Yva( Pseudonym)
- Lebensdaten
- 1900 – 1942
- Geburtsort
- Berlin
- Beruf/Funktion
- Photographin
- Konfession
- jüdisch
- Namensvarianten
-
- Neulaender-Simon, Else Ernestine (verheiratete)
- Neulaender, Elsa Ernestine( geborene)
- Yva( Pseudonym)
- yva
- Neulaender-Simon, Else Ernestine (verheiratete)
- neulaender-simon, else ernestine
- Neulaender, Elsa Ernestine( geborene)
- neulaender, elsa ernestine
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- Kroner, Friedrich
- Marcus, Elli/verheiratete
- Moortgat, Elisabeth Alexandra
- Newton, Helmut
- Riess, Frieda
- Schenker, Karl
- Schneider, Ernst
- Sonja Kogan (1908 – nach 2005)
- Weidler, Charlotte
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Yva (bis 1925 eigentlich Else Ernestine Neulaender-Simon, geborene Neulaender)
| Photographin, * 26.1.1900 Berlin, † (ermordet) 13.6.1942 oder später Sobibór. (jüdisch)
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Genealogie
V →Siegfried Neulaender († vermutl. 1907), aus Oberschlesien (Beuthen?), Kaufm.;
M →Jenny († vermutl. 1934/35), aus B., Modistin, 1904–23/24 Bes. e. Putz- u. Modegeschäfts in d. Charlottenstr., B.-Kreuzberg, T d. →Otto A. Koch, Kaufm., vorm. Bes. dieses Geschäfts;
4 B →Fritz N. (* vermutl. 1887), Kaufm., →Ernst N. (1891–1942), Mitinh. d. Modehauses A. Kuhnen in B., Robert N. (vermutl. 1895 – v. 13.6.1942), Willi N. (vermutl. 1897/98 – v. 13.6.1942), 4 Schw →Lucie Schnitzer (1884 – n. 1946), emigrierte n. Südafrika, Käthe N. (1886–1942 in Riga ermordet), Gertrud Gotthelf (1888–1942 in Riga ermordet), →Charlotte Mayer (1893 – n. 1945), emigrierte in d. USA;
– ⚭ Berlin 1934 →Alfred Simon (1889–1942 in Sobibór ermordet), Kaufm. (s. Qu);
N →Wilhelm Gotthelf (William Godwin) (1923?–2010?), Ind.photogr. -
Biographie
Y. wuchs in einem liberalen Elternhaus in Berlin-Schöneberg/Kreuzberg in finanziell bescheidenen Verhältnissen auf und besuchte vermutlich eine Schule in der Umgebung.
Wohl um 1920 machte sie eine photographische Lehre im Atelier der Photographenmeisterin →Suse Byk (1884–1943) am Kurfürstendamm. 1925 eröffnete Y. ihr erstes Atelier in der Friedrich-Wilhelm-Str. 17 (heute Klingelhöferstr.), Berlin-Tiergarten, und nahm den Künstlernamen Yva an. Mit Experimental-, Portrait-, Reklame- und Modephotographien wurde sie schnell bekannt. 1926 experimentierte sie kurze Zeit zusammen mit dem Maler →Heinz Hajek-Halke (1898–1983), dem sie das Photographieren beibrachte. Es entstanden die von Y. so genannten „synoptischen“ Photographien, Mehrfachbelichtungen, mit bis zu sieben Belichtungen auf einer Platte.
Damit gehörte Y. zur Avantgarde der Photographenszene und erregte Aufmerksamkeit auch in Photographenkreisen und in der Presse. Ihre technisch beeindruckenden und ausdrucksstarken Aufnahmen wie „Sister G“ (1926) und „Charleston“ (1926/27), die das Berliner Vergnügungsleben thematisierten, wurden in Fachzeitschriften veröffentlicht und besprochen.
Y. nutzte die Technik der Mehrfachbelichtung auch zum Entwurf von Plakaten und Werbeanzeigen. Die Redaktionen der Illustrierten und Magazine wie „Die Dame“, „Uhu“, „Revue des Monats“, „Scherls Magazin“, „Der Querschnitt“, „Berliner Illustrirte Zeitung“, „Münchner Illustrierte Presse“ ,|„Elegante Welt“, „Modenspiegel“ u. a. waren ihre Auftraggeber; auch Akt-Aufnahmen hatten Konjunktur. Mit Tänzerinnen wie →Claire Bauroff (1895–1984) und der →Isadora Duncan-Schülerin →Sonja Kogan (1908 – n. 2005) kreierte Y. den weiblichen Körper als Rückenfigur, Torso und tanzenden Akt. Diese Studien erschienen in den Magazinen „Figaro“ und „Welt-Magazin“, aber auch in den Jahrbüchern „Deutscher Kamera Almanach“ und „Das Deutsche Lichtbild“.
In enger Zusammenarbeit mit dem Chefredakteur des „Uhu“, →Friedrich Kroner (1889–1952), vom Berliner Ullstein-Verlag entwickelte Y. für das Magazin innovative Photobildgeschichten mit bis zu 20 zusammenhängenden Photographien und kurzen Textbeiträgen. 1930 zog Y. in eine Atelier-Wohnung in der Charlottenburger Bleibtreustr. 17, in der Nähe des Kurfürstendamms. Der Berliner Westen hatte sich zum neuen Geschäfts- und Vergnügungszentrum entwickelt, wo sich auch die modernen Photoateliers niedergelassen hatten: „die Riess“ (→Frieda Riess, 1890 – v. 1957), Suse Byk, →Lotte Jacobi (1896–1990), →Steffi Brandl (1897–1966), →Elli Marcus (1899–1977), →Karl Schenker (1886–1954), →Alexander Binder (1888–1929), →Ernst Schneider (tätig in Berlin um 1910–35) u. a. Nachdem Berlin Ende der 1920er Jahre zur Modemetropole aufgestiegen war, arbeitete Y. auch für Modezeitschriften. Sie photographierte die Modelle der Haute Couture und der Berliner Konfektion u. a. für die Modehäuser A. Kuhnen, Gerson, Max Becker und Regina Friedländer, zudem Hüte von Alice Wicht, Schmuck von Friedländer und Trianon. Y. war so erfolgreich, daß das Atelier weiterhin expandierte und noch 1934 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ein weiterer Umzug in eine 14 Zimmer umfassende Atelier-Wohnung über zwei Etagen in die Schlüterstr. 45 möglich war. Hier arbeitete sie mit zehn Angestellten. Das architektonische Ambiente war geeignet für aufwendig inszenierte Modeaufnahmen. Auf Druck der Nationalsozialisten mußte Y. 1936 eine „arische“ Leitung einsetzen; infolgedessen führte die Kunsthistorikerin →Charlotte Weidler (1895–1983), mit der Y. 1932 für eine große Reportage über Tunesien zusammengearbeitet hatte, das Atelier nominell weiter fort. In dieser Zeit kam auch →Helmut Neustädter (später Helmut Newton, 1920–2004) zu Unterweisungen in Photographie in das Atelier, ebenso wie Y.s Neffe →Wilhelm Gotthelf (William Godwin). 1938 erhielt Y. endgültig Berufsverbot, und im November wurde das Atelier durch die Nationalsozialisten geschlossen. Y. wurde zwangsverpflichtet, als Röntgenassistentin im jüd. Krankenhaus zu arbeiten. Am 1.6.1942 wurden sie und ihr →Ehemann von der Gestapo verhaftet, ihr Vermögen fiel nach der Vermögenserklärung der NSDAP zu. Mit dem 15. Osttransport am 13.6.1942 wurden beide nach Sobibór deportiert und dort ermordet.
Y.s Nachlaß ist zerstört; in Archiven und Agenturen haben sich einige Photographien erhalten. Insbesondere Zeitschriften der 1920er und 1930er Jahre vermitteln einen Eindruck von der Vielfalt ihrer photographischen Tätigkeit. Y. hat immer versucht, die neuesten Techniken im Studio und in der Dunkelkammer anzuwenden und das Medium Photographie zu Höchstleistungen auszureizen. In den 1990er Jahren wurde ihr photographisches Werk durch den Verein „Das Verborgene Museum“ wiederentdeckt und von →Marion Beckers und →Elisabeth Moortgat wissenschaftlich bearbeitet. Damit erhielt Y. in der Photographiegeschichte des 20. Jh. den ihr gebührenden Platz als innovative Photographin.
