Zahrnt, Heinz

Lebensdaten
1915 – 2003
Geburtsort
Kiel
Sterbeort
Soest
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe ; theologischer Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Namensvarianten

  • Zahrnt, Heinz Friedrich Bernhard
  • Zahrnt, Heinz
  • Zahrnt, Heinz Friedrich Bernhard

Vernetzte Angebote

Verknüpfungen

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Zahrnt, Heinz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143002.html [11.02.2026].

CC0

  • Zahrnt, Heinz Friedrich Bernhard

    | evangelischer Theologe, theologisch Schriftsteller, * 31.5.1915 Kiel, † 1.11.2003 Soest, ⚰ Soest, Osthofenfriedhof.

  • Genealogie

    V Julius (1885–1951), Prokurist, Bankdir. in K., S d. Hermann Johann Ludwig Heinrich, Schlosser in Altona b. Hamburg, u. d. Elise Catharina Michelsen;
    M Margareta Neumann (1886–1961);
    1) Kiel 1939 Ursula Pirscher (1914–1983), ev. Theol., 2) Kiel 1985 Dorothee Merseburger-Z. (* 1932), Buchhändlerin;
    4 S Michael (* 1940), 1982–2005 Prof. f. Alte Gesch. in Köln, (Hanns-)Christoph (* 1944), Jur., Dipl.-Volkswirt in Neckargemünd, (Ulf-)Thomas (* 1946), Berufsoffz., Sebastian (* 1954), Neurol. u. Psychiater in Berlin.

  • Biographie

    Z. besuchte 1924–33 die Kieler Gelehrtenschule und studierte anschließend bis 1938 hier, in Marburg und Tübingen ev. Theologie, Philosophie und Geschichte (Mitgl. d. Pfarrernotbunds 1933 u. d. Bekennenden Kirche). 1939 zum Pfarrer ordiniert, war er danach Leiter des Theol. Studienhauses an der Univ. Wien. Nach dem Kriegsdienst 1941–45 ging Z. als Pfarrer nach Rosenheim, bevor er 1946 als Hochschulpfarrer nach Kiel zurückkehrte. 1949 wurde Z. mit der Arbeit „Luther deutet Geschichte, Erfolg und Mißerfolg im Licht des Evangeliums“ (1952, Geleitwort v. H. Lilje) bei Hans v. Campenhausen (1903–89) an der Univ. Heidelberg zum Dr. theol. promoviert. Ein Jahr später übernahm er die Chefredaktion bei dem 1948 von Bf. Hanns Lilje (1899–1977) gegründeten „Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt“ (DAS) in Hamburg, die er bis 1975 innehatte; die Stelle als Hochschulpfarrer gab er 1951 auf. Unter Z.s Leitung wurde das DAS zu einem wegweisenden Publikationsorgan des dt. Protestantismus.

    Als langjähriges Präsidiumsmitglied (1960–99) sowie Präsident (1971–73) prägte Z. den Dt. Ev. Kirchentag in der Nachkriegszeit entscheidend mit. Mit Reinold v. Thadden-Trieglaff (1891–1976), Klaus v. Bismarck (1912–97), Erhard Eppler (1926–2019) und anderen setzte sich Z. hier besonders dafür ein, der Laienbewegung in und gegenüber der Amtskirche eine Stimme zu geben. Seit 1985 lebte Z. in Soest (Westfalen).

    Wegen seiner journalistischen Beiträge, v. a. aber wegen seines Schaffens als theol. Schriftsteller und gefragter Vortragsredner gilt Z. als eine bedeutende Stimme des dt. Protestantismus nach 1945. Z.s Werke erzielten Auflagen von mehr als 500 000 Exemplaren, wurden mehrfach übersetzt und erreichten aufgrund ihrer einfachen, bildhaften Sprache ein breites Publikum. In seinem bekanntesten Band, „Die Sache mit Gott, Die protestantische Theologie im 20. Jahrhundert“ (1966, zahlr. Neuausgg., niederl. 1967, engl., 1969, franz. 1969, ital. 1969, norweg. 1970, span. 1972, ungar. 1997), stellte Z. die moderne Theologie in ihren Zusammenhängen mit den Diskussionen von Philosophie und Gesellschaft im 20. Jh. dar, wobei ihm die Berücksichtigung der Religionskritik Feuerbachs, Hegels und anderer ein zentrales Anliegen war. Wiederholt setzte sich Z. auch mit dem Marxismus auseinander. Sein eigenes, seinerzeit unkritisches Verhältnis zum Nationalsozialismus hatte er bereits 1947 kritisch in seinem fiktiven Dialog „Der Mensch an der Grenze“ hinterfragt. 1978 wandte sich Z. in einem offenen Brief an den baden-württ. Ministerpräsidenten Hans Filbinger (1913–2007), v. a. weil ihn dessen Unfähigkeit zu trauern, betroffen gemacht habe. Z. schrieb, er wittere das „alte deutschnationale Syndrom aus obrigkeitlichem Denken, Eintreten für Zucht und Ordnung, nationalem Ehrgeiz und politischer Kompromißlosigkeit“.

