Wurmprecht
- Lebensdaten
- erwähnt 14. Jahrhundert
- Beruf/Funktion
- Verfasser eines astronomischen Kalenders
- Konfession
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- Namensvarianten
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- Wurmprecht
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Wurmprecht
|Verfasser eines wissenschaftlich-astronomischen Kalenders, 14. Jahrhundert
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Biographie
W.s Herkunft und Lebensweg sind unbekannt. Sein Name ist lediglich in einer Kalenderhandschrift von 1373 „das ist der kalender von wurmprecht beschriben ze wyenn nach Christi gepurt drewczehenhundert jar dar nach in lxxiij jar an sand Gregurgen abent in der vasten“ (12.3.1373) in der Bibliothek des Zisterzienserstifts Rein bei Graz überliefert (Hs. 204, 1r–13v). Der älteste bisher bekannte dt.sprachige wissenschaftlich-astronomische Kalender orientiert sich in seiner Tabellenanordnung an lat. Vorläufern des 11. bis 13. Jh., umfaßt neben dem Heiligenkalender Passauer Zugehörigkeit Angaben der Tagesdauer in Stunden und Minuten, der Neumonde nach herkömmlicher julianischer sowie korrigierter Neuberechnung, die Sonntagsbuchstaben sowie den Eintritt der Sonne in die|zwölf Tierkreiszeichen. Anschließende komputistische Texte und Tabellen geben erstaunlich präzise Beginn und Dauer von fünf Sonnen- (1376, 1377, 1379, 1384, 1386) und 15 Mondfinsternissen (1373–83) an und beschreiben den Mondumlauf durch die Tierkreiszeichen (lat.), die Stundenregenten, die Berechnung der Zeitspanne zwischen Weihnachten und Fastnacht, des Sonntagsbuchstabens und der Goldenen Zahl und schließen mit einem Zodiakallunar.
Ob W. eine Verbindung zu der 1365 gegründeten Univ. Wien unterhielt, und wenn ja welche, ist ebenso unklar, wie das Verhältnis zu →Johann von Gmunden (um 1380/84–1442), der ein halbes Jahrhundert später an der Univ. Wien Kalenderberechnungen durchführte. Kalender vom W.-Typ sind mehrfach im ‚Iatromathematischen Hausbuch‘ des 15. Jh. vertreten (z. B. Zürich, Zentralbibl., Ms. C 54, 1r–17r, 50v–58v). →Joseph Diemer fand den Kodex bei seiner ungedruckten Teilabschrift im 19. Jh. noch in der richtigen Bindereihenfolge vor (Österr. Nat.bibl. Wien, cod. 15373, 64r–67v); →Hans Kristof entdeckte 1960 das ursprüngliche Bl. 1 als Bl. 13 vor den im Kodex folgenden Text eingebunden.
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Werke
Weitere Teilabschr. Österr. Nat.bibl., cod. 2875 (anonym, uned.).
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Literatur
|J. W. Bradley, A Dict. of Miniaturists, Illuminators, Calligraphers, and Copyists, Bd. 3, 1889, S. 424;
H. Kristof, Heinrich v. Teichners Reimkal. in e. Zwettler Hs. u. W.s Wiener Kalendarium 1373, in: Jb. f. Landeskde. v. Niederösterr. NF 34, 1960, S. 232–86;
H. Menhardt, Verz. d. altdt. Hss. d. Österr. Nat.-Bibl., Bd. 1, 1960, S. 299 u. Bd. 3, 1961, S. 1407;
Ch. Weißer, Wie benutzt man e. ma. Kal.?, in: Vom Einfluß d. Gestirne auf d. Gesundheit u. d. Charakter d. Menschen, Kommentarbd. z. Faks.-Ausg. d. Ms. C 54 d. Zentralbibl. Zürich (Nürnberger Kodex Schürstab), hg. v. G. Keil, F. Lenhardt u. dems., 1983, S. 147–55;
S. Draxler u. M. E. Lippitsch, Mönche als Hüter d. Zeit, Kal.schätze im Stift Rein, in: G. Wolfschmidt (Hg.), Orientierung, Navigation u. Zeitbestimmung, Wie d. Himmel d. Lebensraum d. Menschen prägt, 2019, S. 540–55;
W. Steinmetz, Hss.-Verz. d. Stifts-Bibl. z. Rein 1999–2014 (online);
Vf.-Lex. MA². -
Autor/in
Christoph Weißer -
Zitierweise
Weißer, Christoph, "Wurmprecht" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 554-555 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142989.html#ndbcontent