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Auszeichnungen
|Stolperstein vor d. Haus Schlüterstr. 45, Berlin-Charlottenburg (verlegt 2005);
Gedenkgasse: Y.-Bogen, Kantstr. 10, Berlin (2011);
Gedenk-Album in d. Ausst. „Wir waren Nachbarn“, Rathaus Schöneberg, Berlin (2019). -
Werke
W in Sammlungen: Berlin, Berlin. Gal.–Landesmus. f. Mod. Kunst, Fotogr. u. Architektur;
Berlin, Kunstbibl., Lipperheidesche Kostümbibl., Staatl. Museen zu Berlin;
Berlin, Ullstein Bild;
Berlin, Zentralarchiv, Staatl. Museen zu Berlin;
Essen, Mus. Folkwang;
Hamburg, Mus. f. Kunst u. Gewerbe;
Hamburg, Stiftung F. C. Gundlach, Dauerleihgabe im Haus d. Photogr., Deichtorhallen;
Köln, Dt. Tanzarchiv;
York City (New York), Mus. of Modern Art;
San Francisco (Kalifornien), San Francisco Mus. of Modern Art;
Washington, D. C., Corcoran Gallery of Art;
– Ausst.: Y.-Photographien, Gal. Neumann-Nierendorf, Berlin 1927;
– Ausst.beteiligung: „Film u. Foto“, Internat. Ausst. d. Dt. Werkbundes, Stuttgart 1929, Zürich 1929, Berlin 1929, Wien 1930. -
Quellen
Qu Brandenburg. Landeshauptarchiv, Rep. 36 A OFP Berlin-Brandenburg (II) Nr. 35818 zu Alfred u. Else Simon; Dossier im Archiv d. Fotogr. Slg. d. Folkwang Mus.
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Literatur
|H. Böhm, Der Expressionismus in d. Photogr., in: Photofreund, Nr. 23, VI. Jg., 5.12.1926, S. 429–31;
W. Warstatt, Neuere Stilwandlungen in d. bildmäßigen Photogr., in: Photogr. Korr., 63. Jg., 1927, H. 6, S. 177–82;
H. 7, S. 204–11;
A. Dresdner, German Commercial Photography, in: Commercial Art, No 22, Vol. IV, April 1928, S. 173–78;
M. v. Plato, Y. Fotos, in: Gebrauchsgraphik, Nr. 11, VIII. Jg., Nov. 1931, S. 30–37;
I. Buran, Else Neuländer-Simon (Y.), eine|Berliner Fotografin d. zwanziger u. dreißiger Jahre, Leben u. Werke, unveröff. Hausarb. Hochschule d. Künste, Berlin 1992;
M. Beckers u. E. Moortgat, Ihr Garten Eden ist d. Magazin, Zu d. Bildgeschichten v. Y. im UHU 1930–1933, in: U. Eskildsen (Hg.), Fotografieren hieß teilnehmen, Fotografinnen d. Weimarer Rep., Ausst.kat., Mus. Folkwang, Essen 1994, S. 238–49;
dies., Y., Photogrr. 1925–1938, Ausst.kat. Das verborgene Mus., dt. u. engl., Berlin 2001;
dies., Y.s „phantastische“ Bilder in populären Magazinen 1926–1929, Mehrfachbelichtungen u. Montagen in d. Unterhaltungsfotogr., in: Fotogr. u. Bildpublizistik in d. Weimarer Republik, hg. v. D. Kerbs u. W. Uka, 2004, S. 150–61;
dies., Crêpe de Chine u. türkisblaue Mousseline, in: Y., Modephotogr. d. Dreißiger J., hg. v. J. Rissmann, 2009, S. 5–12;
C. Finnan, Between Challenge and Conformity, Y.’s Photographic Career and Œuvre, in: Practicing Modernity, Female Creativity in the Weimar Republic, hg. v. C. Schönfeld, 2006, S. 120–38;
– Ausst.: Y., Eine Berliner Fotografin d. dreißiger J., Gal. Bodo Niemann, Berlin 1995;
Y., Photogrr. 1925–1938, Das verborgene Mus., Berlin 2001, Suermondt Ludwig Mus., Aachen 2001, Münchner Stadtmus., München 2001;
– Ausst.beteiligungen u. a.: Film u. Foto d. zwanziger J., Württ. Kunstver., Stuttgart 1979;
Avant-Garde Photography in Germany 1919–1939, San Francisco Mus. of Modern Art, San Francisco (Kalifornien) 1980;
Photo-Sequenzen, Reportagen-Bildgeschichten-Serien aus d. Ullstein Bilderdienst v. 1925–1944, Haus am Waldsee, Berlin 1992;
Berlin en vogue, Berliner Mode in d. Photogr., Berlin. Gal., Berlin 1993, Münchner Stadtmus., München 1993, Mus. f. Kunst u. Gewerbe, Hamburg 1993;
Fotografieren hieß teilnehmen, Fotografinnen d. Weimarer Rep., Mus. Folkwang, Essen 1994;
Mode-Körper-Mode, Mus. f. Kunst u. Gewerbe, Hamburg 2000;
Qui a peur des femmes photographes? 1939–1945, Internat. Ausst., Musée d’Orsay, Paris 2015. -
Autor/in
Marion Beckers -
Zitierweise
Beckers, Marion, "Yva (bis 1925 eigentlich Else Ernestine Neulaender-Simon, geborene Neulaender)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 572-574 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142995.html#ndbcontent