisse, 1945–1961, 1980, S. 13–32.
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Quellen
Qu – Nachlaß: Archiv f. Zeitgesch., Zürich; Schweizer. BA, Bern, Handakten Min. A. Z.; Eidgenöss. Pol. Dep.; Dipl. Dok. d. Schweiz (P) (Internet).
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Literatur
|HLS.
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Autor/in
Sacha Zala, Noirin Rice -
Zitierweise
Zala, Sacha; Rice, Noirin, "Zehnder, Alfred" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 618 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143015.html#ndbcontent