    In seinen Artikeln, Büchern, Lesungen, Vorträgen und Interviews in Zeitungen und Hörfunk ging es Z. darum, christlichen Glauben und moderne Welt ins Gespräch zu bringen.

    Kritik erntete er dabei v. a. aus den bibeltreuen Kreisen der ev. Kirche, denen sein offener Umgang mit biblischen Texten häufig als ketzerisch erschien. Bis heute gilt Z. als begnadeter Übersetzer komplexer theologischer Fragen in klar rezipierbare Sprache.

  • Auszeichnungen

    |BVK I. Kl. (1988);
    Verdienstorden d. Landes NRW (1999);
    Mitgl. d. P.E.N.-Zentrums Dtld. (seit 1971).

  • Werke

    |Es begann mit Jesus v. Nazareth, Die Frage n. d. hist. Jesus, 1960, zahlr. Neuausgg., engl. 1963, niederl. 1967, ital. 1972;
    Warten auf Gott, Kirche vor d. Ref., 1961, franz. 1970, ital. 1973, Philos. u. Offenbarungsglaube, Ein Zwiegespräch, 1963, japan. 1966, ital. 1971 (mit K. Jaspers);
    Gott kann nicht sterben, Wider d. falschen Alternativen in Theol. u. Ges., 1970, zahlr. Neuausgg., engl. 1971, franz. 1971, span. 1971, niederl. 1973;
    Wozu ist d. Christentum gut?, 1972, ²1978, span. 1974, franz. 1976;
    Martin Luther, Reformator wider Willen, 1986, Neuaufl. 2000;
    Jesus aus Nazareth, 1987, zahlr. Neuausgg., ital. 1990, portugies. 1992, franz. 1996;
    Mutmaßungen über Gott, 1994, Neuausg. 2000;
    Glaube unter leerem Himmel, 2000;
    Neuausg. 2002;
    Gott kann nicht sterben, Das H.-Z.-Lesebuch, hg. u. eingel. v. M. Käßmann, 2015 (P);
    Nachlaß: Dorothee Merseburger-Zahrnt, Soest.

  • Literatur

    |A. Fermet, in: ders., Théologies d’aujourd’hui, 1973, S. 185–234;
    R. Ludwig, Den Glauben aufklären, in: Wie sie wurden, Was sie sind, Zeitgenöss. Theologinnen u. Theologen im Portrait, hg. v. L. Bauerochse u. K. Hofmeister, 2001, S. 30–43;
    A. u. Th. O. H. Kaiser (Hg.), Gott u. Mensch, Theol. Gespräche mit Wolfgang Huber, Dorothee Sölle, Jürgen Gohde, Jacques Gaillot, Gerd Lüdemann, Norbert Greinacher, Rolf Koppe, H. Z., 2002, S. 103–07;
    A. Brummer, Theologe u. Journalist H. Z., Wer streitet, sucht d. Wahrheit, in: Chrismon v. 27.4.2015 (P);
    S. Windmann, Interview mit Margot Käßmann, „Ich freue mich auf Schleswig“, in: Schleswiger Nachrr. v. 29.5.2015;
    M. Käßmann im Gespräch mit A. Main, H. Z. war kein pol. Theol., in: Dtld.funk, 29.6.2015 (Rundfunkbtr.);
    BBKL 24 (W, L);
    LThK³;
    Hamburg. Biogr. IV;
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);
    Westfäl. Autorenlex. IV (P);
    Munzinger.

  • Autor/in

    Margot Käßmann
  • Zitierweise

    Käßmann, Margot, "Zahrnt, Heinz Friedrich Bernhard" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 591-592 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143002.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA