Lebensdaten
1888 bis 1963
Geburtsort
Bern
Sterbeort
Bern
Beruf/Funktion
Diplomat ; Schweizer Nationalrat
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 130044857 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stucki, Walter
  • Stucki, Walter Otto
  • Stucki, Walther
  • mehr

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Zitierweise

Stucki, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130044857.html [21.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Gottlieb (1834–1908, Mittellehrer;
    M Luise (?) Rothacher;
    Gertrud, T d. Hermann Sahli (1856–1933, o. Prof. f. Innere Medizin in B., 1888–1929 Dir. d. med. Klinik d. Inselspitals ebd., 1913 Ehrenburger d. Burgergde. Bern, Dr. h. c. (Genf, Dublin), Marcel-Benoist-Preis 1927 (s. Fischer; HLS), u. d. Olga Wilhelmine Leibundgut;
    2 S Jürg, Geiger, Lorenz, Journalist, 1 T Evy; Gvv d. Ehefrau Christian Sahli (1825–97, Advokat, 1858–61 Reg.rat in B., 1858–63 Nat.rat, zw. 1864 u. 1885 mehrfach Ständerat, 1880–81 Präs., zw. 1869 u. 1896 Grossrat in B. (s. HLS).

  • Leben

    S. besuchte das Realgymnasium und seit 1908 die Universität in Bern, wo er Jurisprudenz und Volkswirtschaft studierte und 1912 das Fürsprecherpatent erwarb. Danach folgten Studienaufenthalte in München, Paris und London. Zuerst als Anwalt in Bern in der Kanzlei des späteren Bundesrats Karl Scheurer (1872–1929) tätig, wurde er 1917, gefördert von Bundesrat Edmund Schulthess|(1868–1944), zum Generalsekretär im Eidgenöss. Volkswirtschaftsdepartement (EVD) ernannt. 1919–25 arbeitete S. wieder als Anwalt in der Kanzlei Mosimann & Stucki, 1925 ernannte ihn der Bundesrat zum Direktor der Handelsabteilung im EVD, wo er bis 1935 die Außenwirtschaftspolitik der Schweiz maßgeblich bestimmte. Er führte mehrere internationale Handelsverhandlungen für die Schweiz, u. a. 1927 als Leiter der Delegation bei der Weltwirtschaftskonferenz in Genf. S. übernahm auch verschiedene internationale Mandate, so leitete er 1933 den Wirtschaftsrat des Völkerbundes. Aufgrund dieser Tätigkeiten beschloß der Bundesrat 1933 die außerordentliche Beförderung S.s zum Minister. Unter seiner harten Verhandlungsführung wurde das staatliche Clearingsystem der Schweiz entwickelt, insbesondere 1934 mit einem Vertrag mit Deutschland.

    Seit 1935 vertrat S. die Freisinnig Demokratische Partei (FDP) des Kt. Bern im Nationalrat, mußte deshalb als Beamter zurücktreten, wurde aber zum Außenhandelsbeauftragten des Bundesrats ernannt. Er agierte im Parlament eigenständig und profiliert, wehrte sich gegen Einschränkungen der Demokratie und forderte die Beteiligung der Sozialdemokraten in der Landesregierung. Bürgerliche Kreise warfen ihm deshalb „Volksfrontgedanken“ vor. Aufgrund dieser Angriffe trat er 1937 von seinem Mandat zurück und übernahm 1938 das Amt des schweizer. Gesandten in Paris. Nach der Niederlage Frankreichs gegen das nationalsozialistische Deutschland zog S. mit der Schweizer Gesandtschaft nach Vichy. Hier verband ihn eine vertrauensvolle Beziehung mit Marschall Pétain. Durch geschickte Verhandlungen zwischen franz. Partisanen, dt. Verbänden und den Alliierten Streitkräften trug er maßgeblich dazu bei, die Stadt Vichy vor der Zerstörung zu bewahren.

    1945 wurde er Leiter der Abteilung für Auswärtige Angelegenheiten des Eidgenössischen Politischen Departements (EPD). In dieser Funktion war S. der starke Mann in den Verhandlungen mit den Alliierten (Currie-Mission), die die Unterbrechung der Finanz- und Wirtschaftsbeziehungen mit dem nationalsozialistischen Deutschland forderten. In der Folge verpflichtete sich die Schweiz, dt. Vermögenswerte zu sperren sowie den Außenhandel mit Deutschland auf ein Minimum zu reduzieren.

    Nach Schwierigkeiten mit dem neuen Vorsteher des EDP, Bundesrat Max Petitpierre (1899–1994), wurde S. 1946 aus der Führung des Departements in das eigens für ihn geschaffene Amt des Delegierten des Bundesrats für Spezialmissionen wegbefördert. 1947 vertrat er die Schweiz auf der Welthandelskonferenz in Havanna. Wesentliche diplomatische Erfolge erzielte S. auch mit dem Washingtoner Abkommen (1946) und dem Londoner Abkommen über die dt. Auslandschulden (1952). Trotz des schlechten Images der Schweiz wegen der wirtschaftlichen Verbindungen zum nationalsozialistischen Deutschland gelang es ihm, für die Schweiz vorteilhafte oder überraschend milde Wirtschaftsabkommen auszuhandeln.

    1953–55 war S. Schweizer Delegierter im Verwaltungsausschuß des Internationalen Eisenbahnzentralamtes, 1956–60 Präsident der Expertenkommission für die Prüfungen der Anwärter in den diplomatischen Dienst der Schweiz. Mit der Initiierung eines neuen Aufnahme- und Prüfungsverfahrens für Diplomaten setzte er nachhaltige Qualitätsstandards im EPD durch.

    S. prägte die schweizer. Außenhandelspolitik und Wirtschaftsdiplomatie von den 1920er Jahren bis in die Zeit des Kalten Krieges nachhaltig. National und international galt er als Spitzendiplomat mit außergewöhnlicher Intelligenz, Hartnäckigkeit und Durchsetzungskraft, jedoch auch als eigensinnige, autoritäre, teilweise arrogant empfundene Persönlichkeit. Die Presse schätzte seine prägnanten und gut verständlichen Darstellungen komplexer Zusammenhänge.

  • Auszeichnungen

    A Dr. h. c. (Basel 1933).

  • Werke

    25 J. schweizer. Außenhandelspol., in: Festgabe f. Bundesrat Dr. h. c. Edmund Schulthess z. 70. Geb.tag am 2. März 1938, 1938, S. 123–43;
    Von Pétain z. vierten Rep., Vichy 1944, Ein Dokument aktiver Neutralität, 1947 (P);
    – Nachlaß: Schweizer. BA.

  • Literatur

    T. Kaestli, Selbstbezogenheit u. Offenheit, Die Schweiz in d. Welt d. 20. Jh., 2005;
    M. Perrenoud, Banquiers et diplomates suisses (1938–1946), 2011;
    HLS.

  • Autor/in

    Sacha Zala
  • Empfohlene Zitierweise

    Zala, Sacha, "Stucki, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 616-617 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130044857.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA